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Internet-Nutzungsstudie: Nachwuchs zeigt Blogs die kalte Schulter

Was die letzte Jugendlichen-Generation cool fand, findet die jeweils aktuelle lahm: Das war nie anders und ist auch in Bezug auf das Internet so. So fegten einst Blogs die schnarchigen Homepages aus dem Web, nur um nun selbst aus der Mode zu kommen: Junge Amerikaner haben kaum mehr Interesse.

Modesache: Das private Blog ist bei der jüngeren Generation auf dem Abstieg, während kommerzielle Profi-Blogs boomen (im Bild: TechCrunch) Zur Großansicht
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Modesache: Das private Blog ist bei der jüngeren Generation auf dem Abstieg, während kommerzielle Profi-Blogs boomen (im Bild: TechCrunch)

Chicago - Blogs haben ihren festen Platz im Netz, ihre beste Zeit aber offenbar bereits hinter sich. Nach einer Studie des Pew Internet & American Life Projects verlieren vor allem Jüngere das Interesse am klassischen Blog mit seinen eher längeren Texten und der Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen. Vermutlich gehen Blogs nur einen ähnlichen Weg wie die E-Mail: Sie bleiben nützlich, sind aber nicht mehr sexy.

"Erinnern sie sich, als die Worte 'Sie haben Post' noch Begeisterung auslöste?" fragt Danah Boyd vom Berkman Center for Internet and Society der Universität Harvard. "Die Leute beschränken sich darauf, Blogs für das zu nutzen, wofür sie gut sind. Für aufregendere Dinge wenden sie sich anderen Kanälen zu."

Das sind dann etwa soziale Netzwerke oder auch spezielle Spiele- oder Videoportale. In der Pew-Umfrage gaben nur noch 14 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, dass sie bloggen. 2006 waren es noch mehr als 25 Prozent. Nur jeder zweite Befragte kommentiert noch die Blogs von Freunden, vor vier Jahren taten dies drei von vier. Einen ähnlichen Rückgang stellte die Studie in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen fest.

Die Verfasser der Studie schätzen den Anteil der Blogger in den USA auf etwa zehn Prozent der Personen, die regelmäßig online sind. Dieser Wert ist seit 2005 ungefähr konstant geblieben, als Blogs den Online-Mainstream erreichten. Insgesamt gibt es mehr als 30 Millionen Blogs in den USA. "Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung, von null auf 30 Millionen in zehn Jahren", sagt David Sifry, der die Blog-Suchmaschine Technorati gegründet hat.

Die Blog-Bevölkerung wird aber immer älter. 2007 führten sieben Prozent der befragten Amerikaner im Alter von über 30 Jahren ein eigenes Blog - im vergangenen Jahr waren es elf Prozent. Hingegen sank dieser Anteil in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen von 24 auf 15 Prozent.

Zu viel Aufwand, zu viel Öffentlichkeit?

Ganz andere Zahlen gibt es für die sozialen Netzwerke. Facebook und Co. werden nach Angaben von Pew von 73 Prozent der 12- bis 17-Jährigen genutzt, die einen Zugang zum Internet haben. Vor vier Jahren waren es erst 55 Prozent. Vor allem die kurze Statuszeile habe den Blogs mit ihren langen Texten geschadet, sagt die Mitverfasserin der Pew-Studie, Amanda Lenhart. Der Trend zur kurzen persönlichen Information im erweiterten Freundeskreis wird durch das mobile Internet zusätzlich verstärkt. Die Statuszeile ist auf dem Handy schnell geschrieben, ein Blog-Posting oder auch schon ein Kommentar ist im Vergleich dazu aufwendiger. Fast alle Experten sind sich aber einig, dass Blogs weiter bestehen bleiben. Lenhart erwartet eine Entwicklung hin zu Blogs, die sich auf bestimmte Ereignisse konzentrieren, etwa eine Reise oder die Hochzeit.

"Bloggen ist eine engagierte Form der Selbstverwirklichung. Dazu ist Zeit und eine große Anstrengung nötig", sagt Eszter Hargittai, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Northwestern-Universität. Sie und andere Experten vermuten, dass jüngere Menschen auch weniger bereit sein werden, jeden Gedanken mit der ganzen Welt zu teilen. "Vor fünf Jahren war Bloggen so etwas wie ein Club", sagt Technorati-Gründer Sifry. "Da war dieses wunderbare Gefühl, scheinbar privat mit Menschen über Dinge sprechen zu können, die man interessant findet."

Und man habe lange Zeit keine negativen Konsequenzen befürchten müssen. Das habe sich inzwischen geändert, sagt Sifry. "Es ist ein größeres Bewusstsein für die Privatsphäre entstanden und dass das persönliche Leben beeinflusst werden kann, wenn sie verletzt wird."

Martha Irvine, APN

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
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1. bloggs adee
kirk123, 10.02.2010
Man was bin ich das dat vorbei ist. Hat mich eh schon immer voll genervt mit dem Mitteilungsbürfn iss der Nerds. Viel Text nix zrühnt. LOL Manche schaffen es ins TV (lobo) Nun ist Twitter angesagt, noch weiniger zu sagen . nur das ich nicht alles mitmachen muss.
2. Nabelschau
plasmopompas 10.02.2010
Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Bildblog) handelt es dabei ja doch häufig nur um selbstverliebte Nabelschau. Also kein großer Verlust wenn wieder weniger "gebloggt" wird.
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