Internetwahlkampf: Ösis auf Obamas Spuren

Von Miriam Sulaiman

Drei Kandidaten bewerben sich in Österreich um den Sitz des Bundespräsidenten. Der amtierende Heinz Fischer fällt besonders durch seinen Internetwahlkampf auf. Mobilisierung lautet das Zauberwort.

Wien - Er heißt Heifi. Er geht auf Tour, hat einen Videochannel und eine Facebook-Seite. Dort stehen 10.375 Fans hinter ihm. Doch er ist kein Popstar. Auch wenn seine Berufsbezeichnung denselben Anfangsbuchstaben hat - Politiker. Auf seiner zweiten Homepage offenbart sich klar: Heifi heißt eigentlich Heinz Fischer und ist der amtierende Bundespräsident Österreichs. Für die Wahl am 25. April steigt er erneut in den Ring. Und das hatte er seinen Facebook-Fans per YouTube-Video als erstes erklärt. Ihm stehen zwei Kandidaten gegenüber: Barbara Rosenkranz von der FPÖ und Rudolf Gehring von der Christlichen Partei Österreichs.

Diese bereiten Fischer wohl weniger Kopfzerbrechen als die Mobilisierung. So erklärt der österreichische Politikwissenschafter Peter Filzmaier: "Der vermutliche Grund für den Internetwahlkampf liegt auf der Hand. Das Team des Bundespräsidenten steht vor einer Mobilisierungsherausforderung beziehungsweise eines -problems." Dies betreffe speziell die Generation zwischen 20 und 40 Jahren. Bei den Pensionisten könne sich Fischer sicher sein, dass sie zur Wahl gingen. Für die jüngeren Sympathisanten sei hingegen "eh klar, wer gewinnt".

Die Mobilisierung spricht Fischers Wahlkampfmanager Stefan Bachleitner auch selbst an. Aufgrund der Wahlaltersenkung auf 16 Jahre gebe es sehr viele junge und Erstwähler: "Acht Jahrgänge wählen zum ersten Mal den Bundespräsidenten. Das ist fast ein Sechstel der Wahlberechtigten."

Interaktion über die Straße

So versucht Bachleitner mit seinem Team einen Schritt auf die Internet-affine Generation zuzugehen. Auch wenn Heinz Fischer keine 20 Jahre mehr ist, sondern 71. "Natürlich sind die Aktivitäten von der Internet Community skeptisch beäugt worden. Aber wir hatten eine positive Resonanz, und es wurde von klassischen Medien spannend aufgenommen", sagt er. Für Junge gibt es eine eigene Homepage. Und Fischer twitter zwar nicht selbst, aber seine Mitarbeiter. Bei der Streetkampagne "Hofburg on Tour" können ihm Jugendliche per Videokamera ihre Meinung sagen oder Fragen stellen. In der Sendung "Austrias next president" des Fernsehsenders Puls4 am 13. April sollen diese Fragen dann beantwortet werden.

Über die Homepage werden diese Bereiche beworben und zugleich Kommentare gesammelt. Einen etwas staatstragenderen Ton als über die Videos bei YouTube von seiner Wahlkampftour schlägt Bachleitner über Facebook an. Darüber lud er aber bereits zu einer Feier auf ein Wiener Badeschiff. Auf der zweiten Homepage unter seinem eigentlichen Namen sind alle weiteren Elemente zu finden. Er wirbt dort aber etwa auch um Wort-, Bild-, Video- oder Geldspenden.

Tipps von Obamas Wahlkampf übernommen

Interaktion stehe an vorderster Stelle versichert Bachleitner: "Es geht nicht um ein Broadcasting, sondern um einen Dialog. Mehrere unserer Mitarbeiter beobachteten den Wahlkampf von Obama." Insgesamt müsse man aber die Kirche im Dorf lassen. Das Internet sei im Wahlkampf ein neuer Baustein, aber sicher nicht der einzige: "Bei der Gewichtung, Mittelverteilung und dem Einsatz haben wir sicher mehr getan als bisher, in dem Sinne sind wir Vorreiter."

Und ist damit allein auf weiter Flur. Das bestätigt auch Filzmaier: "Das Team von Fischer hat frühzeitig die strategische Entscheidung für einen Medienmix getroffen. Und es ist aufgrund des Lebensalters bemerkenswert, dass diese untypische Gratwanderung gelingt." Er starte aber auch keine Inszenierungsexperimente und verzichte auf unauthentische Spielereien.

Fischer habe aber keine Herausforderer auf diesem Feld. Denn auch wenn beide anderen Kandidaten jünger seien, wirke es unauthentischer. "Die FPÖ hat zwar das Image Junge anzusprechen. Das hat aber die FPÖ mit Heinz Christian Strache und nicht Barbara Rosenkranz." So finden sich von der Bundespräsidentschaftskandidatin auf Facebook als erstes Antisympathie-Seiten. Die Kritik an der Rechtspopulistin wird damit dort fortgesetzt. Die Gruppe "Kann dieser Grammatikfehler mehr Unterstützer haben als Barbara Rosenkranz" hat etwa 10.557 Fans. Die Nachrichten der Politikerin selbst verfolgen gerade mal 1444 Fans. Auf dieser hat sie bisher ein Wahlkampfplakat, einen Hinweis auf ihre Wahlkampftermine und den Namen ihrer Homepage gepostet. Auf letzterer findet sich als einzige Interaktionsmöglichkeit eine E-Mail-Adresse. Und Pressesprecher Alexander Höferl spricht selbst von einer "sehr informativen, knapp gehaltenen Homepage". Kontakt könnten die jungen Wähler über über Facebook aufnehmen: "Wir können und wollen bewusst nicht versuchen, das nachzubilden, was Bundespräsident Fischer über Jahre aufgebaut hat."

Der Pressesprecher der Christlichen Partei Österreichs, Harald Marek, verweist im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE auf die gerade aktualisierte Homepage des Bundespräsidentschaftskandidaten Rudolf Gehring. Dort werden Presseberichte und Presseaussendungen veröffentlicht. Videos von Demonstrationen zum Schutz des Lebens sind abrufbar. Und diese sind nicht über YouTube sondern über gloria.tv eingebettet. Ein Auftritt bei Facebook sei laut Marek nicht besprochen worden.

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Kandidaten für die Bundespräsidentschaftswahl
Das Team rund um den amtierenden Präsidenten Heinz Fischer bietet zwei Homepages an. Eine ist speziell für das jüngere Zielpublikum gedacht. Fischer ist nicht nur auf Facebook, Twitter und Youtube präsent, sondern wird auch über einen eigenen VideoChannel vermarktet. Zugleich findet die Vermarktung einer so genannten "Hofburg-Tour" inklusive Fragemöglichkeit statt.
Die Homepage von Barbara Rosenkranz beschränkt sich auf die wesentlichen Standards. So sind etwa ihr Lebenslauf und ihre Position zu einzelnen Themen abrufbar. Die Kontaktaufnahme funktioniert per Mail, weitere Daten können von einzelnen Personen nicht hochgeladen werden können. Auf Facebook sind ihre Gegner weit stärker als die Anhänger der FP-Kandidatin vertreten.
Der Kandidat der Christlichen Partei Österreichs ist mit einer Homepage im Netz auffindbar, welches als erstes über den Wahlkampfauftakt inklusive Gottesdienst informiert. Pressemeldungen und -fotos sind abrufbar, wie E-Cards, die Flyern ähneln. Über einen Facebook-Auftritt wurde nicht nachgedacht.


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