IT-Security: Cyberkrieger sind immer die anderen

WikiLeaks, Stuxnet und den Google-Hack - das Thema IT-Sicherheit war 2010 präsenter denn je. SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Frank Patalong denkt deshalb nach: Wann ist eigentlich Cyberkrieg? Und wer führt ihn?

Virenalarm am Computer: Schnüffelaktion aus FernostZur Großansicht
dapd

Virenalarm am Computer: Schnüffelaktion aus Fernost

2010, das kündigte sich bereits zur Jahreswende an, sollte zu einem Jahr der spektakulären IT-Sicherheitsverletzungen werden. Wie nie zuvor drängte das Thema auf die Titelseiten: Es begann mit dem sogenannten Google-Hack, einer bis heute nicht genau geklärten Attacke gegen über 100 meist amerikanische Unternehmen - wahrscheinlich ein Fall besonders ausgefuchster, IT-gestützter Industriespionage.

Dass diese Schnüffelaktion angeblich von chinesischem Boden ausging, rief das Thema Cyberwar auf den Plan: War es nicht so, dass der, der Systeme infiltrieren konnte, dort auch Sabotage hätte treiben können?

Die seit Jahren schwelende Diskussion darum, was Cyberwar überhaupt ist, wo Kriminalität endet und Kriegsführung beginnt; wie man auf virtuelle Attacken angemessen reagieren sollte und womit und gegen wen eigentlich? Denn nur selten gelingt es, eine Attacke tatsächlich ihren Urhebern zuzuordnen: Die Grenzen sind fließend - und Cyberwar vornehmlich das, was andere zu "unserem" Schaden tun.

Breite Diskussion

Kaum etwas zeigte das so deutlich, wie die breite Diskussion um zwei höchst unterschiedliche Ereignisse: WikiLeaks und Stuxnet.

Stuxnet gilt als erste öffentlich bekannt gewordene Software, die dafür entworfen wurde, eine ganz bestimmte Steueranlage in einer iranischen Atomanlage zu befallen und zu sabotieren. Ausgebracht wurde sie mit dem normalen Instrumentarium der Virenverteilung, wirksam wurde sie nur auf ihrem Zielobjekt: Wahrlich eine neue Dimension in der Cyberkriegsführung, als theoretische Möglichkeit seit langem gefürchtet.

Von Cyberwar sprach trotzdem kaum jemand - was mit Sicherheit anders gewesen wäre, wenn Stuxnet gegen eine deutsche, amerikanische, französische oder israelische Anlage gerichtet gewesen wäre.

Virtuelle Sitzblockaden

Noch einmal: Cyberwar ist immer das, was andere "gegen uns" unternehmen.

So, wie die Veröffentlichung der amerikanischen Kriegsdokumente aus den Afghanistan- und Irak-Konflikten oder die der Diplomatendepeschen am Ende des Jahres. Dies sei ein terroristischer Akt, schrien US-Konservative. Als dann noch Unterstützer der Enthüllungsseite mit Denial-of-Service-Attacken gegen Unternehmen protestierten, die sich gegen WikiLeaks gestellt hatten, fiel es wieder, das böse Wort: Cyberwar. Hier angewandt auf nicht mehr als ein paar ärgerliche virtuelle Sitzblockaden, von denen keine mehr als ein, zwei Tage durchgehalten wurde.

So ist der Begriff Cyberwar am Ende des Jahres so unklar wie zu seinem Anfang. Und doch hat sich viel getan: Regierungen, Militärs und politische Bündnisse sind so emsig wie nie, sich auf den virtuellen Ernstfall noch besser vorzubereiten. Die Instrumente sind auf allen Seiten dieselben, der Rest bleibt eine reine Frage der Perspektive. Was man selbst macht, heißt übrigens Abwehr oder "Gegenmaßnahme", nicht "Krieg". Ganz wie im richtigen Leben.

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insgesamt 4 Beiträge
es nervt auch mich, wenn ich einen gerade runtergeladenen Crack entzippe und installieren will - und dann hat F-Secure ihn schon als "Virus" erkannt und unbenannt, in Quarantäne gestellt oder gelöscht, oder alles in [...]
es nervt auch mich, wenn ich einen gerade runtergeladenen Crack entzippe und installieren will - und dann hat F-Secure ihn schon als "Virus" erkannt und unbenannt, in Quarantäne gestellt oder gelöscht, oder alles in beliebiger Reihenfolge. Und womöglich stimmte es ja ??? Aber so ist das eben mit der Heuristik wie mit der Floristik !
udocolonia 31.12.2010
:-)
Zitat von frank_lloyd_rightAber so ist das eben mit der Heuristik wie mit der Floristik !
:-)
Realo 31.12.2010
Offline gehen und wieder alles auf analog schalten. IPad = Buch Handy = Festnetztelefon mit Kabel am Hörer CD = Schallplatte DVD = Kino PC = Schreibmaschine e-Mail = Brief Wikipedia = Lexikon im Bücherregal Internet-Radio [...]
Offline gehen und wieder alles auf analog schalten. IPad = Buch Handy = Festnetztelefon mit Kabel am Hörer CD = Schallplatte DVD = Kino PC = Schreibmaschine e-Mail = Brief Wikipedia = Lexikon im Bücherregal Internet-Radio = UKW-Empfänger O.K. ist nicht wirklich ernst gemeint ;-) Allen einen guten Rutsch ins neue Jahr ! Liebe Grüsse Realo
GM64 31.12.2010
ich will auf meinen Rechner nicht verzichten. Man muss die Leute nur erziehen. Ich mag den Film "Das Leben der Anderen". Der Spion hat gelernt, er hat mit seinem bösen Treiben aufgehört. Peinlich war es aber schon, [...]
Zitat von RealoOffline gehen und wieder alles auf analog schalten. IPad = Buch Handy = Festnetztelefon mit Kabel am Hörer CD = Schallplatte DVD = Kino PC = Schreibmaschine e-Mail = Brief Wikipedia = Lexikon im Bücherregal Internet-Radio = UKW-Empfänger O.K. ist nicht wirklich ernst gemeint ;-) Allen einen guten Rutsch ins neue Jahr ! Liebe Grüsse Realo
ich will auf meinen Rechner nicht verzichten. Man muss die Leute nur erziehen. Ich mag den Film "Das Leben der Anderen". Der Spion hat gelernt, er hat mit seinem bösen Treiben aufgehört. Peinlich war es aber schon, dass die Köpfe dann beieinander gesessen hatten. Der Dissident und der Stasi saßen am Ende beisammen, die Schauspielerin war tot und der Stasi Angestellte hat Zeitungen verteilt. Vielleicht sollte man eher den Köpfen den Marsch blasen, als sich von irgend welchen Idioten anheuern zu lassen.
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  • Freitag, 24.12.2010 – 11:59 Uhr
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Das war 2010

Glanzlichter, Tragödien, Katastrophen, Glücksmomente - auf SPIEGEL ONLINE schildern Redakteure, Reporter und Autoren, wie sie die besonderen Ereignisse des Jahres erlebten.

JANUAR

AP

Björn Hengst und Marc Pitzke erlebten das Erdbeben in Haiti, Barbara Hans blickt zurück auf den Missbrauchsskandal in Kirchen und Schulen

FEBRUAR

DDP

Severin Weiland schreibt über FDP-Chef Westerwelle und die "spätrömische Dekadenz" , Barbara Hans erinnert an den Rücktritt der Bischöfin Margot Käßmann

MÄRZ

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Axel Bojanowski mühte sich phonetisch beim Ausbruch des Eyjafjallajökull in Island

APRIL

DPA

Philip Bethge war dabei, als die Ölpest am Golf eine einmalige Naturlandschaft zu zerstören drohte

MAI

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Sebastian Fischer traf der Rücktritt des Bundespräsidenten Köhler überraschend, Mike Glindmeier staunte über den Eurovisions-Siegeszug der Lena Meyer-Landruth

JUNI

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Stefan Schultz beschäftigte das Comeback der Atomkraft

JULI

DPA

Julia Jüttner und Jörg Diehl über die Love-Parade-Katastrophe, Katharina Peters über Spanien als Fußballweltmeister , Jochen Leffers über die gescheiterte Schulreform in Hamburg , Hendrik Ternieden über Lothar Matthäus , Matthias Kremp über Stuxnet und die Cyberkrieger

AUGUST

DPA

Ann-Dorit Boy war Augenzeugin der Brände in Russland , Hasnain Kazim bei der Flutkatastrophe in Pakistan , Roman Büttner fuhr einen Mercedes SLS auf der Nordschleife des Nürburgrings

SEPTEMBER

dapd

Hasnain Kazim und Anna Reimann über die Thesen des Thilo Sarrazin, Florian Gathmann über Grüne auf Rekordhoch , Hendrik Ternieden über blutigen Protest bei Stuttgart 21

OKTOBER

Getty Images

Klaus Ehringfeld erlebte die Rettung chilenische Bergarbeiter , Simone Utler berichtete über giftigen Rotschlamm in Ungarn , Annette Langer verfolgte einen Kinderpornografie-Skandal in Belgien

NOVEMBER

dapd

Ole Reißmann und Christoph Seidler über die Castor-Transporte nach Gorleben, Yassin Musharbash über Terror-Alarmismus , Frank Patalong über IT-Sicherheit und Christian Stöcker über die Nöte von Journalisten, die ständig über Google schreiben müssen.

DEZEMBER

AP

Yasmin El-Sharif fragt sich, wie sich die Hartz-IV-Debatte auf Kinder auswirkt, Marc Pitzke dokumentiert die Rückkehr der Gier an der Wall Street , Christoph Seidler war Augenzeuge beim Klimagipfel in Cancún , Sven Böll warnt vor teutonischer Euro-Arroganz und Niels Reise fragt sich, wohin Schweden steuern wird.


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