Internetkriminalität Mutmaßliche Onlineshop-Betrüger gestehen

Rund 190 Onlineshops haben sie angeblich betrieben, aber nie etwas geliefert. Ein Teil der mutmaßlichen Betrügerbande hat nun vor dem Augsburger Landgericht gestanden. Es geht um mehr als 2000 Betrugsfälle.


Augsburg - Tausendfachen Betrug mit falschen Onlineshops haben drei der vier Angeklagten in einem Prozess vor dem Augsburger Landgericht gestanden. Ein Krankenpfleger aus dem nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach gab am Montag vor Gericht zu, für die Bande solche Einkaufsplattformen eingerichtet zu haben.

Ein 23-jähriger Mann aus Essen, der den anderen Beschuldigten zufolge der Drahtzieher war, schwieg dagegen am Montag vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, zu Betrugszwecken rund 190 Online-Shops eingerichtet zu haben. Mehrere Jahre lang sollen sie gegen Vorkasse Waren im Wert von mehr als 1,1 Millionen Euro verkauft haben - ohne die Artikel jemals zu liefern. Es geht um rund 2050 Fälle.

Die gesamte Dimension des Internetbetrugs habe er nicht gekannt, sagte der Krankenpfleger, er sei aber früh misstrauisch geworden. "Eigentlich war es von Anfang an schon sehr komisch", sagte der 36-Jährige. Seine Bezahlung habe ihn blind gemacht: "Es war wie eine Art Droge." Endlich habe er seine Schulden zurückzahlen und sich größere Anschaffungen leisten können, sagte er. Das Geld habe er mal von dem 23 Jahre alten Angeklagten bekommen, mal sei es für ihn an vereinbarten Orten deponiert gewesen.

Die Anklage lautet unter anderem auf banden- und gewerbsmäßigen Betrug, Datenfälschung und Ausspähung von Daten. Die Verlesung der Anklageschrift dauerte am zweiten Verhandlungstag rund eine Stunde. Im Mai 2011 hatte es eine bundesweite Durchsuchungsaktion und Festnahmen gegeben. Den Angeklagten wird auch vorgeworfen, Bankkunden ihre Kontodaten samt Pin für Online- und Telefonbanking entlockt zu haben. In 117 Fällen sollen sie insgesamt mehr als 200.000 Euro abgebucht haben.

Eine 30 Jahre alte Angeklagte aus Steinheim in Nordrhein-Westfalen sagte ebenfalls umfassend aus. Sie gab zu, Onlineshops gestaltet und Daten eingepflegt zu haben - obwohl ihr am Ende klar gewesen sei, dass gar keine Waren ausgeliefert würden. Ihr Ex-Freund sagte, für das Erstellen der Online-Shops habe er rund 40.000 Euro in bar und ein teures Auto bekommen. 30 bis 40 Shops habe er im Netz eingerichtet - im Wissen, dass er sich damit strafbar mache.

juh/dpa



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