Die Tokioter Polizei hat die Festnahme eines Hackers gemeldet, der über gekaperte Rechner Morddrohungen verschickt haben soll. Der Fall beschäftigt Japan seit Monaten, er hat zu einer Diskussion über die Methoden der Polizei geführt. Bereits 2012 hatten zwei Verdächtige gestanden, sie hätten die Morddrohungen verschickt. Doch nachdem diese Menschen in Haft waren, verschickte der Unbekannte erneut Drohungen und beschuldigte die Polizei, falsche Geständnisse erzwungen zu haben.
Der unbekannte Täter behauptete im Oktober 2012 in einer E-Mail an Medien und einen Anwalt, er habe mit den Taten Missstände bei Japans Polizei aufzeigen wollen. Die Anschlagsdrohungen gegen einen Kindergarten, einen Bahnhof und eine Comic-Messe habe er über die Rechner der Verhafteten verschickt. Mit Hilfe einer Trojaner-Software hatte er die Kontrolle über die PC übernommen. Die Behörden hatten in der Zeit von Juli bis September 2012 vier Verdächtige verhaftet, zwei von ihnen gestanden die Taten während der Befragung.
Zu der Verhaftung an diesem Sonntag kam es so: Der unbekannte Täter hatte per E-Mail angekündigt, er könne die Unschuld der vier Verdächtigen beweisen und belegen, dass die Drohungen über infizierte Rechner verschickt worden seien. Er wollte zum Beweis den Quellcode des Trojaners vorlegen, mit dem er die Rechner der Opfer gesteuert hatte.
Überwachungsvideo zeigt Täter und Katze
Zur Übergabe des Codes wurde eine Katze verwendet. Anfang Januar kündigte der Täter in einer E-Mail an Medien an, der Quelltext des Trojaners könne auf einer MicroSD-Karte am Halsband einer Katze auf der japanischen Halbinsel Enoshima gefunden werden. Wer die in der E-Mail gestellten Rätsel löste, sah ein Foto des gesuchten Tiers. Die Polizei fand Katze und MicroSD-Karte, auf dem Datenträger befand sich tatsächlich der Quelltext der Schadsoftware. Die Polizei wertete daraufhin Aufnahmen von Überwachungskameras auf der Insel aus. Einige davon sollen den nun verhafteten Mann zeigen, wie er sich der als Kurier genutzten Katze nähert und sie fotografiert.
In einer Textdatei auf dem Datenträger hinterließ der unbekannte Täter auch eine Erklärung für seine Taten: "Ich war in der Vergangenheit in ein Strafverfahren verwickelt. Obwohl ich unschuldig war, musste ich mein Leben danach völlig ändern." Der Mann soll schon einmal wegen des Versandes von Drohungen verurteilt worden sein, damals habe er mit der Veröffentlichung nur für Aufregung sorgen wollen.
Japans Polizisten brauchen Geständnisse
Warum haben zwei der Unschuldigen die Taten gestanden? Japanische Strafverfolger sind für eine hohe Verurteilungsrate (99,4 Prozent) bekannt, Geständnisse sind für sie ein wichtiges Instrument. Verhaftete haben kein Recht, einen Anwalt zu sehen, bevor die Verhöre beginnen. Die US-Botschaft in Japan weißt ausdrücklich darauf hin: "Polizisten beginnen in der Regel mit den Verhören, bevor Verhaftete die Möglichkeit haben, einen Anwalt zu sprechen." Die BBC beschreibt in einem ausführlichen Bericht, wie wichtig Geständnisse in der japanischen Strafverfolgung sind.
Im Fall der Droh-E-Mails hielten die Polizisten einen der Verdächtigen mehrere Wochen lang in Gewahrsam. Zweifel kamen ihnen erst, als weiterhin ähnlich gestrickte Drohungen auftauchten.
Der nun verhaftete 30-Jährige bestreitet bislang, der wahre Urheber der Drohungen zu sein.
lis/fko
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