Interview mit Susan Kare: Die Frau, die dem Apple das Gesicht gab

Vor 20 Jahren erhielt die Designerin Susan Kare von ihrem ehemaligen Studienkollegen Andy Hertzfeld einen Auftrag: Sie sollte die Benutzeroberfläche für den Apple Macintosh gestalten. Susan Kare tat mehr: Sie gestaltete mit ihren Icons den Computer-Alltag.

Zwei von Kares "Helden": Der lächelnde Mac bescherte dem Rechenknecht einen Imagewechsel, und "Moof" alias Clarus wurde zur ersten Desktop-Kultfigur

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SPIEGEL ONLINE:

1982 entwickelten Sie für Macintosh die berühmten Piktogramme wie den Mülleimer oder die Armbanduhr. Was fühlen Sie, wenn Sie Ihre Icons heute sehen?

Susan Kare: Es macht mich sehr zufrieden, wenn ich sehe, dass meine Arbeit in der ganzen Welt benutzt wird.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es ein Icon, das Ihnen sehr ans Herz gewachsen ist?

Kare: Nein, eigentlich nicht. Generell aber mag ich die kleinen, schwarz-weißen Piktogramme, bei denen nur wenige Pixel schon etwas "sagen". Es ist sehr interessant, dass zurzeit viele kleine Geräte mit Graustufen-Bildschirmen weit verbreitet sind. Das erfordert das gleiche einfache und fast schon minimalistische Design wie das der Rechner aus den achtziger Jahren. Wenn ich ehrlich bin, genieße ich sogar diese Einschränkung in der Gestaltung: Es ist eine Herausforderung, klare und bedeutungsvolle Icons zu kreieren.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Hund "Moof" ist zur Legende geworden, Fans haben ihm im Netz ein Museum gewidmet. Welche Geschichte steckt dahinter?

Kare: Ich habe den gefleckten Hund für die Cairo-Schrift entwickelt, die mit dem ersten Mac 1984 ausgeliefert wurde. Der Hund war für die Druck-Option bestimmt. Wann immer man einen Text in der Druck-Voransicht sehen wollte, war der Hund in der Seitenmitte abgebildet.

SPIEGEL ONLINE: Der Hund wurde häufig für eine Kuh gehalten, ist bis heute als die "Dogcow" berühmt: Haben Sie etwas falsch gemacht?

Kare: Ich verstehe nicht, warum die Leute denken, dass der Hund eine Kuh sein soll. Schauen Sie sich doch seinen Schwanz an. Das ist doch eindeutig ein Straßenköter!

SPIEGEL ONLINE: Was ist das Schwierigste beim Pixeln?

Kare: Besonders problematisch ist die Umsetzung von abstrakten Begriffen wie "Rückgängig machen" oder "Ausführen". Nomen sind einfach, Verben kompliziert.

SPIEGEL ONLINE: Nach 20 Jahren Pixelgeschäft: Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Kare: Ich finde jede Menge im Internet, in der Schönen Kunst, der Volkskunst, der Typografie et cetera. Die Quellen sind unerschöpflich.

SPIEGEL ONLINE: Hier zu Lande werden Desktop-Designer mitleidsvoll auch gern "Pixel-Schubser" genannt. Haben Sie aufmunternde Worte für Ihre Kollegen?

Kare: Sie sollen sich bloß nicht entmutigen lassen! Pixel-Design ist die moderne Form einer langen und edlen Tradition in der Kunstgeschichte: Auch Mosaike, das berühmte Gobelingewebe oder die reich verzierten Häuser der Freimaurer greifen auf die kleinste Bildeinheit zurück. Sich bei der Gestaltung nicht für opulente, sondern für kleine "Bits" zu entscheiden kann große Resultate hervorbringen!

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Icons produzieren Sie am Tag?

Kare: Heute steht ein Kalender für einen Taschencomputer auf dem Plan. Für das Netz habe ich die Piktogramme groß und farbig gemacht, jetzt muss ich sie verkleinern und die Farbigkeit durch Graustufen ersetzen. Ich schätze, ich schaffe ungefähr 20 Stück.

SPIEGEL ONLINE: Arbeiten Sie immer noch allein?

Kare: Ja! Für mich ist meine Arbeit Kunst. Ich bin irgendwie besessen von meinen Pixeln. Im administrativen und im Bereich Neukunden-Akquise habe ich aber Hilfe.

SPIEGEL ONLINE: Was kann man von den Icons der Zukunft erwarten?

Kare: Ich bin sicher, dass es großartige, neue Wege geben wird, sie zu nutzen. Wenn die Technologie es erlaubt, könnte man Icons entwickeln, die sich verändern und unterschiedliche Zustände wiedergeben.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Kare: Auf meinem Desktop liegt dann zum Beispiel das Icon, das meiner besten Freundin zugeteilt ist. Wenn wir uns länger nicht gesehen haben, würde es sich bemerkbar machen und mir mitteilen, dass es mal wieder Zeit ist, gemeinsam Sushi essen zu gehen.

Die Fragen stellte Anette Frisch

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