iPhone-Empfangsprobleme: Streit über Apples peinliche Panntenne
Hat ein Apple-Ingenieur die Firma vor Problemen mit der neuen iPhone-Antenne gewarnt? Das berichtet eine US-Nachrichtenagentur, Apple weist die Darstellung zurück. Der Konzern wird nun wohl Stellung zum Panntennen-Debakel nehmen.
Dass das Gezerre mit der Pannen-Antenne Apple schadet, ist inzwischen eindeutig: Die Aktien des Unternehmens haben im vergangenen Monat substantiell an Wert verloren. Der Kurs fiel von 279 Dollar am Vormittag des 21. Juni auf gut 251 Dollar an diesem Donnerstagabend. An diesem Freitagabend will der Konzern aus Cupertino in einer Pressekonferenz vermutlich erklären, wie man mit dem Problem umgehen will - vorher aber gibt es noch einmal richtig Ärger.
Laut der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg hat ein hochrangiger Ingenieur das Management im vergangenen Jahr gewarnt, dass eine außenliegende Antenne die Empfangsleistung schwächen könnte. Bloomberg nannte den Ingenieur namentlich - allerdings nicht die Quelle, aus der diese Information stammte. Auch einer von Apples Partnern unter den Mobilfunk-Betreiber hat demnach seine Sorgen geäußert.
Ein Apple-Sprecher kommentiert diese Meldung im "Wall Street Journal" außergewöhnlich scharf: "Wir fordern Bloomberg auf, für die Behauptung substanziellere Belege als Gerüchte vorzubringen. Das ist schlicht nicht wahr." Ein Sprecher Bloombergs reagierte darauf mit der Feststellung, man rücke von der Meldung nicht ab.
Apple hat am Donnerstag kurzfristig und überraschend zu einer Pressekonferenz an diesem Freitag um 19 Uhr deutscher Zeit eingeladen. Thema sei das iPhone 4, hieß es ohne Nennung von Details. Analysten erwarten keine Rückrufaktion, aber Gerüchte darüber haben den Aktienkurs gedrückt.
Hintergrund des Ärgers: Einige iPhone-4-Nutzer beklagen, dass ihr neues Apple-Telefon gleich mehrere Empfangsbalken verliert, wenn sie die untere linke Ecke mit ihrer Hand verdecken. In den USA gibt es deswegen bereits erste Sammelklagen: Dem Unternehmen wird vorgeworfen, vor dem Verkaufsstart von diesen Schwierigkeiten gewusst zu haben.
US-Warentester weisen Empfangsprobleme nach
Apple hat diese Schwankungen bislang so erklärt: Die Signalstärke sei in Ordnung, aber die Anzeige falsch. Durch einen Fehler bei der Berechnung der Anzeige werde das Signal zum Teil deutlich stärker dargestellt als es tatsächlich sei - eine Erkenntnis, die zugleich "simpel und überraschend" sei.
Tester des US-Magazins "Consumer Reports" (es gehört der gemeinnützigen Verbraucherschutz-Organisation Consumers Union) zweifeln diese Erklärung an. Die Ingenieure haben das Funkverhalten von drei in unterschiedlichen Geschäften gekauften iPhone-4-Geräten getestet - in einem isolierten Raum mit eigenem Sender.
Ergebnis: "Wir haben einige andere AT&T-Telefone getestet, darunter das iPhone 3GS und den Palm Pre. Keines dieser Geräte hatte die Signalverlust-Probleme des iPhone 4." Den Ingenieuren zufolge kann ein ohnehin schwaches Funksignal beim iPhone 4 komplett abreißen, wenn man mit der Hand eine bestimmte Stelle des Gehäuses berührt.
Das Fazit der Tester: "Wegen dieses Problems können wir das iPhone 4 nicht empfehlen." Und: "Unsere Versuchsergebnisse lassen die Behauptung Apples fraglich erscheinen, dass die Probleme der iPhone-4-Geräte bei der Signalstärke einer Art optischen Täuschung zuzuschreiben sind."
Eine sehr einfache Lösung für das Antennenproblem haben die Tester auch gefunden: Einfach etwas Klebeband auf die Stelle links unten am Gehäuse kleben, wo der Metallrahmen unterbrochen ist.
lis/apn/dpa/rtr
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- "Wall Street Journal" über iPhone-Panntenne
- Bloomberg über Apple-Ingenieur
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