Botschaft in London Ecuador stoppt zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für Assange

Mindestens fünf Millionen Dollar hat Ecuador angeblich bereits für den Schutz von WikiLeaks-Gründer Julian Assange ausgegeben. Jetzt soll aber Schluss sein mit dem Extra-Programm.

Julian Assange
AFP

Julian Assange


Ecuador stellt die zusätzlichen Schutzmaßnahmen für WikiLeaks-Gründer Julian Assange ein. Er lebt seit 2012 in der Londoner Botschaft des Landes. Das Gebäude werde von sofort an ähnlich geschützt wie andere Botschaften des südamerikanischen Landes auch, teilte die Regierung am Donnerstagabend auf Twitter mit.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, Lenin Moreno habe den unverzüglichen Stopp der Maßnahmen angeordnet. Moreno, der erst seit Mai 2017 als Präsident Ecuadors im Amt ist, hatte Assange in der Vergangenheit mit einem "Stein im Schuh" verglichen.

Es gibt bislang noch keine offizielle Begründung für die Entscheidung. Dienstag jedoch hatten mehrere Medien enthüllt, dass das Schutzprogramm, für das seit mehr als fünf Jahren rund um die Uhr alle Aktivitäten des Australiers aufzeichnet werden, das

Land monatlich etwa 66.000 Dollar kostet.Das Programm soll Assange vor Gefahren schützen. Als eine Gefahrenquelle gilt den Berichten zufolge die britische Polizei, der offenbar zugetraut wird, dass sie unter einem medizinischen Vorwand in die Botschaft eindringen und Assange festnehmen könnte. Auch das Botschaftspersonal und Gäste sollen als Teil der Maßnahmen ausspioniert worden sein.

"Operation Hotel"

Julian Assange war 2012 in die Botschaft Ecuadors geflüchtet, um sich vor einer seiner Meinung nach drohenden Auslieferung an die USA zu schützen. Hintergrund sind US-Geheimdokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan, die WikiLeaks 2010 verbreitet hatte.

Über das Überwachungsprogramm Ecuadors hatte die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen berichtet, die sie gemeinsam mit dem britischen "Guardian" und dem ecuadorianischen Magazin "Focus" einsehen konnte. Für die Maßnahme beauftragte die Regierung Ecuadors demnach eine europäische Sicherheitsfirma. Sie soll unter anderem Buch darüber geführt haben, wie sich Assange verhält und wer ihn besucht.

Als Stützpunkt für die "Operation Hotel", die anfangs "Operación Huésped" (deutsch: Operation Gast) hieß, wurde den Berichten zufolge für mehr als 4000 Euro im Monat eine Wohnung nahe der Botschaft angemietet. Das Geld dafür stamme aus einem Sonderetat des Geheimdiensts, heißt es. Nicht einmal der Botschafter Ecuadors soll zunächst informiert gewesen sein.

mbö/dpa/Reuters



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Klapperschlange 18.05.2018
1. Machen Sie sich doch nicht...
....lächerlich! Assange hat England getäuscht und als dies herauskam, sich versteckt. Soll er sich den Behörden stellen, England ist noch immer eine Demokratie, auch wenn Sie nicht mehr hinfahren.
sir wilfried 18.05.2018
2. Schwedischer Haftbefehl?
Der schwedische Haftbefehl, der als Grund für Assanges Festnahme herhalten musste, ist längst aufgehoben. Warum stehen die Bobbies immer noch vor der Botschaft (was monatlich ca. 1 Million Pfund kostet), um ihn zu haschen?
Klapperschlange 18.05.2018
3. Na, warum wohl?
Zitat von sir wilfriedDer schwedische Haftbefehl, der als Grund für Assanges Festnahme herhalten musste, ist längst aufgehoben. Warum stehen die Bobbies immer noch vor der Botschaft (was monatlich ca. 1 Million Pfund kostet), um ihn zu haschen?
Na, warum wohl? Wer Staatsgeheimnisse verrät gefährtet ganze Bevölkerungen und wird deswegen belangt.
D.Fronath 18.05.2018
4.
Ich habe vielleicht mal von irgendwem munkelt gehört, dass man Ihnen einen Bankraub zutrauen könnte. Also sind Sie ein Bankräuber und sollten sofort depo... äh... boykottiert werden ... oder dottiert ....oder perforiert?
D.Fronath 18.05.2018
5.
Zitat von sir wilfriedDer schwedische Haftbefehl, der als Grund für Assanges Festnahme herhalten musste, ist längst aufgehoben. Warum stehen die Bobbies immer noch vor der Botschaft (was monatlich ca. 1 Million Pfund kostet), um ihn zu haschen?
Weil man keine Nachahmer in Sachen Flucht/Kaution haben möchte? Oder sich ingesamt nicht von selbsternannten Kreuzrittern auf der Nase rumtrampeln lassen will? Muss doch sonst auch alles mit möglichst viel Wirbel passieren. Dann jetzt dieser Abschnitt der Trauergeschichte auch.
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