Ausstellung von James Bridle So fängt man ein selbstfahrendes Auto

Die Werke des Künstlers James Bridle widmen sich Themen wie dem Drohnenkrieg oder Überwachung. Nun ist in Berlin eine Ausstellung des Briten zu sehen, die das blinde Vertrauen in technischen Fortschritt hinterfragt.


Als am 7. Mai in Florida ein Tesla S mit einem Lkw zusammenstieß, war das nur auf den ersten Blick ein alltäglicher Unfall. Der Crash, bei dem der Tesla-Insasse angeblich beim "Harry Potter"-Gucken ums Leben kam, machte weltweit Schlagzeilen, weil die Autopilotfunktion des elektrischen Wagens aktiviert war.

Die Technik eines Autos, das zumindest teilweise selbstfahren kann, hatte offenkundig versagt. Von Tesla hieß es damals, die Sensoren und die Kamera des Model S hätten die weiße Seitenwand des kreuzenden Lasters nicht vom an diesem Tag besonders hellen Himmel unterscheiden können. "Failing to Distinguish Between a Tractor Trailer and the Bright White Sky", hieß es dazu in einem Blogpost des Unternehmens.

Knapp ein Jahr nach dem Crash ist die Formulierung nun der Name einer am Freitag in Berlin gestarteten Ausstellung zum Thema autonomes Fahren. Zu sehen sind dort Werke des britischen Künstlers James Bridle, dessen Arbeiten schon in großen Museen wie dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York zu sehen waren.

Welche Sorte Zukunft wollen wir?

Er habe von vielen Unfällen gehört, in die autonome Autos verwickelt waren, erzählt Bridle wenige Tage vor der Ausstellungseröffnung in Kreuzberg. Der Tesla-Unfall jedoch sei besonders gewesen, weil es hier um Glauben gegangen sei: "Um den Glauben der Fahrer, dass die Technologie sie schützt: Dass sie ihre Hände vom Lenkrad nehmen und einfach loslassen können."

Ihm mache das blinde Vertrauen in den technische Fortschritt Sorgen, sagt Bridle - in einen Fortschritt, "der uns zu einem Ziel bringt, das keiner von uns eigentlich will: zum Verlust persönlicher Autonomie, zum Verlust von Fähigkeiten und Beschäftigung, zum Verlust von Wissen darüber, wie die Welt funktioniert".

Die Frage, wohin der Fortschritt geht und was er mit der Gesellschaft macht, umtreibt Bridle schon lange. Wo andere schlicht wissen wollen: "Was bringt die Zukunft?", findet er eine andere Frage wichtiger: "Welche Sorte Zukunft wollen wir?"

Eins der Kunstwerke, die Bridle nun in Berlin ausstellt, ist besonders originell: Das Video "Autonomous Trap 001" spielt mit der Idee, dass man selbstfahrende Autos austricksen kann, wenn man versteht, wie sie funktionieren - und dieses Wissen gegen sie einsetzt.

Video: Autonomous Trap 001

Schon ein simpler Salzkreis, so zumindest Bridles Idee, könnte dafür reichen, ein selbstfahrendes Auto einzufangen: Ein äußerer Kreis mit nicht durchgezogener Linie könnte das Auto zum Hineinfahren animieren, während ein innerer Kreis mit durchgezogener Linie verhindert, dass das Auto wieder herausfährt.

Ein dehnbarer Begriff

Derzeit probiert fast jeder relevante Hersteller, zumindest im weitesten Sinne selbstfahrende Autos zu entwickeln. Die Ideen reichen von Wagen mit bestimmten Fahrassistenzfunktionen, wie sie teils heute schon angeboten werden, bis hin zu komplett autonom fahrenden Autos.

James Bridle findet es wichtig, dass die Menschen auch im Bereich Mobilität die Entwicklungen nicht unbeteiligt zur Kenntnis nehmen - zumal durch den Fortschritt dort auch Dinge wie der Fahrspaß verloren gehen könnten.

Schon für das Designen einer Falle wie seiner brauche man Verständnis dafür, wie autonome Fahrzeuge die Welt sehen und verstehen, sagt Bridle: "Und wir können dieses Wissen nutzen, um entweder bessere Versionen zu bauen oder um uns zu widersetzen."

Um sich mit der Technologie autonomer Fahrzeuge vertraut zu machen, hat Bridle selbst unter anderem ein Auto mit Kameras und Sensoren ausgerüstet, den Wagen also technisch in Richtung eines selbstfahrenden Wagens aufgemotzt. Bridle ließ die Kameras in Griechenland Aufnahmen machen, ein künstliches neuronales Netzwerk verarbeitete sie. Aus diesem Prozess zeigt Bridle in Berlin Bilder, damit man eine Idee davon bekommt, wie die Außenwelt in der Maschine aussieht.

Wolken aus Sicht der Software
James Bridle

Wolken aus Sicht der Software

Unterwegs hatte Bridle seine Hände aber stets am Steuer und seine Füße auf den Pedalen: "Mein Auto ist nie von selbst gefahren, weil ich bislang kein selbstfahrendes Auto haben will und mir auch keines leisten kann", sagt Bridle. Für seine Tests habe er Instruktionen der Software, die er entwickelt hat, befolgt. Entscheidend sei für ihn nicht das Fahren, sondern das Lernen über solche Systeme gewesen.

Und vereinfacht mehr Technik im Auto nicht auch die Überwachung der Menschen, etwa durch Geheimdienste? Gefährlicher, so Bridle, sind mögliche Eingriffe. Schließlich sei es möglich, aus der Ferne Autos zu öffnen, zu schließen oder umzuleiten - und zwar sowohl für Geheimdienste als auch für Hacker.

Mehr als staatliche Überwachung ängstige ihn ohnehin eine andere Sache: "Eine passive Bevölkerung, die kein Verständnis davon hat, wie die Dinge um sie herum funktionieren, und keine Möglichkeit, die Systeme umzuprogrammieren, sodass sie für sie besser funktionieren."


Die Ausstellung "Failing to Distinguish Between a Tractor Trailer and the Bright White Sky" läuft bis zum 29. Juli in den neuen Räumlichkeiten der Galerie NOME in Kreuzberg.

mbö



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
oelfinger 23.04.2017
1. Horrorvorstellung mitdenkendes Auto.
Ich empfinde die meisten sog. Helferlein als eher ablenkend denn als unterstützend. Mal piepst es hier, dann blinkt da ein Lämpchen, dann will das Entertainmentsystem die Aufmersamkeit. Einfach nur Radio an oder aus gibts anscheinend nicht mehr. Fährt man eine halbe Reifenbreite über die Mittellinie randaliert sofort der Spurhaltassistent. Da muß man in einem Leihfahrzeug erstmal drauf kommen was jetzt schon wieder los ist und das Auto von einem will. Telefonieren während der Fahrt darf man nicht, aber wenn einem das Auto permanent die Aufmerksamkeit abfordert ist das im Strassenverkehr auch nicht weniger ablenkend. Wie steht es im Manual? "Erledigen Sie die Einstellungen vor der Abfahrt"? Wie denn, wenn manche Sachen erst beim fahren auftauchen. Was nutzen die ganzen Sicherheitseinrichtungen, wenn man gezwungenermaßen davon derart vom Strassenverkehr abgelenkt ist daß es gerade dann knallt.
alex2k 23.04.2017
2. Da haben
die Softwareentwickler einen Vorteil ;) Die wissen in etwa wie und wie weit es zuverlässig funktioniert :) Dass diese Maschinen nicht denken können (noch nicht). Sie achten entweder auf die vorprogrammierte Elemente in der Umgebung (da hofft man auch, dass die Elemente gut erkennbar sind - da fängt es ja schon mal an), oder durch "Neuronale Netze" - also lernende Systeme. Man kann also einer Maschine was "beibringen" / es lernen zu lassen - man kann dann am Ergebnis sehen, ob es gelernt hat oder nicht. Aber auch hierbei ist das Problem, dass man nicht weiss, WAS genau die Maschine gelernt hat. Ob es am Beispiel des autonomen Fahrens die Strassenmarkierungen, andere Autos, Verkehrszeichen und Ampeln erkannt und bei der Lernfahr berücksichtigt hat, oder andere Faktoren, auf die ein Fahrer niemals achten würde, weil diese irrelevant sind. Es ist also nicht vorhersehbar :) - Somit kann so ein System in einer neuen Situation eine unvorhersehbare Entscheidung treffen (die tödlich enden kann). Man kann aber auch beides kombinieren: Neurolane Netze mit fest vorprogrammiertem Code. Dennoch: nur ein wirklich denkendes System ist in der Lage wie ein Mensch (sogar besser) gute Entscheidungen treffen. Ich persönlich hoffe Zeuge der Erschaffung einer Künstlichen Intelligenz zu werden :) Ist auch was unvorhersehbares - kann zur Utopie führen, aber auch zu unserem Untergang :) Aber man sollte sich davor nicht ängstigen :)
vitalik 23.04.2017
3.
Ich denke es wird noch sehr lange dauern bis es voll-autonome Autos gibt. Viel realistischer sind solche Szenarien, wie in dem Film Minority Report, wo Autos auf speziell Strecken autonom fahren können. Auf die echten Straßen übertragen bedeutet es, dass die Autos auf den Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen autonom fahren können, aber in den Seitengassen oder auf solchen Parkplätzen, wie auf dem Bild, der Mensch übernehmen muss. Es gibt nun mal auch in unsere "fortschrittlichen" Städten jede Menge Straßen ohne jegliche Fahrbahnmarkierung, wo die Leute nach Gefühl fahren. Dieses "nach Gefühl" Fahren wird man den Maschinen nicht so einfach beibringen können.
s-12 23.04.2017
4. Interessant aber
Trägst nicht zur Zukunft bei, da es um das verdammen der Technik geht. Ich hoffe, dass ab 2040 von Menschen gefahrene Autos Geschichte sind. Der Mensch ist das unkalkulierbare Risiko! Zu beobachten jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit... 100 Menschen aufgrund von technischen Fehlern im Straßenverkehr verletzt oder getötet sind mir lieber als die über 3000 Unfalltoten 2016 allein in D! Seien wir realistisch. Wir können heute bereits lückenlos überwacht werden und sind teilweise daran selbst ganz gut beteiligt... da muss man was tun, aber Fortschritt zum Wohle aller sollte dabei nicht auf der Strecke bleiben.
Frank N. Stein 23.04.2017
5. #catcircle
Das ist ja cool. Man kann Autos mit einem "catcircle" fangen?
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