Jugendschutz Arcor blockiert Zugang zu Youporn

Der Internet-Provider Arcor sperrt seine 2,4 Millionen DSL-Kunden beim US-Porno-Portal Youporn aus. Wer die Seite aufruft, erhält seit Dienstagmittag eine Fehlermeldung. Das Landgericht Frankfurt hat Arcor per Beschluss zur Blockade verpflichtet.


Vormittags ging bei Arcors Anwalt die erwartete einstweilige Verfügung ein, jetzt ist sie umgesetzt: Arcor filtert ab sofort den Web-Zugang für seine Kunden, wie das Landgericht Frankfurt beschlossen hat. Durchgesetzt hat das die Firma Kirchberg Logistik - Betreiber des jugendschutzkonformen Pornofilm-Portals Sexyfilms. Gesperrt wird die US-Seite Youporn ab heute Mittag, wie Arcor SPIEGEL ONLINE bestätigte.

Youporn-Logo: Das US-Angebot lockte bislang monatlich zwei Millionen deutsche Zuschauer

Youporn-Logo: Das US-Angebot lockte bislang monatlich zwei Millionen deutsche Zuschauer

Youporn steht in Deutschland seit März auf dem Index, weil dort ohne jede Altersprüfung selbst harte Pornographie zu sehen ist. Jugendschützer konnten durchsetzen, dass deutsche Suchmaschinen die Seite nicht mehr verlinken. Doch Internet-Provider folgten nicht den Bitten um freiwillige Zensur.

Jetzt hat Kirchberg Logistik den Jugendschützern vor Gericht mit einer bestechenden Argumentation geholfen: Youporn verletzt Jugendschutzrecht, das Kirchberg befolgt, verschafft sich so einen Wettbewerbvorteil per Rechtsbruch und Arcor helfe dabei. Das Landgericht Frankfurt überzeugte die Argumentation.

Arcor kann nun in den kommenden vier Wochen Widerspruch einlegen. Tut das Unternehmen das, wird das Landgericht den Beschluss noch einmal beraten und ein Urteil fällen. Es ist aber unklar, ob Arcor diesen Weg geht. Firmensprecher Peter zu SPIEGEL ONLINE: "Wir prüfen derzeit, ob wir Widerspruch einlegen." Arcor würde mit einem Widerspruch einen Präzedenzfall schaffen – mit allen Risiken eines Scheiterns. Denn die rechtliche Situation ist unklar (siehe Kasten unten).

Bei der Filtertechnik wählt Arcor die laut Experten einfachste Methode, eine Name-Server-Sperre. Dieser Filter beruht darauf, dass jede als Buchstaben-Folge im Browser eingetippten Web-Adresse (URL) in eine bestimmte Zahlenfolge, die sogenannte IP-Adresse umgewandelt werden muss.

Nur so können entsprechende Inhalte über das Internet abgerufen werden. Welche IP-Adresse aktuell zu einer URL gehört, speichern sogenannten Name-Server. Das sind IP-Adressverzeichnisse, vergleichbar mit einem Telefonbuch. In der Regel hat jeder Internet-Provider eigene Name-Server für seine Kunden. Hier löscht Arcor nun einfach die zu Youporn gehörende IP-Adresse.

"Diese Sperre ist sehr einfach zu umgehen", sagt der Informatiker Stefan Köpsell, Entwickler des Anonymisierungsdienstes JAP. Denn die Nutzer können selbst einstellen, welche Name-Server ihr Computer nutzt. Außerdem gibt es kostenlose Web-Angebote, die eine URL in eine IP-Adresse umwandeln. Andere Filter-Methoden (siehe Kasten unten) wären deutlich aufwendiger.

lis

Az. 2-06 O 477/07



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