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Internetnutzung: Wie Facebook die Portale austrocknet

Neue Zahlen aus den USA machen deutlich, dass große Online-Portale wie Yahoo oder AOL ihre besten Tage definitiv hinter sich haben. Ihre Zugriffszahlen schwinden, Surfer verbringen immer weniger Zeit dort. Gewinner im Rennen um die Aufmerksamkeit einmal mehr: Facebook.

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AFP

Facebook: Klebriger als AOL oder Yahoo

Die Zahlen sprechen für sich - und sie bestätigen etwas, das in der Netz-Branche schon lange als gegeben gilt: Internetnutzer verändern gerade ihr Surfverhalten, und zwar ziemlich fundamental. Die durchschnittliche Verweildauer US-amerikanischer Internetnutzer bei Facebook im Mai 2010: Knapp 23 Minuten im Monat. Im Mai 2009: gut 15 Minuten im Monat, glaubt man den Zahlen der Internet-Marktforscher vom US-Unternehmen Compete.

Der gleiche Datensatz, der auf einer Beobachtung des Surfverhaltens von zwei Millionen US-Nutzern basiert, zeigt auch, wo die Verlierer dieser Entwicklung sitzen. Die mittlere monatliche Verweildauer von AOL schrumpfte von 7:38 Minuten auf 4:56 Minuten, die bei Yahoo von 9:08 auf 7:21. Selbst bei Google hielten sich Internetnutzer im Mai 2010 kürzer auf als noch im Vorjahr: Aus 6:42 Minuten Suchmaschinenzeit wurden 5:58 Minuten.

Die Entwicklung, die sich hier vollzieht, ist eine soziale: Zum dritten Mal in seiner Karriere, nach den ersten Online-Communitys wie "The Well" und nach dem Siegeszug der E-Mail ist das Internet für viele seiner Nutzer nun wieder ein primär sozialer Ort. Auch der Konsum von Medieninhalten wie Online-Videos oder Nachrichten wird mehr und mehr über Social Networks vermittelt - das Weitererzähl-Web macht der Portalidee nach und nach den Garaus. Empfehlungen kommen eher von Freunden als von "Content-Managern".

Nichts ist klebriger als eine gute Community

Was die eigentlichen Klickstatistiken angeht, ist die Veränderung übrigens weniger deutlich: Auch schon im Mai 2009 konnte Facebook etwa drei- bis viermal so viele Seitenaufrufe pro Visit verzeichnen wie die Portale von Yahoo oder AOL. Die Zahl der Seitenaufrufe pro Besuch bei Facebook veränderte sich von Mai 2009 bis Mai 2010 sogar kaum - von knapp 26 auf gut 27. Doch Social Networks haben aus Vermarktersicht nicht zuletzt einen enormen Vorteil: Sie sind "klebrig", sticky, wie die Anzeigenverkäufer das nennen. Ein einzelne Seite kann eine Vielzahl von Informationen enthalten, Nutzer springen hin und her, lassen Social-Networking-Seiten über lange Zeiträume im Browser geöffnet: Sie bleiben kleben.

Für Europa und speziell Deutschland erlauben Competes Zahlen keine vergleichbaren Aussagen. Es ist jedoch zu vermuten, dass der Prozess der Re-Sozialisierung des Surfverhaltens hierzulande noch nicht ganz so weit fortgeschritten ist, weil Portale wie T-Online oder Web.de als Webmail-Anbieter noch immer viel Surfzeit beanspruchen und die Nutzung von sozialen Netzwerken quer durch alle Altersschichten hierzulande noch nicht so verbreitet ist wie in den USA.

Die "Internet Facts" der Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (Agof) geben für Ende 2009 entsprechend hohe Reichweiten für Portalseiten aus: Die ersten Plätze werden belegt von T-Online, Web.de, Yahoo! Deutschland, GMX und MSN.de. Medienangebote wie SPIEGEL ONLINE folgen erst weiter hinten, ebenso wie Communitys wie Wer-kennt-wen. Verweildauern teilt die Agof nicht mit.

Die Auswertung ist aber auch aus einem anderen Grund nur bedingt aussagekräftig: Zwar werden die Zugriffszahlen der hiesigen Netzwerke wie MeinVZ und Wer-kennt-wen angegeben - Facebook jedoch gehört der Agof nicht an, die Zahlen der derzeit weltgrößten Internet-Community gehen in die Auswertung des deutschen Surfverhaltens also gar nicht ein. Wieviel Zeit die derzeit knapp 10 Millionen deutschen Facebook-Nutzer mit dem Klebenbleiben in der Community verbringen, ist weiterhin unklar.

cis

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Soziale Netzwerke
Facebook
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Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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