Tablet-Autopsie So viel kosten Kindle, iPad und Surface wirklich

Apple, Amazon und Microsoft liefern sich einen harten Konkurrenzkampf um das Tablet-Geschäft: Jetzt hat das Marktforschungsunternehmen IHS iSuppli die Materialkosten von iPad mini, Surface und Kindle Fire HD miteinander verglichen und entdeckt, dass sich die Gewinnspannen drastisch ändern.

Käufer zählen das Geld für ein iPad mini ab: Wie viel Gewinn machen die Hersteller?
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Käufer zählen das Geld für ein iPad mini ab: Wie viel Gewinn machen die Hersteller?


Marktforscher Andrew Rassweiler hat die Material- und Herstellungskosten der drei Tablet-Computer miteinander verglichen. Die Aufstellung zeigt: Bei der aktuellen Pad-Generation experimentieren die Hersteller mit neuen Verkaufsmodellen und Mischkalkulationen.

Microsofts Surface, schätzt iSuppli-Experte Rassweiler, koste in der Summe der Einzelteile etwa 271 Dollar für die einfachste 32-Gigabyte-Variante (ohne Schutzhülle). Das Display von Zulieferer Samsung mache mit rund 137 Dollar etwa die Hälfte dieser Kosten aus. Im Laden steht das Gerät schließlich für 499 Dollar. Rassweiler erkennt in dem im Vergleich zu den Materialkosten relativ niedrigen Verkaufspreis eine Mischkalkulation: Er soll potentielle Tablet-Käufer locken und zum Kauf teurerer Produkte bewegen - und sei es nur die Schutzhülle Touch Cover. Die koste Microsoft in der Herstellung rund 16 Dollar, werde aber für 120 Dollar verkauft.

Das Geschäft mit dem Zubehör

Wie gut so ein Geschäft funktionieren kann, hat Amazon bereits mit den sehr teuren Kindle-Schutzhüllen vorgemacht. Die kosten mitunter halb so viel wie die günstigsten E-Buch-Lesegeräte der Kindle-Reihe - sind aber unerlässlich, wenn man auf Funktionen wie eine eingebaute, am Kindle-Akku angeschlossene Leselampe nicht verzichten will.

Und so setzt auch Amazon noch immer auf ein Mischkalkulation, wie iSuppli am Verhältnis von Materialkosten zu Verkaufspreis des Kindle Fire HD erkennen will. Der koste im Amazon-Webshop nur 199 Dollar - für Amazon aber im Einzelteile-Einkauf immerhin 165 Dollar. Die Hüllen, die Amazon selbst anbietet, schlagen mit weiteren 45 Dollar zu Buche, ein einfaches Ladegerät mit Schnellladefunktion kostet weitere 20 Dollar. Vorteil Amazon: Welches Zubehör prominent nebst dem Kindle angeboten wird, hat Amazon selbst in der Hand.

Wie genau sind die Zahlen?

Das gerade eingeführte iPad Mini funktioniert für Apple wohl nicht anders. Die Autopsie der iPad-Bestandteile ergab einen Einzelteilepreis von insgesamt circa 188 Dollar für die 16 Gigabyte/W-Lan-Variante. Apple verkauft es für 329 Dollar (gleicher Preis in Euro). Aber wie immer verdient Apple auch am Zubehörgeschäft sehr gut. Dass mit dem Gerät allein kein goldener Apfel zu verdienen ist, bestätigt auch Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer: Die Gewinnspanne des neuen iPads sei "erheblich geringer" als bei anderen Apple-Produkten.

Bleibt die Frage: Was sind die Zahlen von iSuppli eigentlich wert? Sie sind informierte Schätzungen. Wie viel die Einzelteile tatsächlich kosten, hängt von den Qualitätsansprüchen des jeweiligen Herstellers ab, davon, wie viele Bauteile eines bestimmten Typs ein Hersteller abnimmt, über welche Zeiträume Lieferverträge geschlossen werden, und von vielen Faktoren mehr.

Die Gewinnspanne wiederum geht aus den Materialkosten kaum hervor. Was die Hersteller etwa für Entwicklung, Vertrieb und Vermarktung ihrer Produkte tatsächlich ausgeben, ist kaum feststellbar.

kno

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
felisconcolor 05.11.2012
1. Hier
Zitat von sysopAPApple, Amazon und Microsoft liefern sich einen harten Konkurrenzkampf um das Tablet-Geschäft: Jetzt hat das Marktforschungsunternehmen IHS iSuppli die Materialkosten von iPad mini, Surface und Kindle Fire HD miteinander verglichen und entdeckt, dass sich die Gewinnspannen drastisch ändern. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/isuppli-berechnet-die-kosten-von-kindle-fire-hd-ipad-mini-und-surface-a-865284.html
schliesse ich mich mal anderen Postern an. Materiallisten kann jeder selbst googeln und addieren und der Rest beruht auf Hörensagen also gerichtlich nicht verwertbar. Insofern netter Artikel ohne Nährwert In der Printpresse ein Lückenfüller, höchstens. Im Internet ein Ressourcenklauer ;-)
satissa 05.11.2012
2. Materialkosten
Ich gehe davon aus, dass die echten Materialkosten weitaus niedriger liegen als hier vorgestellt. Die Produktkosten macht ja nicht die Summe der Einzelteile aus, sonst könnte man ja einfach nach Gewicht bezahlen. Während sich IT Firmen ja noch einen regelrechten Wettlauf um Innovation und die damit verbundenen Entwicklungskosten leisten, ist es doch eher interessant die Produktionskosten von einem Liter Coca Cola und den Verkaufspreis gegenüber zu stellen.
mopsfidel 05.11.2012
3. Was kostet ein Audi A8 wirklich?
Wieso wird nicht öfters darüber berichtet, was so das eine oder andere Auto in Wirklichkeit kostet? Man wäre wohl nicht überrascht, wenn ein Oberklassewagen mit 100 Prozent Gewinn verkauft wird. Oder doch?
hanfiey 05.11.2012
4. Die Gewinnspannen werden kleiner
Das sehe ich auch so und überlege schon längere Zeit mir ein Billiggerät zum Ausschlachten zu besorgen da ich eigentlich nur das Display brauche und das ist mit das teuerste Teil. Für ein 7 Zoll Tablett für 60€ bekomme ich das Display nicht mal ansatzweise.
Windom Earle 05.11.2012
5. BILD-Niveau
Das ist doch unterste Kajüte. Wen interessiert so etwas??? Hier wird doch nur wieder eine Sau durchs Dorf getrieben. Jede Sache hat den Wert, den man ihr gibt. Was hat ein Brötchen für Materialkosten? Ach, ... und der Strom für den Backofen kommt aus der Steckdose, den rechnen wir mal sicherheitshalber nicht mit. "Fucking unbelievable"
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