Intime Aufnahmen: Kunden klagen gegen Notebook-Verleih

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Corbis

Neugierige Webcam: Die gemieteten Rechner spionierten ihre Nutzer aus

Eine US-Firma, die Computer verleiht, überwachte ihre Kunden mit Spyware. Vertrauliche Bankdaten und Passwörter wurden ausgespäht, die Nutzer heimlich mit der Webcam gefilmt. Nun gibt es eine Sammelklage.

Ein Unternehmen für Computerverleih muss sich in den USA wegen Ausspähens privater Daten vor Gericht verantworten, die entsprechende Sammelklage wurde am Mittwoch in Kalifornien eingereicht. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, sandten auf den Leihrechnern installierte Spyware-Programme umfangreiches Datenmaterial an die Firmenserver zurück.

Die erbeuteten Daten waren recht umfangreich. Nicht genug damit, dass die Schnüffelprogramme vertrauliche Daten wie Sozialversicherungsnummern, Passwörter für E-Mail-Accounts und Profile bei Social Networks, Kreditkarteninformationen und Bankdaten erbeuteten. Die Programme sammelten auch Webcam-Bilder, davon viele mit recht privatem Inhalt: darunter nackte Kinder und Menschen beim Sex.

Im September flog die Sache auf, als die amerikanische Handelskommission FTC (Federal Trade Commission) die Notebook-Spitzelei öffentlich machte. Seinerzeit waren mehrere Computer-Verleiher in den Fokus der FTC geraten, die sich unerlaubt Daten von über 420.000 Notebooks verschafft hatten. Die Schnüffelei wurde erst durch eine Software namens PC Rental Agent vom Hersteller DesignerWare im großen Stil möglich, die auf den Rechnern von insgesamt 1600 Mietkauf-Firmen in den USA, Kanada und Australien installiert war.

War in den Programmen der sogenannte Detektiv-Modus aktiviert, wurde sogar alles mitgeschnitten, was sich vor der Webcam der Rechner tat. Zwar beklagte die FTC seinerzeit, diese Art der unzulässigen Cyber-Spionage heftig, doch fehlte der Kommission die Handhabe, juristisch gegen die ertappten Schnüffler vorzugehen. Nicht einmal ein Bußgeld konnte die FTC verhängen, wenn den Unternehmen die entsprechenden Verstöße nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt nachgewiesen werden konnten.

Den Mangel an Befugnissen der FTC und die strafrechtliche Folgenlosigkeit könnte jedoch der gerade angestrengte Prozess wettmachen. Zwar hatten sich einige der an der Ausspähaktion beteiligten Unternehmen auf einen Vergleich geeinigt. Das schützte eines der allzu neugierigen Unternehmen nicht. Mit Aaron's Inc. scheint einer der Hauptsünder vor dem Kadi gelandet zu sein. Die Klageschrift wirft dem im US-Bundesstaat Georgia beheimateten Unternehmen die Ausspähung von Kunden in 185.000 Fällen vor, so viele E-Mails mit vertraulichem Inhalt sollen von Leihrechnern an die Zentrale gegangen sein.

Überdies habe Aaron's in mehreren hundert Fällen seine Kunden nicht über das Vorhandensein der (an sich juristisch zulässigen) Programme von DesignerWare auf den Leihrechnern informiert. Das Unternehmen hat laut AP selbst abgestritten, dass auf seinen Leihrechnern Spyware installiert gewesen sei und will sich energisch gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen.

meu

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Ich vermute..
derjansel 28.02.2013
solch eine ähnliche Software ist Standard. Also auch beim Verkauf von Laptop & Computer.
2. Notebookverleih??!
expendable 28.02.2013
...wie kann man auf den Gedanken kommen, etwas derart persönliches wie einen Computer, mit dem ich arbeite und persönlichste Dinge, die niemanden etwas angehen,speichere, und den ich selbstverständlich softwaremäßig komplett personalisiere, zu leihen? Es gibt wirklich kein Geschäftsmodell, das so bizarr ist, das es keinen Erfolg haben könnte. Ich glaube ich mache einen Klopapierverleih auf.
3.
rucksacksepp 28.02.2013
Zitat von expendable...wie kann man auf den Gedanken kommen, etwas derart persönliches wie einen Computer, mit dem ich arbeite und persönlichste Dinge, die niemanden etwas angehen,speichere, und den ich selbstverständlich softwaremäßig komplett personalisiere, zu leihen? Es gibt wirklich kein Geschäftsmodell, das so bizarr ist, das es keinen Erfolg haben könnte. Ich glaube ich mache einen Klopapierverleih auf.
Wo kann ich das Klopapier leihen? Ist es gebrauchtes oder neues? Bitte um Info, danach habe ich schon mein Leben lang gesucht.
4.
B.C. 28.02.2013
Zitat von derjanselsolch eine ähnliche Software ist Standard. Also auch beim Verkauf von Laptop & Computer.
Ja, und ihr Zahnarzt hat ihnen einen Peilsender in den Backenzahn gesetzt damit die Gedankenkontrollstrahlen von der ISS ihr Ziel finden. Solch ein absoluter Blödsinn.
5.
Hans58 28.02.2013
Zitat von derjanselsolch eine ähnliche Software ist Standard. Also auch beim Verkauf von Laptop & Computer.
Ja, ich habe gerade gesehen, was Sie schreiben. Übrigens, es ist auch Standardsoftware bei Notebooks, Netbooks, Tablets, Smartphones usw. Wenn Sie wieder mal an Ihrem PC sitzen, bitte legen Sie die Augenbinde an, damit man Sie nicht identifizieren kann....oh, ich vergaß, jede Taste eines solchen Geräts nimmt automatisch Fingerabdrücke ab und sendet diese unverschlüsselt dem CIA....
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