Interview zu StudiVZ "Wir begrüßen Meinungsvielfalt"

Gegen die Macher des Community-Portals StudiVZ wurden jüngst eine ganze Reihe von Vorwürfen erhoben: Man nehme Mitbewerbern Domainnamen weg, Design und Konzept seien in den USA abgekupfert. In einem E-Mail-Interview mit SPIEGEL ONLINE nehmen die Macher des Angebotes Stellung.


SPIEGEL ONLINE: Inwieweit handelt es sich bei StudiVZ um einen Facebook-Klon? Die Ähnlichkeiten zum Design der US-Seite sind auffallend, die Fehlermeldungen lassen überraschend freimütig von "fakebook" lesen.

Michael Brehm, Ehssan Dariani, Mitgründer Dennis Bemmann (v.l.): "Stolz auf die tolerante und international geprägte Firmenkultur"
studivz.de

Michael Brehm, Ehssan Dariani, Mitgründer Dennis Bemmann (v.l.): "Stolz auf die tolerante und international geprägte Firmenkultur"

Ehssan Dariani: Wir haben amerikanische Plattformen analysiert, die besten Ideen miteinander kombiniert und an die europäische Campuskultur angepasst. Kreativität und Originalität gehören zu den wichtigsten Werten des StudiVZ. Deshalb verzichtet StudiVZ - anders als die meisten anderen Internet-Seiten - auf Anglizismen, und es wurden bestehende Dinge weiterentwickelt. StudiVZ hat das Gruscheln erfunden, hat CampusCaptains, den Liedermacher-Wettbewerb, die "Wer war auf meiner Seite?"-Funktion und vieles mehr. Ideen bauen aufeinander auf und werden weiterentwickelt. Vor all den anderen heute bekannten Netzwerken gab es ebenso Vorläufer, die mehr oder weniger erfolgreich waren. Es würde ja heute auch niemand behaupten BMW sei eine illegitime Kopie von Mercedes, dem Erfinder des Automobils.

SPIEGEL ONLINE: Ist Domain-Grabbing, das Übernehmen von Internet-Adressen der Konkurrenz in anderen Regionen, übliches Geschäftsgebaren bei StudiVZ?

Michael Brehm: Nein. Für diese Fälle haben wir uns bereits entschuldigt, und es sind entsprechende Handlungen veranlasst worden. Für die eine Domain, an der StudiVZ Rechte besessen hat, wurde bereits letzte Woche ein Löschungsantrag gestellt. Für andere Domains, an denen ein Gesellschafter Rechte gehalten hat, wurde ebenfalls letzte Woche ein Löschungsantrag aufgegeben. Damit betrachten wir die Vorgänge als erledigt.

SPIEGEL ONLINE: Könnte es nicht zu Irritationen führen, dass die Adressen der StudiVZ-Dependancen in Paris, Barcelona und Mailand mit denen der dortigen Filialen der Online-Partnerbörse Parship übereinstimmen? Manche Nutzer sind besorgt über die Sicherheit ihrer privaten Daten - ist da ein Austausch zu erwarten?

Ehssan Dariani: StudiVZ hat seinen Sitz in Berlin. Zu administrativen Zwecken brauchen wir für die internationalen Seiten vor Ort eine Anschrift. Parship hat uns als befreundetes Unternehmen, mit dem wir über unseren Gesellschafter Holtzbrinck verbunden sind, pragmatischerweise gestattet, ihre Anschriften für StudiVZ zu verwenden. Ansonsten bestehen keinerlei Geschäftsbeziehungen geschweige denn irgendein Austausch von Daten.

SPIEGEL ONLINE: Inwieweit spiegeln die privaten Aktivitäten von Ehssan Dariani, etwa seine Filmaufnahmen an ungewöhnlichen Orten oder sein Satireverständnis in Bezug auf nationalsozialistische Symbole, die Unternehmenskultur von StudiVZ wider?

Tilo Bonow: So wie einige Darstellungen verstanden werden, spiegeln sie nicht die Firmenkultur wider. StudiVZ ist stolz auf seine tolerante und international geprägte Firmenkultur. Mit Mitarbeitern aus mehr als zehn Ländern und verschiedenen Religionen begrüßen wir Meinungsvielfalt. Herrn Dariani tut es leid, dass einige seiner Handlungen missverstanden wurden. Es wird ihm nun bewusst, dass er durch das zunehmende öffentliche Interesse eine besondere Verantwortung trägt.

Die Fragen stellte Richard Meusers



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