Kampagne der Filmindustrie "Raubkopierer sind Verbrecher"

Die Filmbranche macht mobil: Raubkopien und Film-Downloads gehen ihr an die finanzielle Substanz. "Hart aber gerecht" will ein Bündnis von Filmverbänden sein - zunächst mit einer Werbekampagne, die ganz und gar nicht "lax und pädagogisch" daherkommen soll.


Deutliche Botschaft: "Nicht so lax und pädagogisch"
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Deutliche Botschaft: "Nicht so lax und pädagogisch"

Die beteiligten Film- und Videoverbände gaben am Donnerstag in Berlin den Startschuss für die Aktion "Raubkopierer sind Verbrecher - eine Initiative zum Schutz des Originals", die unter dem Motto "Hart aber gerecht" steht. Mit der bundesweiten Kampagne soll etwas gegen das "fehlende Unrechtsbewusstseins des Endverbrauchers" getan werden.

Wenn die Branche nichts tue, stehe sie schon bald vor "unlösbaren Problemen", sagte die Geschäftsführerin der Zukunft Kino Marketing GmbH, Elke Esser. Nach Berechnungen der GmbH belaufen sich die Einbußen der deutschen Film- und Videowirtschaft durch Piraterie allein für 2002 auf rund 800 Millionen Euro.

Die Kampagne nutzt Kino-Spots und Plakate, geplant sind auch TV-Spots und Printanzeigen. So ist zum Beispiel in einem Spot eine Frau in Dessous zu sehen, die ihrem am Computer sitzenden raubkopierenden Freund ins Schlafzimmer locken will und ihn vor die Wahl stellt: "Bett oder Knast?" Es folgt der Hinweis, dass ein Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren droht.

Esser nannte die Kampagne "provozierend und auch aggressiv". Die Branche sei sich einig gewesen, das Thema nicht so "lax und pädagogisch" anzugehen wie die Musikindustrie. Die Initiative solle an das bei urheberrechtlichen Belangen kaum vorhandene Unrechtbewusstsein appellieren und etwa Schüler, Lehrer und Eltern auf den illegalen Charakter von Raubkopien hinzuweisen. Dass der organisierten Kriminalität mit solchen Spots kaum beizukommen ist, sei klar.

Warnzeichen: Es wird gebrannt wie nie zuvor

An der Initiative beteiligen sich auch der Verband der Filmverleiher, der Bundesverband Audiovisuelle Medien, der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland, der Hauptverband Deutscher Filmtheater, Cineropa - der Verband der Multiplexkinobetreiber - sowie die Filmförderungsanstalt, die kürzlich die "Brenner-Studie 2" vorgestellt hatte.

Der "Brenner-Studie 2" zufolge wurden von Januar bis August in Deutschland über 30 Millionen Spielfilme auf CD- und DVD-Rohlinge gebrannt. Im gesamten Vorjahr 2002 waren es 27 Millionen. Mit 13,3 Millionen downgeloadeten Filmen wurden in den ersten acht Monaten dieses Jahres bereits fast so viele Streifen wie im Gesamtjahr 2002 (15,5 Millionen) aus dem Internet heruntergeladen. Jeder zweite Konsument hole sich üblicherweise Filme aus dem Internet, bevor diese im Handel oder in der Videothek verfügbar sind, jeder Vierte lade sich den Film in der Regel bereits vor Kinostart aus dem Netz herunter.

Der Produzent des deutschen Erfolgsfilms "Good Bye, Lenin!", Stefan Arndt von der X Filme Creative Pool GmbH, sagte, die Verluste durch das illegale Kopieren des Streifens seien so groß, dass seine Firma drei Filme nicht produzieren könne. Arndt: "Wenn das so weitergeht, sehen wir die Felle wegschwimmen."

Nathalie Waehlisch, ddp

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