Terrormiliz "Islamischer Staat" IS-Unterstützer twittert seine Standortdaten

Absicht war das wohl nicht: Der Neuseeländer Mark T., ein Unterstützer der IS-Terrormiliz, veröffentlichte wohl wochenlang via Twitter, wo er sich aufhält. Eine Unvorsichtigkeit, die Geheimdienste und Ermittler freuen dürfte.

Kafar Roma in Syrien: Unter anderem hier hat sich der IS-Unterstützer aufgehalten - das sagen zumindest die Geodaten seiner Tweets
Google Earth/ Digital Globe

Kafar Roma in Syrien: Unter anderem hier hat sich der IS-Unterstützer aufgehalten - das sagen zumindest die Geodaten seiner Tweets

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Eigentlich ist die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) dafür bekannt, sich geschickt im Internet zu inszenieren. Neben Updates zu Kämpfen und Hinrichtungsvideos posten IS-Anhänger sogar Katzenbilder, ebenso Trailer in Hollywood-Manier, samt Explosionen und Zeitlupen. Seit Monaten sind US-Netzwerke wie Twitter und YouTube damit beschäftigt, IS-Propagandamaterial von ihren Plattformen zu entfernen.

Doch nicht jeder Anhänger scheint so professionell zu kommunizieren, wie es sich die Miliz wünschen dürfte: Wie jetzt durch das kanadische Terrorismus-Blog "iBrabo" bekannt wurde, hat ein neuseeländischer IS-Unterstützer mit dem Namen Mark T. wohl über Wochen seine öffentlichen Twitter-Nachrichten mit Geodaten versehen lassen - vermutlich nicht mit Absicht.

Von Oktober bis Dezember könnte er auf diesem Weg zum Beispiel Rückzugsorte von IS-Kämpfern verraten haben - oder Ermittlern zumindest Indizien dafür geliefert haben, dass er bei bestimmten Kämpfen vor Ort war.

Standardmäßig ist die Standortangabe bei Twitter deaktiviert, sie muss händisch aktiviert werden. Dann können die iOS- und Android-Apps des Netzwerks aber die genauen Koordinaten des aktuellen Aufenthaltsortes übertragen. In einem Erklärtext heißt es: "Sei vorsichtig und überlege dir gut, welche Informationen du online weitergibst." Und: "Genau wie bei deiner Privatadresse solltest du auch beim Twittern von Standorten vorsichtig sein, die andere nicht sehen sollen."

Auch Reporter sind manchmal unvorsichtig

Das Tech-Magazin "Wired" machte vergangenen Sommer darauf aufmerksam, dass Twitter-Nutzer mit aktiviertem Geotagging mitunter ziemlich viel über ihren Alltag preisgeben: Der Dienst GeoSocialFootprint etwa ordnet Tweets konkreten Google-Maps-Kartenpositionen zu - anschließend schätzt er, wo sich der Arbeitsplatz des Nutzers befindet.

"iBrabo"-Autor Jeff R. Weyers verweist darauf, dass auch andere Dienste wie Facebook und Instagram das sogenannte Geotagging bieten, das unter Umständen Aufenthaltsorte bekannt macht, die man gern für sich behalten hätte. Auch Fotos könnten Geodaten enthalten.

Das war 2012 von besonderer Bedeutung: Damals war der IT-Unternehmer John McAfee abgetaucht, mit einem "Vice"-Reporter als Fluchtberichterstatter an seiner Seite. Während dieser Zeit veröffentlichte "Vice" ein Foto, mithilfe dessen Geodaten andere Medien herausfinden konnten, wo sich McAfee aufgehalten hatte. McAfee behauptete zunächst, die Geodaten seien mit Absicht gefälscht worden, später korrigierte er sich.

Auch der neuseeländische IS-Unterstützer Mark T. scheint sich über seine Unvorsichtigkeit im Nachhinein geärgert zu haben. Blogger Weyers schreibt bei "iBrabo", vor Kurzem habe der Mann 45 Nachrichten gelöscht. Mittlerweile scheint der Account des Neuseeländers komplett gesperrt worden zu sein.

Über verschiedene Internetseiten lassen sich die verfänglichen Tweets aber weiter finden. Aus den Tweets geht zum Beispiel hervor, dass sich der Unterstützer mit großer Wahrscheinlichkeit in den syrischen Städten Kafar Roma und ath-Thaura aufgehalten hat. Weyers will anhand bestimmter Nachrichten sogar ein Haus identifiziert haben, in dem sich der Unterstützer aufgehalten haben soll.

"Ein Social-Media-Anfängerfehler"

"Ein Social-Media-Anfängerfehler", kommentiert Weyers die mitgetwitterten Geodaten, "einer, für den Geheimdienste und Strafverfolger beten, wenn sie Kriminelle verfolgen."

Der Neuseeländer sei nicht der erste Dschihadist, der seine Aufenthaltsorte über soziale Netzwerke verbreite - Kämpfer aus Kanada, Frankreich und anderen westlichen Ländern würden denselben Fehler machen. Den Ermittlern würden die Daten vor allem dabei helfen, einzuschätzen, wie eng jemand mit einer Terroristengruppe in Kontakt stehe.

Neben den Geodaten interessieren Geheimdienste, Strafverfolger und Hobbydetektive übrigens auch die Motive von Fotos, die IS-Anhänger veröffentlichen. Im August machten der Blogger Eliot Higgins und sein Team weltweit Schlagzeilen: Ihnen war es gelungen, auf Basis von Bildern die Position eines IS-Ausbildungslagers ausfindig zu machen. Als Hilfsmittel dienten der Gruppe für jedermann zugängliche Webseiten wie Google Earth und Panoramio.



insgesamt 17 Beiträge
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funnyone2007 01.01.2015
1. doppelt doof
... man muss nicht nur zustimmen, sondern auch sein GPS aktivieren... aber mal ehrlich.. wer glaubt noch, dass die Geheimdiente Twitter Daten oder GPS am handy benötigen ? Gibt so viele Möglichkeiten... z.b. das auch in Deutschland oft genutzte Stille Sms http://www.spiegel.de/politik/deutschland/handy-ortung-verfassungsschutz-verschickt-immer-mehr-stille-sms-a-984665.html
Mara Cash 01.01.2015
2. Wieso ist das aufgeflogen?
Es ist doch prima, wenn einer der vielen dummen IS-Kämpfer seine Ortungsdienste via Twitter aktiviert hat. Diese Daten gehören von den Geheimdiensten kassiert, ausgewertet und bei der Kriegsführung mit einkalkuliert. Mich selbst verwundert es nur, dass über Artikel wie diese diese unvorsichtigen Radikalislamisten gewarnt werden? Das ist der eigentliche Skandal!
Oberleerer 01.01.2015
3.
SmartPhones sind das Beste, was der Weltpolizei passieren konnte. Nicht nur, daß kaum jemand die Sicherheitslücken kennt, sondern man kann sicher sein, daß bestimmte heimatschutzfunktionen absichtlich implementiert werden. Vorbei die Zeit, daß die Gabel eines Telefons Mikro und Hörer getrennt hat.
Listerholm 02.01.2015
4. cool :-(
finde ich, wenn die freie Presse jeden potenziellen Terroristen darüber informiert, welche Fehler er bitte vermeiden möchte. Wäre ich ein Terrorist, würde ich mich für jeden solchen Artikel kniefällig bedanken. Ich versteh es nicht.
newsjunky 02.01.2015
5. Geheimdienst kennt Standort so oder so
Handys melden sich von Natur aus beim Handymast an, dh jede Position inkl. Standortverlauf wird bei der Telefongesellschaft aufgezeichnet, sprich die Geheimdienste wissen bescheid. (Inkl. 5eyes bzgl. Operation Full Take)
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