Bundesnetzagentur: Internetanschlüsse sind selten so schnell wie angepriesen

Nutzer bekommen bei ihren Internetanschlüssen oft nicht die Geschwindigkeit, die vom Anbieter im Vertrag versprochen wurde. Das hat die Bundesnetzagentur in einer groß angelegten Studie herausgefunden.

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Bandbreiten-Test: Wie schnell ist der Internetanschluss wirklich?

Hamburg - Mehr als 220.000 Nutzer hatten sich an der Studie beteiligt und über die Internetseite der Initiative Netzqualität die Bandbreite des eigenen Internetanschlusses überprüft. Die Bundesnetzagentur hat nun festgestellt, was viele Kunden schon geahnt haben: Meist ist der Internetanschluss langsamer als vertraglich vereinbart. Die Messstudie bestätige die Vielzahl an Kundenbeschwerden über Abweichungen zwischen der vertraglich vereinbarten Maximal-Bandbreite und der tatsächlichen Bandbreite, erklärte die Behörde.

Dabei spielt es anscheinend keine Rolle, welche Technologie die Teilnehmer nutzten. Die Bundesnetzagentur hatte die Kapazität von DSL-, LTE- sowie Kabelanschlüssen gemessen und keine großen Unterschiede festgestellt. Die größten Abweichungen zwischen vereinbarter und tatsächlicher Bandbreite wurden in den obersten Bandbreiteklassen gemessen, etwa bei einem DSL-Anschluss zwischen 8 bis 18 Mbit/s. Ob es bei manchen Anbietern mehr Abweichungen gibt als bei anderen, dazu veröffentlichte die Behörde keine Daten. Man habe in dieser Studie bewusst keine einzelnen Anbieter genannt, sagte ein Sprecher.

Will ein Nutzer über den Test der Initiative Netzqualität herausfinden, wie gut sein Internetanschluss ist, muss er alle anderen Anwendungen schließen. Sonst kann die Übertragungsrate stark von der eigentlichen Breitbandgeschwindigkeit abweichen, was den Test verfälscht. Durch die Fülle der Ergebnisse würden solche kleinen Ungenauigkeiten aber wieder ausgeglichen, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Die Aussage der Studie ändere sich dadurch nicht.

Meist wird nur ein Maximal-Wert versprochen

Parallel zur Messstudie hat sich die Behörde die Standardverträge der Anbieter näher angeschaut. Demnach machen fast alle Anbieter gegenüber den Kunden flexible Angaben zur verfügbaren Bandbreite - es wird also meist nur eine Bandbreite bis zu einem gewissen Wert versprochen. "Der Kunde weiß so nur vage, mit welcher Leistung er konkret rechnen kann", sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur: "Auch nach Vertragsabschluss und erfolgter Schaltung besteht kein überschwängliches Bemühen, dem Endkunden aktiv einen transparenten Überblick über die Leistungsfähigkeit des konkreten Anschlusses zu bieten." Mit den Ergebnissen der Studie will die Behörde nun für mehr Transparenz sorgen und die Unternehmen dazu bewegen, offener darzustellen, was der angebotene Internetzugang leisten kann und was nicht.

Wer testen will, was sein Internetzugang wirklich kann, der kann den Test zur Breitbandgeschwindigkeit auf der Seite der Initative Netzqualität immer noch ausführen. Außerdem läuft über die Seite gerade ein weiterer Test, der die Netzneutralität der Internetanschlüsse überprüfen soll.

hev

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