Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Jugendschutz im Internet: Sexualstraftäter auf Facebook entdeckt

Nach MySpace gerät auch das soziale Netzwerk Facebook unter Druck von Seiten der US-Staatsanwaltschaft. Nachdem auf der Seite drei registrierte Sexualstraftäter gefunden worden sind, soll nun auch Facebook Nutzerprofile nach Verbrechern durchforsten.

San Francisco/New York - Bei einem Treffen von Richard Blumenthal, dem Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats Connecticut, und Vertretern des sozialen Netzwerks Facebook ist es zu einer Auseinandersetzung über angebliche Aktivitäten registrierter Sexualstraftäter auf Facebook gekommen.

Facebook-Gründer Zuckerberg:"In jeder Stadt mit 33 Millionen Einwohnern gibt es Verbrechen"
AP

Facebook-Gründer Zuckerberg:"In jeder Stadt mit 33 Millionen Einwohnern gibt es Verbrechen"

Blumenthal teilte den Medien mit, die Behörden hätten mindestens drei verurteilte und registrierte Sexualstraftäter auf Facebook ausgemacht. Chris Kelly, der Datenschutzbeauftragte von Facebook, bestätigte, man habe entsprechende "Aktivitäten registriert".

Bei den aufgespürten Straftätern handle es sich wahrscheinlich nur um die "Spitze des Eisbergs", sagte Blumenthal. Die Verbrecher nutzten Facebook unter ihrem richtigen Namen und seien daher leicht zu entdecken gewesen. Es könnte jedoch noch tausende weitere Straftäter geben, die unter einem Pseudonym registriert sind. Facebook solle seine Nutzerprofile daher wie MySpace nach denen von Sexualstraftätern durchforsten, forderte Blumenthal.

Der Generalstaatsanwalt sagte, Facebook habe vermutlich ähnliche Probleme wie Rupert Murdochs Community MySpace. MySpace hatte erst vergangene Woche die Profile von 29.000 registrierten Sexualstraftätern gelöscht. Es gibt immer wieder Berichte über Kontaktaufnahmen zwischen Erwachsenen und Minderjährigen über MySpace. Eine Reihe von Fällen, in denen es zu sexuellen Kontakten kam, landeten auch vor Gericht. Im Frühjahr hatte sich das Angebot von dem Sicherheitsdienstleister Sentinel Systems eine Datenbank aufbauen lassen, in der die Daten aller verurteilten Sexualstraftäter der USA verzeichnet sind.

Der Datenschutz-Beauftragte Kelly sagte hingegen, die Zahl der Sexualstraftäter auf Facebook sei "vermutlich gering". Im Gegensatz zu anderen Communitys sei der Schutz der Privatsphäre bei Facebook wesentlich rigider. Es gebe zahlreiche Sicherheitsbarrieren, die es Erwachsenen erschweren, minderjährige Nutzer zu kontaktieren. Überdies gebe es "keine Stadt, erst recht keine mit 33 Millionen Einwohnern, in der nicht hin und wieder ein Verbrechen passiert".

Blumenthal sowie mehrere Justizminister und Staatsanwälte fordern seit langem, dass soziale Netzwerke das wahre Alter ihrer Nutzer bei der Anmeldung überprüfen. Webseitenbetreiber, so die Forderung, sollen "auf freiwilliger Basis" die Identität und das Alter der Eltern via Kreditkartennummer oder ausdruckbarem Formular kontrollieren. Minderjährige sollen sich nur mit schriftlicher Genehmigung ihrer Eltern registrieren dürfen.

Kritiker wenden ein, solche Kontrollmechanismen seien datenschutzrechtlich nicht gedeckt. Außerdem seien sie zu durchlässig: Es sei schließlich ein leichtes, die elterliche Erlaubnis zu fälschen.

Facebook ist eine kostenlose Internetplattform zur Bildung von sozialen Netzwerken im englischsprachigen Raum. Sie wurde im Februar 2004 von Mark Zuckerberg an der Harvard University entwickelt. Der Name leitet sich von den gleichnamigen "facebooks" ab, die an US-amerikanischen Schulen an Neulinge verteilt wurden. Die Seite, auf der inzwischen 33 Millionen Nutzer registriert sind, gilt als scharfer Konkurrent zu Web-2.0-Primus MySpace.

ssu/Reuters

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: