Internet-Shopping Warum online Einkaufen sich lohnt

Noch immer zögern viele Verbraucher, sich auf den Online-Einkaufsbummel einzulassen. Man muss sich fragen, warum: Der Kunde steht am Computer besser da als an der Ladentheke. Großzügige Widerrufs- und Rückgaberechte sorgen für Sicherheit beim virtuellen Bummel.

Von Dirk Kunde


Der Online-Einkauf bietet einen großen Vorteil gegenüber dem Shopping im Ladengeschäft. Das Zauberwort heißt Widerrufsrecht. Gemäß Fernabsatzgesetz darf man online gekaufte Waren innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zurückgeben. Dieses Recht gibt es im Laden nicht. Das geht nur auf Kulanz oder wenn die Ware einen Mangel hat.

Einkauf am Rechner: Beim Online-Einkauf hat der Verbraucher online mehr Rechte als offline

Einkauf am Rechner: Beim Online-Einkauf hat der Verbraucher online mehr Rechte als offline

Generell stehen die Verbraucher bei Auseinandersetzungen also auf der besseren Seite. "Die Rechtssprechung ist extrem verbraucherfreundlich", sagt Sabine Heukrodt-Bauer, Fachanwältin für IT-Recht in Mainz. Und die Verbraucherrechte werden sogar noch weiter ausgebaut.

Häufig geht es bei Streitigkeiten um die Rückgabe, Versandkostenerstattung und Wertersatz für gebrauchte Waren. Das soll die BGB-Informationspflichten-Verordnung ändern. Gleich im ersten Paragrafen steht, worüber ein Händler seine Kunden informieren muss. Im Anhang stehen Mustertexte für eindeutige Rückgabe- und Widerrufsbelehrungen. Bis zum 1. Oktober haben Online-Händler Zeit, diese Regelungen in ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu übernehmen. Im Laufe des kommenden Jahres soll die Verordnung sogar in den Rang eines Gesetzes gehoben werden.

Auch unfrei zurücksenden

Laut Verordnung müssen Händler den Kunden beim Kauf schriftlich über Liefer-, Versand- und Rückgabebedingungen informieren. Die Frist für einen Widerruf des Kaufs beginnt erst mit Erhalt dieser Belehrung, jedoch nicht vor Eingang der Ware. Vergisst ein Händler den Text, läuft die Widerrufsfrist niemals ab.

Waren an- und ausprobieren, wie man es auch im Ladengeschäft tun würde, ist beim Online-Shopping also unproblematisch. Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Rückgabe sichtbar gebrauchter Produkte innerhalb der 14 Tage verpflichtet zu Wertersatz. Die Höhe ist oft ein Streitpunkt. Als Faustregel gilt: Der Händler schätzt den Preis, den er für gebrauchte Ware erzielen kann und stellt die Differenz zum Neupreis in Rechnung.

Man sollte das als Verbraucher also nicht auszunutzen versuchen. Anwältin Heukrodt-Bauer, die auch Online-Händler vertritt, rät ihren Mandanten dazu, den vollen Kaufpreis einzubehalten, wenn die Nutzung eindeutig erkennbar ist. "Unschöne Höhepunkte sind getragene Abendkleider, die noch nach Zigarette und Schweiß riechen."

Die Versandkosten zum Kunden muss ein Händler bei Rückgabe erstatten. Die Kosten für eine Rücksendung trägt bei Warenwerten bis 40 Euro der Kunde. Darüber übernimmt sie der Händler, wenn der Kunde bereits bezahlt hat, was beim Online-Handel durch Vorkasse oder Kreditkartenzahlung die Regel ist.

Oft schreiben Händler vor, dass Kunden die Waren nur in Originalverpackung zurücksenden dürfen und einen anzufordernden Rücksendeschein verwenden müssen. "Dazu ist der Verbraucher jedoch nicht verpflichtet", sagt Heukrodt-Bauer. Gut verpackt zurückgeschickt - auch unfrei - reicht aus, um vom Rückgaberecht Gebrauch zu machen.

Bei der Gewährleistungsfrist unterscheiden sich Online-Handel und Ladenkauf nicht - sie beträgt in beiden Fällen zwei Jahre.

Risiken bleiben...

"In den meisten Fällen geht es darum, dass bezahlt wurde, aber keine Ware ankommt", schildert Edda Castelló, Leiterin der Abteilung Geld und Recht in der Verbraucherzentrale Hamburg ihre Erfahrung mit Streitigkeiten im Online-Handel. Der Kunde muss in der Regel vorab bezahlen, ob die Ware wirklich ankommt, bleibt sein Risiko.

Castelló rät Verbrauchern, vor dem Einkauf nach einer Adresse und Telefonnummer im Impressum zu schauen. Das ist zwar keine Garantie, aber wenn schon die Adresse fehlt oder das Unternehmen im Ausland sitzt, fällt die Reklamation später schwer. Sollte die Ware nicht ankommen, rät die Verbraucherschützerin zu einem Einschreiben mit Rückschein, in dem eine Frist gesetzt wird. Nach Ablauf kann man vom Kauf zurücktreten und sein Geld zurückfordern.

Mit anwaltlicher Hilfe kann man auch Schadensersatz geltend machen, wenn man das Produkt inzwischen woanders teurer eingekauft hat. Im nächsten Schritt kommt der Mahnbescheid.

...und Siegel schaffen sie nicht aus der Welt

Das hilft natürlich gar nichts, wenn man an Betrüger geraten ist. Um mehr Vertrauen aufzubauen, nutzen Online-Händler diverse Siegel. Doch Castelló hält davon wenig: "Es gibt zu viele und es ist eine vorgegaukelte Sicherheit. Wenn der Laden in die Insolvenz geht, sieht man sein Geld trotz Siegel nicht wieder."

Die Orientierung fällt hier schwer. Darum empfiehlt die Initiative D21, ein Zusammenschluss aus Politik und Unternehmen der Informationswirtschaft, vier Siegel für den Online-Einkauf. Darunter sind "Safer Shopping" vom TÜV Süd, Trusted Shops , das "Geprüfter Shop-Siegel" vom EHI Retail Institute, welches auch vom Bundesverband des deutschen Versandhandels ausgegeben wird und das Datenschutzgütesiegel ips. Die Shops müssen sich Regeln unterwerfen und werden überprüft. Einige Anbieter werben mit einer Geld-zurück-Garantie für die Kunden.

Doch Siegel hin oder her: Insgesamt ist das Online-Shopping offenbar sicherer als sein Ruf vermuten lässt. Auf dem Schreibtisch der Verbraucherschützerin Edda Castelló landen trotz der rapide steigenden Zahl der Einkäufe im Netz pro Woche höchstens drei bis vier Fälle. Castelló: "Es scheint also recht reibungslos zu laufen."

Anmerkung der Redaktion: Nach Erscheinen dieses Artikels stellte sich heraus, dass die Aussage von Edda Castelló, Leiterin der Abteilung Geld und Recht in der Verbraucherzentrale Hamburg, Shopping-Gütesiegel schützten nicht, wenn der betroffene Shop in Insolvenz gehe, in dieser Allgemeinheit nicht für alle Siegel gilt. Das Siegel Trusted Shops beinhaltet eine Versicherung, die auch das Kunden-Risiko bei Insolvenz eines Shops einschließt. Damit ist laut Versicherungsbedingungen auch das Risiko, dass der Kunde bezahlt, aber keine Ware erhält, abgedeckt.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DJ Doena 15.09.2008
1. kommt drauf an
Naja, trotzdem würde ich zum Beispiel nie Klamotten online kaufen - hätte ich auch nicht gemacht, als es noch um die Welt der Kataloge ging. Das ganze hin- und herschicken ist dann doch mehr Aufwand als die Sache wert ist. Neulich hatte ich überlegt, mir ne Uhr zu kaufen. Metallarmband war mir lieber, aber dann fiel mir ein, dass ich nicht die feinmotorischen Fähigkeiten habe, so ein Glied selbst rauszunehmen, also wäre online nur mit "Locharmband" gegangen oder mit anschließendem Gang zu einem Uhrenladen. Dann kann ich aber auch gleich da kaufen. Nich falsch verstehen, ich kaufe DVDs, Bücher und Computer fast ausschließlich online, da weiß ich dann aber auch schon vorher, dass ich das richtige bekomme.
alibaba3351 15.09.2008
2. Vorkasse
Man sollte schon genau hinschauen.Grundsätzlich lasse ich Shops mit Vorkasse (Bezahlt und nicht geliefert )links liegen.
Uli H. 15.09.2008
3. Ganz gemütlich zuhause
Ich hab mir letzte Woche ein neues Handy gegönnt. Da ich mitten in Berlin Kreuzberg wohne, dachte ich mir, gibst dem Einzelhandel eine Chance und holst Dir das Teil in einem der reichlichen Handyshops hier (50 Meter Straßenabschnitt am Hermannplatz mit 6 (sechs) Handyläden - plus Karstadt gegenüber). Vorab im Internet über Preis und Ausstattung informiert. Einführungspreis 380 Euro, aktuelle Preisempfehlung des Herstellers 249 Euro und aktueller Discountpreit 219 Euro. Mit diesen Infos bewaffnet ging es los. Ebay gilt bei sowas nicht. Logo. Um die Sache kurz zu machen: Der halbe Urlaubstag war beim Teufel und das Beste Angebot das ich bekam (in einem von insgesammt über 20 Läden) waren die 249 Euro - allerdings müsse er das Gerät bestellen. TOLL. Na DAS kann ich selbst. Einziges Angebot zum "gleich einpacken" lag bei 400 Euro. Ich frage mich wie diese Händler überhaupt noch Geld verdienen. Etwa mit diesen als "Handyvertrag" getarnten, überteuerten Ratenkrediten? Fällt da noch jemand drauf rein? Ich hab mir mein Gerät dann online bestellt. Hatte es keine 48 Stunden später in den Händen. Computerkram kaufe ich seit Jahren nur im Netz: Man kann in aller Ruhe vergleichen und sich das optimale Produkt aussuchen. Im Laden wird mir meist genau das angedreht, was der Händler los werden möchte oder ihm die beste Provision bringt. Beim Kauf eines Bürostuhles neulich tastete sich der Verkäufer geschickt an das von mir gesetzte Preislimit heran. Das Produkt selbst spielte für ihn keine Rolle. In ganz vielen Läden fühle ich mich im Übrigens eher als Störfaktor, denn als Kunde. Ich sehe meist nicht so aus als hätte ich viel Geld in der Tasche und erlebe eine Unverschämtheit nach der Anderen. Internet-Shopping ist das Beste was uns in den letzten Jahren passieren konnte. Auch wenn mir die allgegenwärtige Nötigung zum Geld Ausgeben ganz gehörig auf den Sack geht. Man sollte das alles besser trennen und die Reklameflut um 95% herunterfahren.
inmado 15.09.2008
4. Von wegen Kaiser...
Der Titel des Artikels ist in anbetracht seines Imhalts mur schwer verstämdlich, denn die Nachteile beim Online-Kauf werden ja durchaus benannt. Was nützt mir ein 14-tägiges Rückgaberecht, wenn ich gar nichts zurückgeben kann? Ware bezahlt, aber angekommen ist nichts. Während man beim klassischen Versandthandel i.a. per Rechnung kaufte, hat sich das m.E. selbstverständliche Prinzip "Erst Ware, dann Geld" beim Online-Handel noch immer nicht durchsetzen können. Und das 14-tägige Rückgaberecht scheint mir wenig vertrauenswürdig. Stichwort: "Wertersatz". Wie heißt es im Artikel: "Der Händler schätzt den Preis, den er für gebrauchte Ware erzielen kann und stellt die Differenz zum Neupreis in Rechnung". Na, da kann ein Händler ja leicht 30% verlangen. Und dann? Zahlen oder klagen. So sieht es aus für den "Kaiser Kunde". Die "Gewährleistung" ist - und nicht nur Online - völlig sinnlos. Denn schon nach sechs Monaten ist hier der Kunde beweispflichtig. Er muß beweisen, daß der aufgetretende Mangel schon beim Kauf "im Keim" vorhanden war. Was man als Kunde praktisch nie kann. Wie auch? Und selbst wennn: Der Händler kann einfach jedweden Beweis als unzureichend ablehnen. Und wieder heißt es: "Zahlen oder klagen".
garfield, 15.09.2008
5. Kein titel
Zitat von alibaba3351Man sollte schon genau hinschauen.Grundsätzlich lasse ich Shops mit Vorkasse (Bezahlt und nicht geliefert )links liegen.
Dann bleibt als Auswahl aber nicht mehr viel übrig! Es ist wohl eher die Ausnahme, dass Online-Händler Kauf auf Rechnung zulassen - jedenfalls nicht bei Erstkunden. Und selbst die als einziges angebotene Zahlweise "Vorkasse" wird fast immer als Überweisung gefordert. Damit ist ein späteres Zurückbuchen bei Problemen auch ausgeschlossen. Bestenfalls ist neben der Vorabüberweisung noch Zahlung per Nachnahme möglich. Aber von den 2 Euro "Trinkgeld" für den Überbringer abgesehen, läßt sich meist auch der Händler das noch mit einem einige Euro teuren Aufpreis vergolden. Von dieser Zahlweise halte ich nichts, da man meist nicht im Beisein des Überbringers die Zeit und Muße hat, die Ware zweifelsfrei auf Schäden zu prüfen. Und wenn doch was kaputt ist, ist der Bote schon weg und man hat sogar noch mehr bezahlt. Allerdings sollte man es auch mal aus der Sicht des Händlers sehen: Würde man selbst etwas verkaufen und abschicken und dem Käufer die Bezahlung hinterher gestatten?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.