"Neo Magazin Royale" Fünf Engel vor Böhmi

Vanessa Severin bastelt Engelsanhänger. Das hat fast keinen interessiert, dann kam Jan Böhmermann. Nach der jüngsten Folge seines "Neo Magazin Royale" entschied sich Severin, sogar ein Gewerbe anzumelden.

Vanessa Severin mit selbstgebasteltem Miniatur-Engel

Vanessa Severin mit selbstgebasteltem Miniatur-Engel

Ein Interview von


Genau fünf kleine Engel-Anhänger aus Perlen hatte Vanessa Severin gebastelt und online in einer Flohmarktgruppe für 3,50 Euro pro Stück verkauft. Mittlerweile sind es in kurzer Zeit mehr als 200 geworden, zig weitere sind schon vorbestellt. Deshalb hat die 32-jährige Rechtsanwaltsfachangestellte aus Kaarst nun ein eigenes Gewerbe eröffnet. Schuld daran ist Jan Böhmermann.

Severin tauchte in der jüngsten Folge von Böhmermanns "Neo Magazin Royale" auf - in seinem "Prism is a dancer"-Format. Darin werden Menschen aus dem Publikum der Show gezogen und von Böhmermanns Team online durchleuchtet: Was geben die Zuschauer - freiwillig oder unfreiwillig - im Netz von sich preis?

So erfuhr die Redaktion von den gebastelten Engeln - und entschied sich, Severins Bastelarbeit einen ordentlichen Aufmerksamkeitsschub zu verschaffen. Mithilfe von Promis wie Verona Pooth und YouTube-Star Dagi Bee machten sie vor und während der Sendung am Donnerstag per Instagram und auf weiteren sozialen Netzwerken Werbung für die Bastelei. Schlagartig wurde Vanessa Severin bekannt - und sehr beschäftigt. Wir haben sie angerufen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Severin, wie haben Sie die ersten 24 Stunden nach der Sendung erlebt?

Severin: Am Donnerstag war ich schon den ganzen Tag lang mega aufgeregt und hatte Angst, dass ich im Fernsehen vor lauter Nervosität vielleicht unsympathisch rübergekommen bin. Abends habe ich die Sendung mit meinem Freund und ein paar Freunden zu Hause geguckt. Die Nacht war entsprechend kurz, weil ich so nervös war, wie die Reaktionen ausfallen könnten. Und im Netz haben sich die Nachrichten an mich sofort überschlagen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist passiert?

Severin: Bei Facebook hatten vorher gerade mal 60 Leute meine Seite geliked, jetzt sind es 1000. Auf Instagram hatte ich zuerst 100 Follower, nach den ersten Promi-Postings vor der Sendung 800, jetzt sind es über Nacht mehr als 3500 geworden. Und viele Leute haben mir geschrieben.

SPIEGEL ONLINE: Was schreiben die Leute so?

Severin: Es gab fast nur positive Resonanz. Die Rückmeldung war zum Glück, dass die Leute mich sympathisch fanden und die Aktion vom Jan als sehr wohlwollend empfunden haben. Das ist ja auch schon mal anders ausgegangen bei "Prism is a Dancer".

SPIEGEL ONLINE: Früher konnte man vor dem Format fast Angst haben. Mittlerweile bedeutet es eher etwas Gutes, wenn man dran kommt. Die aktuelle Show erinnerte an das gutmütige "Lass Dich überraschen", das Publikum wurde beschenkt.

Severin: Ich finde auch, dass es sich in diese Richtung entwickelt. Diesmal gab es viel mehr positive Forschungsergebnisse aus dem Internet als früher, wo man schon mal eher zusammengezuckt ist.

SPIEGEL ONLINE: Das Format kommt stets unangekündigt und ist unter den Zuschauern berüchtigt. Haben Sie darüber nachgedacht, bevor Sie Tickets für die Sendung besorgt hast?

Severin: Als es bei der Ticketverlosung endlich geklappt hat, meinte mein Freund sofort: "Wir müssen jetzt erstmal unsere Profile checken, ob da irgendwas Peinliches drin ist." Wir haben dann einiges gelöscht, aber mein Facebook-Profil stand sowieso schon auf privat.

SPIEGEL ONLINE: In den Wochen vor der Sendung hatte sich aber viel auf Ihren Profilen getan. Promis wie Cathy Hummels haben auf Instagram plötzlich von Ihren Engeln geschwärmt. Sind Sie gar nicht misstrauisch geworden?

Severin: Nee. Zuerst kam nämlich nur eine Bestellung über Facebook von einer Lisa, die wollte 20 Engel für einen Junggesellinnenabschied. Danach kam dann irgendwann ein Post von Palina Rojinski, sie sei auf einem Junggesellinnenabschied gewesen und habe den Engel dort bekommen. Das klang ja noch plausibel. Der Post von Cathy Hummels kam mir allerdings komisch vor.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Severin: Sie schrieb, sie habe sich selbst einen Engel besorgt. Zwischenzeitlich war aber gar keine Bestellung mehr eingegangen. Da hab ich mich gefragt, woher sie den haben könnte. Eine Freundin und mein Bruder sind dann schon auf die Idee gekommen: "Du bist doch nächste Woche beim 'Neo Magazin Royale', nicht, dass das irgendwie zusammenhängt." Und ich meinte nur: "Ach Quatsch, das ist doch gar nicht interessant genug."

SPIEGEL ONLINE: Hat keiner aus Ihrem Umfeld etwas mitbekommen?

Severin: Doch, meine Freundin hat das gewusst und mein Freund auch. Die Redaktion hat sich vorher bei ihm gemeldet und beteuert, dass es wirklich was Gutes ist und sie mich nicht unangenehm vorführen. Deshalb hat er den Mund gehalten und mich einfach in mein Glück laufen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie gedacht, als Verona Pooth in der Sendung plötzlich über Ihre Engel sprach und Ihnen klar wurde, dass Sie jetzt dran sind?

Severin: Ich hab es sogar laut ausgesprochen: "Oh nein!" Und dann hab ich die Hände vors Gesicht geschlagen. Aber der nächste Gedanke war: Yey, ich lerne Jan Böhmermann kennen. Das stand sowieso auf meiner To-Do-Liste fürs Leben.

SPIEGEL ONLINE: Bestellen die Leute jetzt wirklich viele Engel?

Severin: Allerdings. Vorher war das Ganze nur privat. Aber weil schon Donnerstagnacht so viele Bestellungen eingegangen sind, bin ich Freitagmorgen erstmal zum Gewerbemeldeamt gegangen und habe ein Gewerbe dafür angemeldet. Damit das mit rechten Dingen zugeht. Nicht, dass es nachher heißt, ich verkaufe Sachen und versteuere das dann nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben jetzt also einen Laden?

Severin: Ja, ich hab am Freitag die ersten Engel hergestellt und gleich einen Online-Shop aufgemacht. Allein in den ersten paar Stunden kamen 30-40 Bestellungen, jeweils zwischen zwei und zehn Stück. Aber auch wenn ich das gerade alles super finde: Ich habe gar nicht vor, dass ewig aufrecht zu erhalten, ich habe ja noch einen Job und was anderes zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange brauchen Sie, um einen Engel herzustellen?

Severin: Betriebsgeheimnis.



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