Fotoformat RAW Profi-Fotos mit dem iPhone knipsen

Seit dem Update auf iOS 10 können aktuelle iPhones Fotos auch im Rohdaten-Format RAW aufnehmen. Die Technik bietet erstaunliche Möglichkeiten, Schnappschüsse zu verbessern. Wir zeigen, wie man sie nutzt.

Markus Schelhorn

Von Markus Schelhorn


Für Hobbyfotografen bietet das aktuelle iPhone-Betriebssystem iOS 10 eine bemerkenswerte Neuerung: Die Software ermöglicht es, Fotos auch im RAW-Format aufzunehmen. Dieses sogenannte Rohdatenformat ermöglicht es, mehr Details aus einer Aufnahme zu kitzeln, als es mit dem sonst üblichen JPEG-Format möglich wäre.

Um von diesem Vorteil profitieren zu können, muss man allerdings ein wenig Zeit investieren, jedes Bild nach der Aufnahme bearbeiten, es sozusagen per Software entwickeln, so wie früher einen analogen Fotofilm. Doch das bisschen Arbeit lohnt sich und tiefes Fachwissen ist dafür nicht nötig. Per App lassen sich Rohdaten-Bilder unkompliziert am iPhone bearbeiten.

Die Voraussetzung, um RAW-Fotos knipsen zu können ist allerdings, ein relativ aktuelles iPhone, also ein Modell der 6S-Serie, ein iPhone 7 oder ein iPhone SE. Beim iPhone 7 Plus funktioniert RAW bislang nur mit der Weitwinkel-Kamera. Von den iPads beherrscht ausschließlich das kleine iPad Pro die neue Fototechnik. Ein Alleinstellungsmerkmal für Apple ist RAW aber nicht. Auch Firmen wie Samsung, LG, Motorola, Google, Sony und HTC bieten Smartphones an, die RAW-Aufnahmen machen können.

RAW braucht mehr Speicher

Das iPhone speichert die Fotos normalerweise als JPEG-Datei, die man sofort verwenden kann. Dabei peppt Apples iOS die Fotos automatisch auf: Starker Kontrast, starke Schärfung und sattere Farben lassen die Bilder knackig erscheinen. Doch damit gehen auch Bildinformationen verloren, die man insbesondere dann braucht, wenn man die Fotos nachträglich korrigieren möchte. Bemerkbar macht sich dies vor allem in Aufnahmesituationen, die für eine Kamera schwierig sind, etwa ein Motiv mit strahlendem Himmel und Wald.

Mit einem Foto im Rohdaten-Format lassen sich aus solchen Aufnahmen mehr Details herauskitzeln. Das Ausgangsbild bleibt dabei erhalten. Erst wenn das Bild zur eigenen Zufriedenheit nachbearbeitet wurde, speichert man eine Kopie davon beispielsweise als JPEG-Datei.

Allerdings sollte man den Einsatz von RAW-Bildern sorgsam planen, denn sie belegen etwa dreimal so viel Speicherplatz wie ein JPEG-Bild. Bei den Rohdaten-Aufnahmen eines iPhones sind dies, abhängig vom Bildinhalt, rund 15 Megabyte pro Bild.

Mit Apples Kamera-App selbst lassen sich keine Fotos im Rohdaten-Format aufnehmen, stattdessen muss man dafür auf Apps von Drittanbietern zurückgreifen. Zur Wahl stehen beispielsweise Adobe Photoshop Lightroom, die 4,99 Euro teure App Pro Cam 4 und die Gratis-App Flannl. Mit den Suchbegriffen "RAW Camera" und "DNG" findet man im App Store weitere RAW-taugliche Kamera-Apps.

Mehr Himmel dank RAW-Format
Markus Schelhorn

Mehr Himmel dank RAW-Format

Die mobile Version von Adobe Photoshop Lightroom wird kostenlos angeboten, bietet bereits eine Vielzahl von Möglichkeiten. Einige Funktionen setzen jedoch ein Creative-Cloud-Abo bei Adobe voraus, für das mindestens 142 Euro pro Jahr fällig werden.

Nur mit einem solchen Abo lassen sich Fotos im RAW-Format auf andere Geräte übertragen, um diese beispielsweise auf einem Windows-PC oder Apple-Rechner weiter zu bearbeiten. Ohne Creative-Cloud-Abo lassen sich die per Lightroom-App bearbeiten Fotos nur als JPEG-Datei exportieren. Das allerdings auf Wunsch in voller Auflösung.

Lightroom-App auf einem iPhone
Markus Schelhorn

Lightroom-App auf einem iPhone

Die Kamera-Funktion von Lightroom ist übersichtlich: Man kann zunächst zwischen dem JPEG- und RAW-Format wählen, beide Formate gleichzeitig, wie es einige Fotoapparate bieten, lassen sich indes nicht aufnehmen. Die Bildsteuerung beschränkt sich auf Einstellungen für den Blitz, den Weißabgleich, Belichtungskorrektur und Selbstauslöser. Dazu kommen einblendbare Gitter für eine bessere Bildkomposition sowie die Möglichkeit, per Fingertipp den Fokuspunkt zu ändern.

RAW-Bilder auf dem iPhone bearbeiten

Sehr umfangreich sind dagegen die Bearbeitungsmöglichkeiten von Lightroom, die man in der mobilen Version kostenlos verwenden kann. Gezielt und in hoher Qualität lassen sich die Fotos korrigieren, das Bildrauschen verringern oder verschiedene Bildstile anwenden.

Praktisch ist die Möglichkeit, nur bestimmte Bildbereiche zu bearbeiten. So lässt sich beispielsweise schnell und gezielt nur der Himmel abdunkeln oder, ganz im "CSI-Miami"-Stil, purpurn einfärben.

Fazit

Es ist beeindruckend, welche zusätzlichen Bildinformationen sich aus dem Rohdaten-Format herausholen lassen. Einige Beispiele dafür finden Sie in unserer Fotostrecke. Allerdings bekommt man bessere Bilder nicht umsonst, muss etwas Zeit investieren und im iPhone genug Speicher für die großen Bilddateien haben. Ein Adobe-Abo braucht man dafür hingegen nicht. Alle wichtigen Funktionen, zum Aufnehmen und Bearbeiten von RAW-Fotos lassen sich auch kostenlos mit der Lightroom-App nutzen.



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
tennislehrer 03.11.2016
1. Das kann das Galaxy S7 übrigens
schon lange! Außerdem krankt es bei den Phones am kleinen Sensor (sehr rauschanfällig, besonders unter schlechten Lichtverhältnissen) und an den schlechten Optiken. Was bringt die RAW-Entwicklung, wenn das Eingabematerial nicht besonders berauschend ist! Wenn die Qualität sehr gut sein soll, dann kommt man eben um eine richtige Kamera nicht herum.
smartphone 03.11.2016
2. RAW =/= Profi
Was hat RAW mit Profi zu tun - garnix .. RAW ermöglicht "nur" eine Verlustfreie Entwicklung des Bildes. DInge, die bei einer schlechten jpg Engine geglättet oder dynamikarm verschluckt werden . Dasmit sin dwir schon beim Kern des Ganzen - über welche Dynamik verfügt die Kamera und wie kann man die Optimal einstellen ( also zB mit EV runtersetzen künstlich abdunkeln , wenn man schon Apertur/Shutter nicht wikrlich beeinflussen kann) Dann gibt es auch HDR ..was allerdings schnell zu surrealen Bildern im Sinne ModernArt ;-) .......Im übrigen ist ein Profi geschult ( Das größte Problem ist der Depp am Auslöser ) und verdient mit Bildern Geld
MatthiasSchweiz 03.11.2016
3.
Zitat von tennislehrerschon lange! Außerdem krankt es bei den Phones am kleinen Sensor (sehr rauschanfällig, besonders unter schlechten Lichtverhältnissen) und an den schlechten Optiken. Was bringt die RAW-Entwicklung, wenn das Eingabematerial nicht besonders berauschend ist! Wenn die Qualität sehr gut sein soll, dann kommt man eben um eine richtige Kamera nicht herum.
Genau Ihrer Meinung. Wer sich mit RAW-Entwicklung befasst wird wohl eher eine vernünftige Kamera sein Eigen nennen. Wenn man sich die Smartphone-Bilder nur mal schon ein bisschen grösser anschaut als auf dem Smartphone-Bildschirm überkommt einen ja schon das Grausen von wegen der Bildqualität. Zum Spass und für Schnappschüsse sind ja Smartphone-Kameras schon ok, will man ein bisschen mehr ist dann bald Schluss.
globalundnichtanders 03.11.2016
4. ...
Ein Dateiformat macht aus einer Handyknipse noch lange kein Profigerät.
stefko 03.11.2016
5.
Zitat von globalundnichtandersEin Dateiformat macht aus einer Handyknipse noch lange kein Profigerät.
Allerdings macht auch eine Profiknipse aus dem Knipsenden keinen Profi ;-) Und wie immer gilt, die beste Kamera ist die, welche man gerade dabei hat ;-)
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