Journalisten-Initiative Erste europäische Charta für Pressefreiheit

Sperrlisten, Redaktionsdurchsuchungen und Überwachung von Journalisten: Seit rund einem Jahrzehnt erodiert europaweit der Schutz der Privatsphäre und der Informantenschutz der Presse. Jetzt wollen Redakteure und Reporter aus 20 Ländern gemeinsam dagegenhalten.


Hamburg - Rund 50 Chefredakteure und leitende Journalisten aus 20 Staaten wollen am Montag (25. Mai) in Hamburg erstmals eine "Europäische Charta für Pressefreiheit" beschließen. Das Papier soll nach Angaben des Verlages Gruner+Jahr Grundsätze für die Freiheit der Medien gegen staatliche Eingriffe formulieren.

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DPA

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Dies betreffe insbesondere den Schutz vor Überwachungen, Lauschaktionen und Durchsuchungen von Redaktionen und Computern sowie den freien Zugang von Journalisten und Bürgern zu allen in- und ausländischen Informationsquellen. Die Charta soll nach ihrer Verabschiedung bei der EU-Kommission in Brüssel notifiziert werden.

An der Hamburger Konferenz, die von den Verlagen Gruner+Jahr und Axel Springer gemeinsam unterstützt wird, nehmen auch Journalisten aus Nicht-EU-Staaten wie Russland, Weißrussland, Serbien und der Türkei teil. Etwa ein Dutzend Repräsentanten weiterer europäischer Medien haben die Unterzeichnung der aus zehn Artikeln bestehenden Charta bereits in Aussicht gestellt.

Den Entwurf haben Journalisten von "Stern", SPIEGEL, "Focus", von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", "Frankfurter Rundschau", "Tageszeitung" (taz), "Bild", "Die Zeit" und "National Geographic" erarbeitet. Der Initiative war ein gescheiterter Versuch europäischer Verleger- und Journalistenverbände vorausgegangen, ein solches Dokument in Brüssel zu erstellen.

Die Charta soll nach der Verabschiedung allen europäischen Journalisten und Medien zur Unterzeichnung angeboten werden.

pat/ddp

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