Kai-Fu Lee: Sozialnetzsperre für Kritik an chinesischer Regierung

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Googles Ex-China-Chef Lee: "Ich kann es kaum erwarten zurückzukehren"

Zwangspause für Kai-Fu Lee: Drei Tage lang bleibt Googles ehemaligem China-Chef der Zugang zu seinen Accounts in zwei sozialen Netzwerken verwehrt. Zuvor soll der Unternehmer einen regierungskritischen Post veröffentlicht haben.

Am Sonntag hatte sich Kai-Fu Lee auf Twitter zu Wort gemeldet. "Ich bin auf Sina und Tencent zum Schweigen gebracht worden, drei Tage", schrieb er, deswegen könne man ihn auf Twitter finden. Sina Weibo und Tencent Weibo sind zwei in China populäre Mikroblogging-Dienste, Lee zählt zu ihren einflussreichsten Nutzern. Bei Sina Weibo kommt er auf über 30 Millionen Follower, bei Tencent Weibo auf 24 Millionen.

Der in Taiwan geborene Manager hatte in der Vergangenheit sowohl Googles als auch Microsofts China-Geschäft verantwortet, immer wieder kritisiert er die restriktive Netzpolitik der Volksrepublik. Derzeit ist er Geschäftsführer des Unternehmens Innovation Works.

Bevor er den Zugang zu den Netzwerken verlor, hatte Kai-Fu Lee nach Informationen der "South China Morning Post" einen Text über die staatlich geförderte Suchmaschine Jike kommentiert. Deren Geschäftsführerin ist ein ehemaliger Tischtennisstar. Lee soll vier kritische, teilweise rhetorische Fragen veröffentlicht haben. Eine davon: Hätte Google wohl Yahoo als weltgrößte Suchmaschine abgelöst, wenn die Demokratische Partei den Schwimmer Michael Phelps als Geschäftsführer eingesetzt hätte?

Über Twitter bezeichnete Lee den Artikel der "Morning Post" als guten englischsprachigen Bericht, mit guter Übersetzung dessen, was er gesagt habe.

Eine offizielle Erklärung, warum Lee seine Mikroblogs nicht mehr nutzen kann, ist bislang nicht bekannt. Gegenüber der "South China Morning Post" hieß es von Seiten Sina Weibos, der Anbieter wisse nichts von dem Bann. Tencent Weibo konnte das Medium nicht für eine Stellungnahme erreichen.

Kai-Fu Lee hat am Dienstagmorgen auf LinkedIn einen englischsprachigen Text über Social Media in China veröffentlicht, der mit der Aussage beginnt, dass die sozialen Medien trotz verschärften Kontrollen "unendlich offener" seien als andere. Sein Text, in dem er einige seiner Meinungsäußerungen der vergangenen Monate auflistet, endet mit dem Satz: "Ich kann es kaum erwarten, zurückzukehren, wenn meine Auszeit endet."

mbö

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    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.

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