Internet-Recherche Potter-Kopien vermutlich echt

Das Geheimnis um den letzten "Harry Potter"-Band scheint endgültig entzaubert zu sein: Laut Recherchen der Agentur P4M sind die im Netz aufgetauchten Kopien echt. Auch wie sie entstanden sind, haben die Internet-Ermittler minutiös rekonstruiert.


Seit Sonntag vergangener Woche geistern Kopien des siebten und letzten "Harry Potter"-Bands durchs Netz. "Wir gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich um eine Kopie direkt vom Original handelt", sagte Petur Agustsson von P4M.

Potter-Finale: Unfreiwillige Vorabveröffentlichung im Netz
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Potter-Finale: Unfreiwillige Vorabveröffentlichung im Netz

Die Raubkopie von "Harry Potter and the Deathly Hallows" verbreitet sich explosionsartig im Netz Drei verschiedene Fälschungen kursieren insgesamt, unter anderem die Seite für Seite abfotografierte rund 700 Seiten starke Fassung der englischsprachigen Ausgabe.

Nach Angaben der Agentur P4M finden sich die Kopien inzwischen bei sechs verschiedenen Anbietern von Webspeichern und zwei Tauschbörsen. Die illegale Veröffentlichung wurde binnen 48 Stunden über 10.000 Mal heruntergeladen.

Begonnen habe alles am 15. Juli, um 20:39 Uhr, irgendwo in den USA. Im Schutz der Dunkelheit habe der Raubkopierer eine Originalausgabe des Buchs Seite für Seite mit einer Digitalkamera abfotografiert. Bei der Kamera handle es sich um eine Canon EOS 300D, 350D oder 400D.

Zur Geisterstunde, um 0:14 Uhr, war der gesamte Band auf Fotos in einer Auflösung von einem Megapixel kopiert. Laut InternetAgenten besaß der Raubkopierer beim "HarryPotter"-Klau offenbar eine überirdische Ruhe. "Er gönnte sich unbehelligt ein Päuschen von drei Stunden", behauptet Agustsson. "Vermutlich brauchte er die Ruhepause, um die Geschichte selbst zu lesen. Oder, ganz banal, um die Kamera-Akkus aufzuladen."

Seine Digitalkamera könnte dem Dieb nun bald zum Verhängnis werden: Sie schrieb außer Angaben zu Bilddetails auch Informationen über die benutzte Kamera in die Bilder. Sogar die Seriennummer des Geräts ist bekannt. Bei "digg.com" zerbricht man sich den Kopf darüber, ob und wie man den Täter anhand dieser Information ausfindig machen könnte.

Der Verkauf von "Harry Potter and the Deathly Hallows" startet am Samstag um Mitternacht. Der US-Buchvertrieb Barnes & Noble meldete bereits im April eine halbe Million Vorbestellungen; insgesamt plane man, zwölf Millionen Bücher zu verkaufen.

"Harry-Potter"-Fans spekulieren seit Monaten in Blogs, Wikis und Internetforen über alle möglichen Details der Geschichte. Autorin J. K. Rowling hat erklärt, in dem Buch würden zwei wichtige Figuren sterben.

ssu



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