iPod-Debatte Kunde verklagt Apple wegen "Gefahr von Hörschäden"

Wenige Tage nachdem ein demokratischer Kongressabgeordneter eine Untersuchung über mögliche Hörschäden durch Apples iPod einforderte, gibt es nun die erste Klage. John Kiel Patterson klagt wegen der "Möglichkeit von Hörschäden".


Die mit Kopfhörern ausgestatteten tragbaren Musik-Abspielgeräte von Apple seien fehlerhaft im Design und nicht ausreichend mit Warnhinweisen vor möglichen Hörschäden ausgestattet, heißt es in der am Dienstag beim Bezirksgericht im kalifornischen San Jose eingereichten Klage von John Kiel Patterson aus Louisiana.

iPod: Bald nur noch mit Warnhinweis auf Selbstverständliches?

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Die digitalen Winzlinge könnten eine Lautstärke von mehr als 115 Dezibel erreichen, was bereits bei einer Nutzung von 28 Sekunden täglich zu Hörschäden führen könne. Nicht aufgeführt wurde, ob Patterson bereits Hörschäden durch das Gerät erlitt. Sein Anwalt Steve Berman erklärte, darum gehe es gar nicht. "Er hat ein Produkt gekauft, dass derzeit nicht sicher benutzt werden kann, so wie es auf dem Markt ist", sagte er. "Er hat ein fehlerhaftes Produkt gekauft, und das Gesetz ist da ziemlich eindeutig: Wer ein fehlerhaftes Produkt verkauft, muss es reparieren."

Das amerikanische Justizsystem gilt als extrem anfällig für solche Klagen. Legendär und prototypisch ist die Klage von Stella Liebeck. Die Rentnerin hatte sich an einem McDonalds-Kaffee verbrüht und auf Schmerzensgeld in Millionenhöhe geklagt, weil der Becher keine Warnung gezeigt hatte, dass der enthaltene Kaffee heiß sein könnte. Die Klägerin einigte sich mit der Pommesbudenkette außergerichtlich auf eine nicht bekannte Schadensersatzsumme.

Patterson will Schadensersatz und technische Verbesserungen am iPod erreichen. Zudem will er den Status einer Sammelklage für seinen Schritt. Apple legt derzeit jedem iPod eine Warnung bei, dass bei voller Lautstärke dauerhafte Hörschäden eintreten könnten.

Apple wollte sich zu der Klage nicht äußern. Die Firma hat seit 2001 mehr als 42 Millionen iPods verkauft, allein 14 Millionen im letzten Quartal des vergangenen Jahres. In Frankreich hatte Apple diese Geräte vorübergehend vom Markt nehmen müssen, um sie so einzustellen, dass keine Lautstärke von mehr als 100 Dezibel erreicht werden kann.

Experten sind der Ansicht, dass iPods nicht gefährlicher sind als andere mit Kopfhörern ausgerüstete tragbare Musikgeräte auch. "Es gibt mehrere Produkte auf dem Markt, die das Hörvermögen schädigen können", sagt die Audiologie-Professorin Deanna Meinke von der Universität von Northern Colorado. "Das Risiko besteht, aber es liegt bei dem Benutzer, wie er die Lautstärke einstellt."

pat, AP



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