Käse weg 28.000 Dollar für das "heilige Sandwich"

Für Menschen wie Diana Duyser ist das von ihr versteigerte, zehn Jahre alte Käsesandwich so etwas wie eine Reliquie: Zeigt sich nicht die heilige Jungfrau Maria im Käseschmelz? Für andere ist der Rummel rund ums gesegnete Toastbrot "ein Stück amerikanischer Popkultur" - und immerhin 28.000 Dollar wert.


Heiliger Strohsack: Diese angebissene Toastscheibe mit aufgeschmolzener Marienerscheinung brachte 28.000 Dollar

Heiliger Strohsack: Diese angebissene Toastscheibe mit aufgeschmolzener Marienerscheinung brachte 28.000 Dollar

Die wildeste Bungee-Auktion, die eBay in den USA seit langem erlebte, ist vorüber: Am Montag ging der Zuschlag für den Verkauf eines zehn Jahre alten, inzwischen weltberühmten Käse-Toastes an den Online-Kasinobetreiber GoldenPalace - für immerhin 28.000 Dollar.

Eine Woche lang hatte das Sandwich eBay mächtig auf Trab gehalten: Zunächst verbot die Auktionsplattform den Verkauf mit dem Hinweis darauf, dass Spaß-Auktionen nicht genehmigt seien. Dann erhob Käse-Verkäuferin Diana Duyser Einspruch und versicherte, dass es ihr ernst und das in den Käseschmelz eingebrannte Marienbild ihrer Überzeugung nach wirklich eine Erscheinung der heiligen Jungfrau sei. Mit bis dahin 100.000 Besuchern und etlichen Presseberichten im Rücken gelang es Duyser, eBay vom Ernst der Sache zu überzeugen.

In den Folgetagen konnte sich eBay im Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit für das sakrale Röstbrot sonnen - und wohl einige Mitarbeiter gut damit beschäftigen, den immer aberwitzigeren Geboten hinterher zu telefonieren: Was war ernst gemeint, wo hatte sich ein Bieter nur hysterisch lachend zu einem "Spaßklick" hinreißen lassen?

Offensichtlich so einige Male, zwischenzeitlich stieg der Preis für das Marienbrot auf über 20 Millionen Dollar. In den letzten Tagen dann schmolz der Preis für die Käse-Devotionalie auf einen zart fünfstelligen Betrag zusammen. Am Montag schließlich fiel der virtuelle Hammer bei immerhin 28.000 Dollar - nicht schlecht für ein zehn Jahre altes, angebissenes Stück Toastbrot.

Beim Käufer war am Montag die Freude groß. "Wir wollten es unbedingt haben", sagte Firmensprecher Monty Kerr und erklärte, dass GoldenPalace das Marien-Sandwich als "Teil der amerikanischen Popkultur" verstehe. In einer Pressemitteilung verwies der Kasinobetreiber darauf, dass die heilige Schnitte ihrer Besitzerin "zehn Jahre lang Glück" gebracht habe und dabei auch gar nicht angeschimmelt sei. GoldenPalace-Chef Richard Rowe sagte, er wolle das Sandwich als Erkennungszeichen für eine Wohltätigkeitsorganisation verwenden. Wie wunderbar.

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