Keine Ausnahme Assange darf nicht zu Beerdigung

Julian Assange kann der Beerdigung eines Freundes nicht beiwohnen. Das hat die schwedische Justiz klargestellt. Dabei hatte der WikiLeaks-Gründer schon eine Idee, wie er zum Friedhof kommen könnte.

WikiLeaks-Gründer Julian Assange
AFP

WikiLeaks-Gründer Julian Assange


Schwedens Justiz lässt den WikiLeaks-Gründer Julian Assange nicht zu einer Beerdigung gehen. Assange hatte beantragt, den Haftbefehl gegen ihn auszusetzen, damit er am kommenden Montag die Londoner Botschaft Ecuadors verlassen und an der Beerdigung eines Freundes teilnehmen könne. Der Antrag wurde abgelehnt, wie die schwedische Anklagebehörde am Freitag bekannt gab.

Das schwedische Gesetz sehe keine Ausnahmen bei Haftbefehlen vor, hieß es. Assange zeigte sich enttäuscht, wie seine Organisation über Twitter verbreitete. Sein Herz sei gebrochen. Die Behörden hätten kein Verständnis für seine Trauer. Er habe seinen Anwalt gebeten, gegen die Entscheidung vorzugehen.

Assange wollte seinem Freund Gavin Mac Fayden, dem Direktor des Zentrums für Investigativen Journalismus, das letzte Geleit geben. Laut seinem Antrag wollte er sich von der Polizei zur Beisetzung eskortieren und im Anschluss wieder in die Botschaf zurückbringen lassen.

Seit 2012 lebt der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks in der Londoner Botschaft Ecuadors, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Dort werfen ihm Ermittler sexuelle Vergehen vor. Der 45-Jährige hat immer wieder betont, er befürchte, von Schweden an die USA ausgeliefert und dort wegen Enthüllungen seiner Plattform verurteilt zu werden.

SPIEGEL-Interview mit Assange

mja/dpa/AFP



insgesamt 17 Beiträge
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egoneiermann 28.10.2016
1.
Irgendwie lebt der Gute in einer Scheinwelt. Er hat schon seine Haftverschonung auf Ehrenwort gebrochen und denkt dann wirklich daran, dass irgendeiner ihm noch traut. Eben ein Alphamännchen, das sich nicht wirklich vorstellen kann, dass andere anders denken als er. Im Grunde traurig.
lorn order 28.10.2016
2. Freiheit??
Julian Assange sitzt seit 4 Jahren in Einzelhaft in der Botschaft von Ecuador, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Schweden ist doch wohl ein Rechtsstaat, was hat er da zu befürchten, wenn er unschuldig ist. Und falls er schuldig gesprochen würde, würde er niemals 4 Jahre Freiheitsentzug bekommen haben.
Tiananmen 29.10.2016
3. Uncoole Schweden
Die schwedische Justiz ist völlig uncool. Warum soll der Haftbefehl nicht außer Kraft gesetzt werden können, wenn Assange zu einer Beerdigung will? Oder zu einer Party oder zum Einkaufen? Der arme Kerl hat seit Jahren keine Gelegenheit mehr gehabt, sich neue Maß-Socken oder -Unterhosen anfertigen zu lassen. Es muss ohnehin geprüft werden, ob die beengten und wenig komfortablen Bedingungen, unter denen Assange in der Botschaft hausen muss, nicht menschenrechtswidrig sind. Zuletzt sogar ohne Internet. Wenn er in Schweden wegen Vergewaltigung einsitzen müsste, dann hätte er wenigstens das Anrecht auf einen Spaziergang im Gefängnishof.
redbandita1 29.10.2016
4. .
Daß Herr Assange befürchten muß, von Schweden aud in die USA ausgeliefert zu werden, ist anscheinend vollkommen irrelevant. Die scheedische Justiz ist nicht das Problem, sondern die amerikanische. Herr Assange, Herr Snowden und Frau Manning sind Opfer ihres Bedürfnisses, unsere ach so offene, demokratische und faire Gesellschaft mit Fakten zu konfrontieren, die wir nicht wahrhaben wollen. Diese Fakten dürfen wir nicht wissen. Damit es weniger bis keine Whistleblower mehr gibt in Zukunft, sitzen alle drei fest. Ich behaupte nicht, daß JA eine weiße Weste hat.
frankfurtbeat 29.10.2016
5. bei Assange ...
bei Assange geht es meines Erachtens nicht um eine mögliche Verurteilung in Schweden sondern eher um die Gefahr aus wie so oft fadenscheinigen, gefakten Gründen von Schweden nach USA "verschleppt" zu werden. Dort erstmal angekommen wird er eingebunkert ... bis zum letzten Tag. Das ist USA!
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