Software-Problem Fehler blockiert neue Fitness-Apps in iOS 8

Eine peinliche Panne macht Apples iPhone-Betriebssystem iOS 8 zu schaffen. Die neue Healthkit-Software zur Verarbeitung von Gesundheitsdaten läuft nicht fehlerfrei. Bis der Schaden behoben ist, wird es Wochen dauern.

Apple-App Health: Vorerst weitgehend nutzlos

Apple-App Health: Vorerst weitgehend nutzlos


Seit Mittwochabend liefert Apple iOS 8 aus, die neueste Version seines Betriebssystems für Mobilgeräte. Ausgerechnet die neue Programmierschnittstelle Healthkit, die Apple im Juni noch lautstark als eine der wichtigen Neuerungen von iOS 8 angepriesen hatte, bereitet nun Probleme.

Die neue Technik für iPhone und iPad sollte es ihren Nutzern eigentlich ermöglichen, Fitness- und Gesundheitsdaten, die andere Apps aufzeichnen, zentral zu sammeln. Apple liefert dafür mit iOS 8 die neue App Health aus. Sie dient als Sammelstelle für Messwerte wie das Gewicht, den Cholesterinspiegel, die Pulsfrequenz und den Blutdruck.

Nach Angaben der "Financial Times" enthält die Healthkit-Software allerdings einen Fehler, der den Datenaustausch zwischen Fitness-Apps und Health-App stört. Apple bestätigte SPIEGEL ONLINE das Problem. Man habe einen Fehler entdeckt, deshalb könnten Apps, die bereits an Healthkit angepasst worden sind, vorerst nicht veröffentlicht werden.

Die wichtigsten Neuerungen von iOS 8

E-Mails schneller bearbeiten: Einige Dinge gehen in Apples Mail-App nun fixer. Wischt man von links nach rechts über eine E-Mail, kann man sie als ungelesen markieren. Wischt man von rechts nach links, kann man sie löschen, markieren oder ein Untermenü mit weiteren Funktionen öffnen. Sehr nützlich, wenn man viel unnütze Nachrichten bekommt: Mit einem schwungwollen Wischen von rechts nach links befördert man die jeweilige E-Mail direkt in den Papierkorb.

Wissen, was ist: Ein Fingertipp auf das Fähnchen links unten in der Mail-App öffnet ein Untermenü, das unter anderem den Eintrag Mitteilung enthält. Tipp man darauf, lässt sich festlegen, dass man benachrichtigt wird, sobald der Gesprächspartner geantwortet hat.

Mehr wissen: Die Suchfunktion Spotlight durchkämmt nun nicht mehr nur das Gerät selbst, sondern auch das Web. Wird sie fündig, zeigt sie Suchergebnisse in der Nähe, Webfundstellen wie die Wikipedia, Webseiten und passende Apps an.

Fotos-App: Die bisher sehr rudimentären Bildbearbeitungsfunktionen seiner Foto-App hat Apple deutlich erweitert. Bemerkenswert ist, dass die App schief aufgenommene Bilder nun automatisch gerade ausrichtet. Klappt das nicht, kann man manuell nachjustieren.

Feinschliff: Ein Fingertipp auf das Poti-Symbol der Foto-App fördert ein Untermenü zutage, in dem man weitere Funktionen findet. Mit ihnen lassen sich beispielsweise Kontrast und Helligkeit zu manipulieren.

Schneller sein: Auf Nachrichten kann man jetzt sofort reagieren. Wird eine neue Mitteilung oben auf dem Bildschirm eingeblendet, wischt man kurz von oben aus darüber hinab. Sofort öffnet sich ein Fenster, in das man seine Antworten tippen kann. Die Tastatur bietet dabei gängige Antworten als Vorlage an.

Wo stecken Energieschleudern? Im Untermenü Allgemein -) Benutzung -) Batterienutzung kann man sich anzeigen lassen, welche Apps wie viel Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ausmachen. Sehr nützlich, um starke Verbraucher zu identifizieren, ist dabei die Messung des Verbrauchs der letzten sechs Tage.

Chat mit Sprache: In der Nachrichten-App gibt es jetzt ein Mikrofon-Icon. Indem man seinen Finger darauf drückt, startet man eine Audio-Aufzeichnung. Sobald man den Finger hebt, wird die Aufzeichnung beendet und an den Chart-Partner gesendet.

Besser weniger tippen: Die neue Quick-Type-Tastatur kann es leichter machen, schneller lange Texte zu schreiben. Sie gibt oft recht gute Vermutungen dazu ab, was man wohl als nächstes tippen will. Statt das Wort zu schreiben, reicht es dann aus, auf den Vorschlag zu tippen.

Bleibt alles in der Familie: Mit der sogenannten Familienfreigabe können Familienmitglieder jetzt über eine gemeinsame Zahlungsmethode im iTunes- und App Store shoppen. Anders ausgedrückt: Papa zahlt, alle anderen kaufen ein. Der große Vorteil ist, dass alle Zugriff auf alle Inhalte haben.

Schnellzugriff: Die Personen, mit denen man zuletzt per iPhone Kontakt hatte, kann man sich per Doppeltipp auf den Home-Button anzeigen lassen. Ein Tipp auf einen der dargestellten Köpfe fördert Symbole zur schnellen Kontaktaufnahme über alle verfügbaren Kanäle (Teleon, Handy, Facetime, SMS) auf den Bildschirm.

Siri wird musikalisch: Mit iOS 8 lernt die Sprachassistenzfunktion Siri auch Musikstücke zu erkennen, so wie die bekannte App Shazam. Um herauszufinden, was man gerade hört, fragt man Siri einfach "Welche Musik höre ich gerade?". Man kann das auch als Quiz auffassen.

Übersicht schaffen: In der Nachrichtenzentrale, die man öffnet, indem man von oben nach unten über den Bildschirm wischt, lassen sich Mitteilungen auf dieselbe Weise bearbeiten wie in der Mail-App, also, indem man von rechts über die Nachrichten wischt.

Mehr Bewegung: Die Health-App, die Apple mit iOS 8 liefert, ist bisher noch weitgehend nutzlos. Sie wird erst dann interessant, wenn andere Apps und Fitness-Gadgets ihre Daten einspeisen. Bisher kann sie gerade mal Schritte zählen und abschätzen, wie viele Stockwerke man gestiegen ist.

Einige solche Apps, die bereits Apples Prüfprozesse durchlaufen hatten und freigeschaltet worden waren, verschwanden deshalb ohne weitere Hinweise plötzlich aus dem App Store, was bei den jeweiligen Anbietern Verwirrung auslöste.

Berichten zufolge waren davon unter anderem die Apps MyFitnessPal und Carrot Fit betroffen. Eine stichprobenartige Suche im App Store ergab am Donnerstagmittag, dass die meisten Apps mittlerweile wieder verfügbar sind, wenn auch nur in alten Versionen.

Die Macher der Diät-App MyFitnessPal kündigten bereits an, so schnell wie möglich eine Version ihrer Anwendung herauszubringen, die auch ohne Healthkit-Integration funktionieren würde. Dasselbe dürfte für viele andere Apps gelten, denn die Integration von Healthkit war meist nur einer von mehreren Punkten auf den Update-Listen der Entwickler. Gleichzeitig wurden die Apps an andere neue Funktionen von iOS 8 und teilweise auch an die größeren Bildschirme der neuen iPhones angepasst.

Worin genau das Problem mit der Gesundheits-App besteht, teilte Apple nicht mit. Der Konzern erklärte nur knapp: "Wir arbeiten schnell daran, den Fehler mittels eines Updates zu beheben, und werden die Healthkit-Apps gegen Ende des Monats verfügbar machen." Genauer wollte sich Apple nicht festlegen.

Mindestens bis Ende September wird die Health-App also nicht viel mehr als ein Platzhalter sein, der auf Geräten mit iOS 8 Platz verbraucht, denn löschen kann man die App - so wie alle zum Betriebssystem gehörenden Anwendungen - nicht.

meu/mak

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
alangasi 18.09.2014
1. Trotzdem
das Ganze ist ein gutes Konzept und wenn man das mal ein wenig weiter spinnt....
Rhaegar 18.09.2014
2. Klar...
...die 208 KB (!), die von der Health-App verbraucht werden, machen sicherlich jedem iOS-Nutzer Probleme.
BettyB. 18.09.2014
3. Manoman...
Hoffentlich denkt da nicht jemand mit Blick auf sein iPhone, er sei schon tot...
Rastaflip 18.09.2014
4. Unfertige Software
Erfahrene Apple-Nutzer wissen schon lange, dass man X.0 Versionen von Mac OSX und iOS besser meidet und auf das .1 Update wartet. Insbesondere bei OSX dauert es oft mehrere Versionsupdates, bis die Stabilität und die Bugfreiheit der letzten Vorgängerversion erreicht wird. Das ist natürlich kein Apple-spezifisches Problem, sondern ist leider bei fast allen Softwareprodukten so. Im Bereich Gaming ist der Day-Zero-Patch ja inzwischen auch Standard geworden. Dort ist es der Publisher, der Druck macht, damit das Spiel zum avisierten Releasedatum auf den Markt geworfen wird. iOS 8 musste halt passend zum neuen iPhone releast werden. Kleinere Fehlerchen werden dann halt hinterher noch ausgebügelt.
Flying Rain 18.09.2014
5. Hm
Kein einziges wort über den Notfallpass, die eigentlich beste Funktion der Health-App....
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