Jugendliche im Netz Smartphone schlägt PC

Warum und wie junge Leute ins Netz gehen: Der Branchenverband Bitkom hat Kinder und Jugendliche zu ihrem Internet-Nutzungsverhalten befragt. Ein Ergebnis: Die 16- bis 18-Jährigen surfen am ehesten per Smartphone.

Junge Leute mit Tablet und Smartphone: Neue Jugendstudie erschienen
Corbis

Junge Leute mit Tablet und Smartphone: Neue Jugendstudie erschienen


Was machen Kinder und Jugendliche heute eigentlich am Smartphone, PC und Tablet? Welche sind ihre bevorzugten Kommunikationsmittel, und wie nutzen sie soziale Netzwerke? Fragen wie diesen ist der Branchenverband Bitkom in der Studie "Kinder und Jugend 3.0" (PDF) nachgegangen. Die Bitkom-Abteilung Research und das Marktforschungsinstitut Forsa haben sie mit 962 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 18 Jahren durchgeführt.

Folgendes zählt zu den interessantesten Ergebnissen der Studie:

  • Jedes fünfte Kind zwischen sechs und sieben Jahren verwendet zumindest "ab und zu" ein Smartphone - und das, obwohl Kinder in diesem Alter in der Regel erst lesen lernen. Ins Internet geht diese Altersgruppe hauptsächlich übers Notebook (64 Prozent der Befragten) oder über stationäre Computer (43 Prozent). In den täglich durchschnittlich elf Minuten im Netz spielen die Kinder vorwiegend Online-Spiele (56 Prozent) oder schauen Videos (55 Prozent). Informationen für ihre Hausaufgaben suchen in dieser Altersgruppe erst zwölf Prozent online.
  • Das Smartphone ersetzt zunehmend den Computer. So nutzen laut Bitkom Research 85 Prozent der Jugendlichen zwischen 12und 13 Jahren ihr Mobilgerät genauso häufig wie den PC. 89 Prozent der 16- bis 18-Jährigen bezeichnen das Smartphone sogar als ihren primären Netzzugang. Bei älteren Jugendlichen kehrt sich dieser Trend aber wieder um: Nur 47 Prozent der 19-Jährigen bezeichnen das Smartphone als Primärzugang, sie sitzen eher vor dem stationären PC. Die Daten zu den 19-Jährigen stammen aus einer anderen, nicht veröffentlichten Bitkom-Studie aus dem Januar 2014 mit 1370 Teilnehmern ab 14 Jahren.
  • Die aktive Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook beginnt bei Kindern im Alter von zehn Jahren. In dieser Altersgruppe liegt der Anteil der Netzwerk-Nutzer bei zehn Prozent. Im Alter zwischen zwölf und 13 Jahren sind 42 Prozent in Netzwerken aktiv, bei den 16- bis 18-Jährigen sind es 85 Prozent. Interessant dabei: Bei den Befragten über elf Jahren hat der Messaging-Dienst WhatsApp die Nase vorn, erst die 16- bis 18-Jährigen setzen stärker auf Facebook. Bevorzugte Aktivität in allen Altersklassen ist es, selbst gemachte Fotos teilen. Die Studie zeigt aber auch, dass es einen recht hohen Anteil von Skeptikern gibt: Rund ein Viertel der Jugendlichen zwischen 14 und 18 teilt überhaupt keine Inhalte im Internet.

Brettspiele, Fernsehen, Zeitung: Noch lange nicht tot

Neben dem Internet thematisiert die Bitkom-Studie auch andere Medien: Über alle Altersstufen hinweg sehen zum Beispiel im Schnitt etwa 90 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen fern. Aufatmen kann, wer schon das Ende der Gesellschaftsspiele befürchtet hatte: 98 Prozent der Kinder im Grundschulalter spielen noch analog - im Kontrast zu 65 Prozent, die Computerspiele zocken.

Und auch Zeitungen und Zeitschriften haben offenbar noch eine Daseinsberechtigung: 65 Prozent der 6- bis 7-Jährigen, fast drei Viertel der 10- bis 12-Jährigen und 76 Prozent der 16- bis 18-Jährigen lesen diese Medien. Bei letzterer Gruppe überwiegt aber schon die Lektüre von Online-Medien.

Bei der Studie wurden übrigens auch Geschlechterunterschiede bei der Internetnutzung berücksichtigt, dazu finden sich in der jetzt veröffentlichen Zusammenfassung allerdings keine Daten. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE sagte Bitkom-Sprecherin Katja Hampe, dass in den nächsten Monaten eine ausführlichere Dokumentation der Studie erscheint.

abr



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insgesamt 17 Beiträge
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Flying Rain 29.04.2014
1. Als
Ob sich Print- ubd Onlinemedien ausschließen würden wobei das so denke ich an persöhnlichrn Vorlieben liegt. Ich lese Nachrichten zu 90% online auf dem Mobiltelefon da Zeitungen in der Arbeit nerfig sind ...aber Bücher wiederrum ausschließlich analog ...ist wohl ne Frage der Haptik^^...und zu den Kids...das Problem ist, das deren Eltern aktuell immer noch nicht so viel mit den neueren Medien anfangen können da die Kids die mit dem Internet vollständig aufwuchsen noch ein paar Jährchen brauchen....btw falls jetzt jemand schreit...ja ich weis es gibt derzeit viele Netzvertraute Eltern aber die bilden trotzdem noch die Minderheit was sich daran zeigt was für einen (pardon) shit ihre Kids blind ins Internet hauen, angefangen von Nacktbildern bis fehlende Pc-Sperren...
narpuliaun 29.04.2014
2. Crux
Dumm nur, dass all diese Tätigkeiten nahezu ausschließlich auf den Konsum von Inhalten ausgerichtet sind. Das technische Know-How und die persönlcihe digitale Organisation sind bei den meisten Kids (& Eltern) Brachland...
Mindbender 29.04.2014
3. ...
Zitat von narpuliaunDumm nur, dass all diese Tätigkeiten nahezu ausschließlich auf den Konsum von Inhalten ausgerichtet sind. Das technische Know-How und die persönlcihe digitale Organisation sind bei den meisten Kids (& Eltern) Brachland...
Ganz genau. Aber wenn aufgrund dessen z.B. die Kanzlerin sagt, dass Internet sei "Neuland" - und damit meinte sie sicher nicht, wie man bei Zalando einkauft, sondern wie die Gefahren, Tücken und auch Techniken dahinter aussehen, Stichwort verantwortungsvolles Surfen - dann schreit die Generation@, Lobo und Co. auf einmal laut auf, natürlich via Twitter, dass können sie ja noch bedienen. Aber ganz so unrecht hatte die gute Frau natürlich nicht. Ich wage zu behaupten, auch aus meinen Erfahrungen als IT Manager heraus, das 50% der User schlicht die entsprechenden "Internetkompetenz" fehlt.
jtrch 29.04.2014
4. Smartphones sind PCs
Ich finde den Satz eines ehemaligen IBM Managers interessant, der meinte mal, dass er in den 80er Jahren sich wünschte, der PC werde so einfach bedienbar wie ein Telefon. Heute müsse er feststellen, dass es umgekehrt gekommen sei und Telefone so kompliziert wie PC wurden.
morkna 29.04.2014
5.
was ist Bitte ein primärer Netzzugang? Wenn damit der Zugang gemeint ist mit dem man am längsten im Internet ist, ist das natürlich das Smartphone! Immerhin ist man damit potenziel 24h online. allerdings nutzt man es aktiv immer nur für wenige Minuten, während man ab einem PC häufig längere Zeit verbringt.
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