Internet-Sicherheit Amerika rüstet zum Cyber-Krieg

Ein neues Büro im Weißen Haus, eine neue Stabsstelle im Pentagon: Die Vereinigten Staaten wappnen sich gegen digitale Eindringlinge und wollen ihre Kapazitäten zu Cyber-Abwehr und -Angriffen koordinieren.


Das Internet ist für die Vereinigten Staaten längst ein potentielles Schlachtfeld. Dabei geht es sowohl um das Einkaufen im Internet mit Kreditkarten als auch um das Ausspähen von geheimen Rüstungsprojekten und den Angriff auf Strom- und sonstige Versorgungsnetze. Computer der Regierung, des Militärs und von kommerziellen Anbietern sind Zielscheibe von Cyber-Attacken, von digitalen Raubzügen und Spionage - wogegen nun verstärkt vorgegangen werden soll.

Ein neuer Berater im Weißen Haus soll die Umsetzung der milliardenschweren Pläne beaufsichtigen und koordinieren, mit denen private und staatliche Netzwerke vor Angriffen und Spionage geschützt werden sollen. US-Präsident Barack Obama werde die Einrichtung der Stelle am Freitag bekanntgeben, sagten Mitarbeiter der Regierung. Wer den neuen Posten besetzten wird, werde bis dahin aber noch nicht feststehen.

Obama hatte direkt nach seinem Amtsantritt Cyber-Security zu einer seiner Top-Prioritäten gemacht. Der sogenannte "Cyberzar" soll nach Informationen aus der Regierung allerdings keinen direkten Zugang zum Präsidenten erhalten, sondern würde an die Berater für nationale Sicherheit und Wirtschaft berichten. Somit könnte es für ihn schwieriger sein, gravierende Änderungen durchzusetzen. Dafür werde der "Cyberzar" vermutlich Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten.

Pentagon oder NSA?

Gleichzeitig mit dem Posten soll ein 40-seitiger Bericht vorgestellt werden, der die bisherigen Maßnahmen für Cyber-Sicherheit untersucht. Das lange erwartete Papier wurde von der Interimsbeauftragen für Cyber-Security, Melissa Hathaway, erstellt - eine ehemaligen Geheimdienstmitarbeiterin und potentielle Kandidatin für den neuen Posten. Der Bericht enthalte eine strategische Vision zur Zukunft der Cyber-Abwehr und skizziere die Themen, die der neue Berater zu bearbeiten habe, verlautete aus Regierungskreisen.

Details über die künftige Sicherheitsstrategie soll der Bericht allerdings nicht enthalten. So ist vor allem die strittige Frage ausgespart, ob der Geheimdienst NSA oder das Verteidigungsministerium die führende Rolle zugesprochen bekommt. Bisher ist die NSA federführend in der Überwachung elektronischer Netzwerke. Der Geheimdienst ist wegen der Ausspähung von E-Mails und Telefongesprächen in den USA in die Kritik geraten, für die es lange Zeit keine Gesetzgrundlage gab. Damit bleibt die Frage zunächst offen, ob das Pentagon oder die NSA künftig für die Durchführung und die Abwehr von Cyber-Angriffen zuständig ist.

Das Internet, ein Schlachtfeld wie jedes andere

Das Pentagon brachte sich unterdessen in Position und kündigte am Donnerstag die Einrichtung eines neuen Militärstabes als Ergänzung zum "Cyberzar" im Weißen Haus an. Das neue militärische Internet-Kommando soll die Kapazitäten der Teilstreitkräfte bündeln und Angriffe auf Computernetzwerke abwehren und durchführen, berichtet die "New York Times". Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, man müsse im Internet wie auf jedem anderen Schlachtfeld auch agieren können.

Von Obama wird erwartet, dass er neben der Vorstellung des öffentlichen Berichts eine Reihe geheimer Anweisungen ausgibt, mit denen die Zusammenarbeit zwischen NSA und Pentagon geregelt wird. Fokussieren dürfte er sich auf die Abwehr von Cyber-Angriffen und den Schutz amerikanischer Infrastrukturen. Bisher gibt es vom Weißen Haus keine Stellungnahme zu offensiven Maßnahmen gegen Cyber-Angriffen von digitalen Eindringlingen.

ore/AP/dpa



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