Interview Mister Altman, wer ist Sollog?

Der Journalist Howard Altman hatte mehrere Jahre das zweifelhafte Vergnügen, sich mit John Patrick Ennis alias "Sollog" auseinander setzen zu dürfen.


Howard Altman hat eine spitze Feder - und wurde darum von Sollog bedroht und verklagt
Philadelphia City Paper

Howard Altman hat eine spitze Feder - und wurde darum von Sollog bedroht und verklagt

SPIEGEL ONLINE:

Wer oder was ist "Sollog"?

Howard Altman: Sollog ist, so weit ich weiß, ein Mann namens John Ennis, der von sich behauptet, "Gott" zu sein. Ich hatte den ersten Kontakt mit ihm, als ich in einer meiner Kolumnen im "Philadelphia City Paper" über seine Anzeigen in unserer Zeitung berichtete. Er pries sich damals als Seher an, der alle möglichen Unglücke voraussehen könne. In meiner Kolumne machte ich mich über ihn lustig. Er deckte mich daraufhin mit Morddrohungen ein und verklagte mich später auf eine Billion Dollar Schadenersatz.

SPIEGEL ONLINE: Sollog behauptet nun, er habe den Terroranschlag auf das World Trade Center "erfolgreich" vorhergesagt.

Altman: Bei Herrn Sollog gibt es keine erfolgreichen Vorhersagen. Er arbeitet folgendermaßen: Er nimmt sich eine Tragödie und arbeitet sich dann mit irgendwelchem "Mumbo-Jumbo" in der Zeit zurück, der zu beweisen scheint, dass er damals Recht gehabt habe. Es gab einmal Zeiten, da habe ich von Katastrophen nicht über CNN erfahren, sondern durch eine E-Mail von Sollog, der mir mitteilte, dass er genau das ja vorhergesagt habe.

SPIEGEL ONLINE: Sie gehören zu den wenigen, die ihn persönlich trafen. Was für einen Eindruck hatten Sie von seiner Person?

Altman: Wie gesagt, nachdem ich mich über ihn lustig gemacht hatte, empfing ich zahlreiche Faxe, in denen ich ermahnt wurde, meine Post vorsichtig zu handhaben, weil da was Explosives drin sein könnte. Am nächsten Tag kam ein Päckchen an. Niemand von uns war zu Haus, also nahm es ein nervöser Nachbar an, den

wir über die Drohungen informiert hatten. Es war keine Bombe.
Ich traf John Ennis schließlich vor Gericht, als er sich dem Vorwurf stellen musste, dass er absichtlich einen Polizisten habe überfahren wollen. Er schien ein charmanter, gut gekleideter Mann zu sein. Aber er verteidigte sich selbst. Aus ganz Philadelphia strömten die Anwälte ins Gericht, um zu sehen, wie "Gott" sich verteidigen würde. Es war ziemlich verrückt.

SPIEGEL ONLINE: Warum macht er im Augenblick so verhältnismäßig konkrete Aussagen? Er schwört, Osama Bin Laden sei unschuldig, vielmehr habe Satan persönlich seine Hände im Spiel. Er muss wissen, dass seine Prophezeiungen jederzeit durch harte Fakten entkräftet werden können. Warum setzt er sich der Lächerlichkeit aus, wenn er doch Geschäfte als Seher machen will?

Altman: Sollog hat aus irgendeinem Grund immer versucht, die größtmögliche Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit zu erreichen. Dieses Ereignis ist für ihn eine einmalige Gelegenheit. Sie sollten übrigens wissen, dass Ennis vor Jahren vom Geheimdienst festgesetzt wurde, weil er Bill Clinton bedroht hatte.

Lesetipps:

Der mit mehreren Preisen ausgezeichnete Journalist Howard Altman ist Redakteur des "Philadelphia City Paper". Seine teils bitter-bösen, teils skurrilen Kolumnen aus der Zeit der Auseinandersetzung mit Sollog finden sich im Archiv der Zeitung. Unbedingt lesenswert: der Prozessbericht "Heavenly Justice" und die Glosse zum großen prognostizierten Prominentensterben "Cunningham's Curse". Seine Erfahrungen mit der gewalttätigen Seite Sollogs machte auch Kenneth Reich von der "Los Angeles Times".

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