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Illegale Downloads: Japan führt Strafen für Medien-Piraten ein

Der illegale Download von Filmen oder Liedern kann nun sogar zu Gefängnisstrafen führen: In Japan tritt dieses Jahr ein neues Gesetz in Kraft. Kritiker bemängeln die schwammige Formulierung und fürchten eine Kriminalisierung der breiten Bevölkerung.

Popstar Kyary Pamyu Pamyu: Japanische Musiklabel klagen über illegale Downloads Zur Großansicht
REUTERS

Popstar Kyary Pamyu Pamyu: Japanische Musiklabel klagen über illegale Downloads

Das japanische Parlament hat ein deutlich verschärftes Urheberrecht verabschiedet: Mit 221 zu 12 Stimmen entschied das japanische Oberhaus für Gefängnisstrafen und hohe Bußgelder für Film- und Musikpiraten. Zukünftig drohen bis zu zwei Jahre Haft und zwei Millionen Yen Strafe (rund 20.000 Euro), wenn "bewusst" urheberrechtlich geschützte Inhalte aus dem Internet heruntergeladen werden. Die Gesetzesnovelle tritt laut der englischsprachigen Tageszeitung "Japan Times" ab Oktober 2012 in Kraft.

Bis dato war das Herunterladen von unlizenzierten Kopien zwar nach einer Überarbeitung des japanischen Urheberrechts von 2010 illegal, aber nicht mit Strafen behaftet; das Bereitstellen solcher Kopien wurde jedoch schon lange mit bis zu zehn Jahren Haft und zehn Millionen Yen (rund 100.000 Euro) Strafe geahndet.

Die Verabschiedung der Gesetzesnovelle ist ein Freudentag für die japanische Rechteindustrie. Etwa der japanische Plattenfirmenverband RIAJ begrüßt die Entscheidung und will nun die japanischen Bevölkerung auf die neue Rechtssituation aufmerksam machen. Nach RIAJ-Angaben wurden 2010 in Japan 4,36 Milliarden Musiktitel illegal heruntergeladen, bei einem Gesamtschaden von 668,3 Milliarden Yen (6,69 Milliarden Euro).

Kritiker des Gesetzes bemängeln dessen schwammige Formulierung. Bestraft werden soll, wer im Wissen, dass es sich um illegale Downloads handele, Dateien herunterlade. Doch genau dieses Bewusstsein dürfte oft fehlen. Vielen Surfern sei nicht klar, wann etwas legal oder illegal sei. Selbst das Hochladen eines Videos, das auf YouTube ohne das Einverständnis der Rechteinhabers hochgeladen wurde, müsste bei einer engen Auslegung des neuen Gesetzes bestraft werden.

Auch ein vom Parlament als Experte geladener IT- und Musikjournalist sieht das neue Gesetz als fehlgeleitet. Anstatt auf die Downloader loszugehen, sollte man die Upload-Quellen trockenlegen, erklärte er. Ein Parlamentarier, der gegen die Gesetzesnovelle stimmte, sagte der "Japan Times": "Wir sollten vorsichtig sein, nicht die allgemeine Öffentlichkeit - und gerade die Jugend - zu kriminalisieren."

fkn

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insgesamt 43 Beiträge
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1.
The Captain 26.06.2012
Zitat von sysopREUTERSDer illegale Download von Filmen oder Liedern kann nun sogar zu Gefängnisstrafen führen: In Japan tritt dieses Jahr ein neues Gesetz in Kraft. Kritiker bemängeln die schwammige Formulierung und fürchten eine Kriminalisierung der breiten Bevölkerung. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,840928,00.html
Die Kritik an dem Gesetz ist berechtigt: es ist bewusst schwammig gehalten. Und natürlich ist das Strafmaß absurd: richtet jemand, der ein paar dutzend Musiktitel herunterläd, wirklich einen Schaden von 20.000 Euro an? Wenn ich im Kaufhaus zwei CDs klaue und erwischt werd', hab ich 'ne Anzeige am Hals und Hausverbot, aber mit Knast dürfte ich wohl nicht rechnen. Aber für 20, 30 geklaute Musiktitel aus dem Web gibt's Knast & ruinöse Geldstrafen? Alle Achtung - Verhältnismäßigkeit ist so nicht gegeben. Prinzipiell plädiere ich dafür, bei Urheberrechtsvergehen nur gegen die Uploader vorzugehen. Die Begründung ist recht einfach: Wer ohne entsprechende Lizenz urheberrechtlich geschütztes Material weitergibt, richtet sehr wohl realen Schaden an: derjenige wird zur Konkurrenz für Anbieter mit der nötigen Lizenz. Es ist eindeutig ein Schaden angerichtet worden. Zudem wird bewusst eine Handlung durchgeführt, die offensichtlich illegal ist (eben wegen fehlender Erlaubnis durch eine Lizenz). Jemand, der etwas aus dem Netz herunterläd, kann jedoch davon ausgehen, dass der heruntergeladene Inhalt vom Rechteinhaber oder dessen Stellvertreter zur Verfügung gestellt wurde. Zudem ist es für den herunterladenden Nutzer nahezu unmöglich, legale und illegale Inhalte voneinander zu unterscheiden, wenn das Portal, von welchem heruntergeladen wird, einen hinreichend seriösen Eindruck macht. Zudem gilt: "kostenlos" ist kein Indikator für "illegal". Es gibt massenweise kostenlose legale Musik, die aus Demonstrationszwecken vom Rechteinhaber kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Kurzum: falls in Deutschland irgendwann mal solch ein Gesetz wie in Japan auf dem Tisch landen, sollte mal genau nachgedacht werden, ob das zielführend ist.
2.
tobyrd72 26.06.2012
wann etwas legal oder illegal sei." Und Sie wollen es ja auch gar nicht so genau wissen um sich besser rausreden zu können. Aber angebliche Unwissenheit schützt eben nicht vor Strafe.
3.
gabriel76 26.06.2012
Die Content Industrie konnte sich leider durchsetzen in Japan. Aber was das einzige Mittel ist: Eine Kulturflatrate oder man kriminalisiert Millionen.
4.
think_tank 26.06.2012
Zitat von tobyrd72wann etwas legal oder illegal sei." Und Sie wollen es ja auch gar nicht so genau wissen um sich besser rausreden zu können. Aber angebliche Unwissenheit schützt eben nicht vor Strafe.
Mal angenommen Du kaufst Dir ein Iphone, dass ein Samsung-Patent verletzt, weil einer der Entwickler nicht wußte, dass eine bestimmte Technologie bereits von Samsung entwickelt und patentiert wurde. Wer soll bestraft werden, nur Apple oder auch Du als Käufer? Nach Deiner Denkweise, müsste auch der Konsument bestraft werden, er wäre in der Pflicht sich zu informieren, welche Patente möglicherweise verletzt werden, genauso wie er sich informieren muss welche Rechte ein freies oder gekauftes Youtube-Video möglicherweise verletzt (z.B. Samples wie z.B. in Madonnas 'Time goes by so slowly' oder Cover-Versionen).
5.
cor 26.06.2012
"Nach RIAJ-Angaben wurden 2010 in Japan 4,36 Milliarden Musiktitel illegal heruntergeladen, bei einem Gesamtschaden von 668,3 Milliarden Yen (6,69 Milliarden Euro)." Wenn ich mir die Zahlen anschaue, komme ich zu dem Schluss, dass diese Rechnung bestimmt wie immer auf der folgenden Annahme beruht: Jedes Lied, das heruntergeladen wurde, wäre ansonsten gekauft worden. Ich frage mich echt, wann auch der letzte Depp merkt, dass diese Rechnung nicht der Realität entspricht.
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