Internet-Störung Wirtschaft im Nahen Osten leidet unter Kabel-Panne

Gestörte Sprachverbindungen, verstopfte Datenleitungen, Totalausfälle: Weite Teile des Nahen Ostens sind durch den Schaden an einem unterseeischen Kommunikationskabel im Mittelmeer betroffen. Nun tauchen erste Hinweise auf, was den Ausfall verursacht haben könnte.


Man vermute, der Anker eines Schiffes habe das Datenkabel durchtrennt, sagte ein Mitarbeiter des Ägyptischen Telekommunikationsministeriums dem TV-Sender CNN. Eine offizielle Bestätigung dieser Theorie steht bislang noch aus. Unterdessen konnte ein Großteil der durch den Kabelbruch fehlenden Bandbreite durch Umleitungen wiederhergestellt werden. Aufgrund der längeren Datenlaufzeiten kommt es in etlichen Bereichen dennoch zu erheblichen Problemen.

Ein Ägypter im Internet-Café: Das Ägyptische Telekommunikationsministerium hat Web-User aufgefordert vorläufig keine Filme und MP3-Dateien aus dem Netz zu laden
AFP

Ein Ägypter im Internet-Café: Das Ägyptische Telekommunikationsministerium hat Web-User aufgefordert vorläufig keine Filme und MP3-Dateien aus dem Netz zu laden

Das Kabel, welches zwischen Palermo in Italien und Alexandria in Ägypten verläuft, war am Mittwochmorgen durchtrennt worden. Sofort kam es zu Einschränkungen der Internet-Verbindungen vom Nahen Osten bis Indien. Der Datenverkehr wurde teilweise so stark verlangsamt, dass einzelne Internetprovider ihren Dienst einstellen mussten. Am Flughafen von Kairo wurde der Ticketverkauf eingestellt, der Flugverkehr konnte aber ungehindert weiterlaufen.

Mittlerweise werden große Teile des Datenverkehrs über Leitungen im Pazifik sowie über Satellitenverbindungen umgeleitet. Aufgrund der längeren Datenlaufzeiten, insbesondere in die USA und nach Europa, kommt es aber immer noch zu erheblichen Beeinträchtigungen und Störungen.

Von den Lebensadern abgeschnitten

Betroffen sind beispielsweise etliche Outsourcing-Dienstleister in Indien. Rajesh Chharia, Präsident des indischen Internetprovider-Verbands, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass weiterhin mit erheblichen Beeinträchtigungen im Datenverkehr und schlechter Sprachqualität bei Telefonverbindungen zu rechnen sei.

Für Indien gehört ein solcher Internet-Ausfall zu den schlimmsten anzunehmenden Unglücken. Insgesamt sind dort 1250 Firmen im Outsourcing-Sektor tätig, beschäftigen rund 700.000 Mitarbeiter und erzielen einen Jahresumsatz von etwa 7,5 Milliarden Euro. "Unsere Verbindungen in alle Welt sind unsere Lebensadern", sagt Callcenter-Manager Raman Roy. Seine Firma ist vorläufig auf teure Satellitenverbindungen ausgewichen.

Backup-Systeme helfen nur teilweise

Ein automatisches Backup-System habe sofort nach dem Auftreten der Ausfälle umgeschaltet, weshalb das Unternehmen kaum betroffen sei. Solche Systeme, so Roy, hätten aber bei weitem nicht alle Unternehmen. Nach seiner Schätzung sind 20 Prozent der Outsourcing-Industrie von der Welt abgeschnitten.

Doch auch wenn Ausweichleitungen geschaltet wurden, haben die Firmen mit Problemen zu kämpfen. So berichtet Srinivasu C.P., IT-Chef bei Indiens viertgrößtem Softwarehersteller Satyam Computer Sciences, die Sprachqualität bei Videokonferenzen habe stark gelitten und Datenverbindungen seien sehr langsam.

Noch schwerer soll allerdings das benachbarte Bangladesh betroffen sein. Ein Sprecher des dortigen Telekommunikationsministeriums sagte, der Sprach- und Datenverkehr nach Europa und in die USA funktioniere nicht. Internetverbindungen im Land seien stark verlangsamt. Fast alle Internetanbieter und die meisten Callcenter seien von den Problemen betroffen. Ähnliche Schwierigkeiten werden auch aus Sri Lanka gemeldet.

Entstörung ungewiss

Die Alarmglocken schrillen jedoch auch in Kuwait. Dort, so berichtet CNN, werde die Krise von staatlichen Stellen als kritisch eingestuft. Aus einem internen Memo der staatlichen Kabelnetzgesellschaft zitiert der Nachrichtensender: "Dies wird große Auswirkungen auf alle Sprach- und Internet-Dienste haben, die wir unseren Kunden anbieten". Das bestätigte auch die staatliche Flughafenbetreibergesellschaft Dnata. Auch wenn der Flugverkehr bislang nicht betroffen sei, führten die lahmgelegten Datenleitungen zu Problemen, etwa am Dubai International Airport führen.

Die Angaben darüber, wie lange die Störungen noch anhalten und wann das defekte Kabel repariert sein könnte, schwanken noch stark. Während das Ägyptische Telekommunikationsministerium derzeit noch von einer einwöchigen Reparaturzeit ausgeht, gehen andere Schätzungen davon aus, dass es bis zu 15 Tage dauern könnte, die Datenleitungen wiederherzustellen.

mak/AFP



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