IT-Sicherheit Computervirus legt Krankenhäuser lahm

Befunde mussten per Telefon oder Fax übermittelt werden: Ein Computervirus hat die Abläufe im Krankenhaus Arnsberg gestört. Es ist nicht der einzige Vorfall dieser Art in Nordrhein-Westfalen.

Krankenhausmitarbeiter auf dem Flur: Nur Annahme von Notfällen wegen eines IT-Schädlings
Corbis

Krankenhausmitarbeiter auf dem Flur: Nur Annahme von Notfällen wegen eines IT-Schädlings


Ein Computervirus hat die digitale Kommunikation eines Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen unterbrochen. Das Klinikum Arnsberg habe am Freitag auf einem Computersystem eine Schadsoftware entdeckt, sagte ein Sprecher des Klinikums am Montag.

Daraufhin habe man sich entschlossen, das komplette System herunterzufahren, um den Virus, der auf einem der über 200 Klinikserver entdeckt worden war, unschädlich zu machen. Am Sonntagvormittag liefen die Computer aber wieder. Außer Notfällen seien bis dahin keine neuen Patienten aufgenommen worden.

Mit dem Abschalten der Computer sei die digitale Kommunikation zwischen den Abteilungen unterbrochen gewesen. "Befunde mussten persönlich, per Telefon oder Fax übermittelt werden", schilderte der Sprecher. Blutproben mussten händisch beschriftet werden, weil der Ausdruck eines Barcodes nicht möglich war. Im Labor mussten die Informationen ebenfalls wieder händisch ins System eingetragen werden, die Ergebnisse der Tests gingen auf Ausdrucken wieder zurück zu den Ärzten. Medizinische Geräte und Systeme arbeiteten jedoch unabhängig vom IT-Netzwerk. Sie waren nicht betroffen.

Meldungen mit Geldforderungen aufgetaucht

Der Virus sei mit einem E-Mail-Anhang, "der besser nicht geöffnet worden wäre", eingedrungen. Man vermutet einen Erpressungsversuch. Es seien Meldungen mit Geldforderungen aufgetaucht.

Solche Viren, die den Zugriff auf Systeme und Dateien sperren oder ganze Festplatten verschlüsseln, werden Ransomware genannt, Erpressersoftware. Die Kriminellen, die solche Software meist über verseuchte E-Mail-Anhänge verteilen, fordern in der Regel Geld, um den befallenen Rechner wieder zu entsperren oder die Dateien zu entschlüsseln.

Dass das Klinikum Arnsberg mit seinen drei Häusern Opfer einer gezielten Attacke wurde, glaubt man dort nicht. "In den vergangenen Tagen und Wochen hatten bereits weitere Kliniken in NRW, aber auch Industrieunternehmen ähnliche Probleme", wird Werner Kemper, Sprecher der Geschäftsführung, in einer Pressemitteilung zitiert. Man habe die Quelle des Virus identifiziert und die Informationen an die Ermittlungsbehörden weitergegeben.

Erst am Mittwoch hatte das Neusser Lukaskrankenhaus in Nordrhein-Westfalen von einem Cyberangriff berichtet. Die IT-Probleme dort dauern laut einem Medienbericht weiter an. Alle IT-Systeme in Neuss sind heruntergefahren worden, um Patientendaten zu schützen, Operationen wurden verschoben. Auch in Neuss kam der Computervirus offenbar über einen Mail-Anhang ins System.

Laut weiteren Medienberichten waren zuvor auch Krankenhäuser in Mönchengladbach, Essen, Kleve und Köln von ähnlichen IT-Schädlingen betroffen. Sogar das nordrhein-westfälische Innenministerium war im vergangenen Dezember Opfer eines Ransomware-Virus geworden.

dpa/gru



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 70 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hektor2 15.02.2016
1. Zuversicht
Berichte wie dieser stimmen mich immer zuversichtlich, dass meine medizin. Daten künftig in einer obskuren "Cloud" richtig sicher aufgehoben sind.
basic11 15.02.2016
2. Jeder IT Experte weiss, dass wir ...
systemrelevante Institutionen auf Basis nicht dafür geeigneter Technologieen betreiben... lassen wirs auf uns zukommen ... u schauen wir dann später weiter.. Hauptsache die Kanzlerin weiss grob was ein Netzwerk ist ...
dergenervte 15.02.2016
3. Sie lernen es nie
Warum werden immer wieder Dateianhänge von unbekannten Quellen geöffnet? Werden die Mitarbeiter so schlecht geschult? Bestimmt wurde wieder an der IT-Sicherheit gespart. Ich bekomme im Monat einige solche Mails. Die sind so offensichtlich, daß ich sie sofort lösche.
Na Sigoreng 15.02.2016
4. Richtig sicher wird unsere Welt erst
Richtig sicher wird unsere Welt erst, wenn wir das Bargeld abgeschafft haben und uns nur noch auf Bits und Bytes verlassen und darauf, dass alles ach so sicher ist, wie die 4-stellige Pin der EC-Karte.
Olaf 15.02.2016
5.
Wahrscheinlich Cryptowall oder so etwas. Es wird heute immer schwieriger für die IT-Sicherheit zu sorgen, weil es zwei gegenläufige Trends gibt. Einerseits werden die Bedrohungen durch Schadsoftware immer zahlreicher, raffinierter und komplexer, andererseits wird das LAN immer weiter geöffnet, damit mobile Geräte, Smartphone, Tablets und Heimarbeit funktionieren können.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.