Internetadressen Riesen-Ansturm auf ".eu"-Domains

Der Run auf die Domain-Endung ".eu" war wie erwartet riesig: Bis zum Freitagabend gingen fast 900.000 Anträge bei der Europäischen Kommission ein. Die meisten kamen ausgerechnet aus Großbritannien, Heimatland vieler Europa-Skeptiker.


Brüssel - Freitag war der erste Tag, an dem sich Bürger eine eigene ".eu"-Adresse sichern konnten. Aus Großbritannien gingen nach Kommissionsangaben mehr als 222.000 Anträge ein. Auf Platz zwei folgte Deutschland mit knapp über 200.000, auf Platz drei die Niederlande mit mehr als 120.00 Anträgen.

EU-Informationskommissarin Viviane Reding wies auf die große symbolische Bedeutung der neuen Domainendung hin. "Europa und seine Bürger haben nun ihre eigene Netz-Identität", erklärte die EU-Kommissarin. "Europas wettebwerbsfähige Informationsgesellschaft wird heute für die ganze Welt im Internet klar sichtbar." Reding ging davon aus, dass die Endung ".eu" künftig genauso weite Verbreitung findet wie das bislang vorherrschende ".com".

Bei den neuen Domains gilt das "Windhundverfahren": Haben mehrere Privatleute einen berechtigten Anspruch auf eine bestimmte Adresse, heißt es: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Im Prinzip kann jede Adresse zugeteilt werden. Bisher sind bei den ".eu"-Seiten nur Inhaber von Markenrechten und Prominente zum Zug gekommen.

Zuständig für die Vergabe ist die gemeinnützige Organisation EURid in Belgien, die ".eu" verwaltet. Bei ihr sind europaweit rund 400 Registrierungsstellen akkreditiert, bei denen sich Bürger melden können. Mehr als 70 dieser Registrare gibt es in Deutschland, darunter zahlreiche Internetfirmen, aber auch die Deutsche Telekom.

Die Europa-Adressen kosten dabei mehr als die nationalen: Während ein Verbraucher für seine ".de"-Adresse rund zwölf Euro Verwaltungsgebühren im Jahr berappen muss, dürfte sich der Preis für ".eu"-Domains bei 25 bis 30 Euro einpendeln. Die Registrierung selbst ist für Privatleute aber grundsätzlich kostenlos.

Adressen mit der Endung .eu gibt es zwar schon seit Dezember, bisher war die Anmeldung aber hauptsächlich für Unternehmen und Institutionen offen und nur über ein kompliziertes Verfahren möglich. Bis Freitag gab es gut 26.000 .eu-Adressen; mit Abstand die meisten (7.700) wurden in Deutschland registriert. Interessenten können ihre Adresse bei einem Domain-Provider beantragen.

reh/AFP/AP



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