Jim-Studie 2011 Chatten, lesen, fernsehen

Smartphone und Computer statt Buch und Zeitung? Die Sorge vieler Eltern ist laut einer neuen Studie unbegründet. Kulturpessimisten zum Trotz steigen klassische Medien in der Gunst der Jugendlichen, vor allem Bücher.

Analog statt digital: Jugendliche lesen gerne - und auf Papier
DPA

Analog statt digital: Jugendliche lesen gerne - und auf Papier


Mannheim - Während der Schulpause mit den Freunden im Netz chatten oder ein Foto verschicken - das Smartphone ist aus dem Alltag vieler Jugendlicher nicht mehr wegzudenken. Jeder Vierte besitzt heute ein solches Computer-Handy, vor einem Jahr waren es noch 14 Prozent. Das geht aus der repräsentativen Jim-Studie 2011 (Jugend, Information, (Multi-)Media) hervor, die der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest am Freitag in Mannheim vorstellte. Aber auch klassische Medien wie Bücher oder Radio nutzen die Jugendlichen - allen Unkenrufen zum Trotz.

Die Nutzung moderner Medien stehe nicht unbedingt im Gegensatz zur Verwendung klassischer Medien, erklären die Forscher. Bücher und Radio sind in der Gunst der Jugendlichen sogar wieder etwas gestiegen. Das Fernsehen spiele als Informationsquelle weiter eine wichtige Rolle. 46 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren schauen sich regelmäßig Nachrichten im TV an, am häufigsten die ARD-"Tagesschau". "Nachrichten sind nicht out, auch wenn das manche in der Vergangenheit gerne vermitteln wollten", sagte Thomas Langheinrich, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg.

89 Prozent der rund 1200 befragten Jugendlichen schauen regelmäßig Fernsehen, im Schnitt 113 Minuten pro Tag. Beliebt sind vor allem Castingshows. Ebenfalls 89 Prozent der Heranwachsenden sind täglich oder mehrmals wöchentlich online. Der Tageskonsum liegt bei mehr als zwei Stunden - durchschnittlich 134 Minuten (2010 waren es 138 Minuten). 78 Prozent hören regelmäßig Radio, das sind vier Prozentpunkte mehr als 2010. Zwar bevorzugen die meisten immer noch die klassischen Geräte, doch jeweils 14 Prozent nutzen das Internet mittlerweile zum Radiohören (2010: 15 Prozent) oder Fernsehen (2010: zwölf Prozent).

Internet als Kommunikationsmedium

So gut wie keine Rolle spielen für die Jugendlichen derzeit neue Medien bei der Lektüre von Büchern. Nur ein Prozent der Befragten verwendet E-Books. Zugleich lesen wieder mehr Jugendliche in ihrer Freizeit Bücher: 44 Prozent sind der Studie zufolge regelmäßige Leser, 1998 waren es 38 Prozent. Nach wie vor greifen Mädchen häufiger zum Buch als Jungen.

Geht es um die Glaubwürdigkeit von Informationen, liegt die Tageszeitung in der Gunst weiter vorn, an zweiter Stelle folgt das Fernsehen, dann Radio und Internet. 42 Prozent (2010: 44 Prozent) greifen regelmäßig zu einer Tageszeitung, 18 Prozent (2010: 15 Prozent) lesen Online-Ausgaben. Bei Zeitschriften nutzen zwölf Prozent (2010: zehn Prozent) deren Internetseiten.

Vorsichtig mit vielen Freunden

Das Internet verwenden die Jugendlichen vor allem zur Kommunikation insbesondere in sozialen Netzwerken. 78 Prozent (2010: 71 Prozent) sind mittlerweile Mitglieder in Online-Netzwerken. Besonders angesagt ist Facebook, der Anteil der Nutzer hat sich seit dem vergangenen Jahr auf 72 Prozent nahezu verdoppelt. Der einstige Marktführer SchülerVZ kommt nur noch auf 29 Prozent.

Ein Problem ist weiterhin Cybermobbing: 14 Prozent (2010: 15 Prozent) der Jugendlichen berichten, dass schon einmal Falsches oder Beleidigendes im Internet über sie verbreitet wurde. 22 Prozent (2010: 23 Prozent) haben erlebt, dass jemand "fertiggemacht" wurde. Positiv ist aus Sicht der Forscher, dass immer mehr Jugendliche darauf achten, in sozialen Netzwerken nicht zu viel von sich preiszugeben. Vier Fünftel haben den Zugriff auf ihre Daten auf den Nutzerkreis der Freunde eingeschränkt. Dieser ist mit durchschnittlich 206 Freunden allerdings recht groß.

Friederike Marx, dpa

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albert schulz 25.11.2011
1. ein Wunder
Die sollen Bücher lesen. Und wann, wenn man mal vorsichtig fragen darf. Wobei man berücksichtigen sollte, daß Kinder und Jugendliche zuweilen recht gescheit sind, und Mist von gebrauchsfähigen Dingen zu unterscheiden wissen. Statistisch gesehen eher selten.
ben-67 25.11.2011
2. Kulturpessimismus fehl am Platz
Kulturpessimismus war bei den Kindern und Jugendlichen meiner Meinung nach nie gefragt. Anders als die heute mittelalten Erwachsenen, sind die heutigen Kinder, Jugendlichen und auch jungen Erwachsenen mit elektronischen Medien von Anfang an aufgewachsen. Sie haben daher mittlerweile in der Regel eine sehr hohe Medienkompetenz. Auch wenn es mich nicht überrascht, freue ich mich darüber, dass "normale" "analoge" Bücher auch bei den jungen Menschen zum ganz gewöhnlichen Alltag zählen.
charles&charles 26.11.2011
3. reuters weihnachtsstudie
Ich finde zu dem Thema passt eine der letzten Reuters-Studien ganz gut, die evaluiert hat, was sich Kinde zwischen 6 und 12 in den USA wünschen. 44% der Kinder könnte man mit einem iPad beglücken. http://www.newsgrape.com/a/studie-was-wollen-us-kinder-zu-weihnachten/ Aber ich das schlecht? Ansichtssache - immerhin sind Tablets doch am besten zum Lesen geeignet oder nicht? :) Leider hat Reuters keine solche Studie für deutsche Kinder im Angebot, ich frage mich, was da herauskommen würde.
albert schulz 26.11.2011
4. Weihnachten steht vor der Tür, kauft, aber was mit Bildern
Zitat von charles&charlesIch finde zu dem Thema passt eine der letzten Reuters-Studien ganz gut, die evaluiert hat, was sich Kinde zwischen 6 und 12 in den USA wünschen. 44% der Kinder könnte man mit einem iPad beglücken. http://www.newsgrape.com/a/studie-was-wollen-us-kinder-zu-weihnachten/ Aber ich das schlecht? Ansichtssache - immerhin sind Tablets doch am besten zum Lesen geeignet oder nicht? :) Leider hat Reuters keine solche Studie für deutsche Kinder im Angebot, ich frage mich, was da herauskommen würde.
Das Ergebnis ist davon abhängig, wieviel die Eierpot - Hersteller bezahlen. Kinder lesen, wenn ihnen der Zugang zu Fernsehen und PC verboten respective stark eingeschränkt wird. Und wenn Eltern sich Zeit nehmen, etwa Märchen vorlesen. Wann habe ich zuletzt einen Jugendlichen in einer Buchandlung gesehen ? Dazu brauche ich nicht diesen Hirnschiß von Umfragen. Ich kann mich auch noch daran erkinnern, daß man mal richtig gute Bücher kaufen konnte.
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