Neues Album Kanye wird kopiert

Weil es Kanye Wests neues Album nur bei einem Nischen-Streamingdienst gibt, verbreitet es sich im Rekordtempo als Schwarzkopie. Der Rapper twittert unterdessen wieder einmal am Rande des Wahnsinns.

Kanye West bei der Albumvorstellung: "Bitte abonniert Tidal!"
REUTERS

Kanye West bei der Albumvorstellung: "Bitte abonniert Tidal!"

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Kohärenz und präzise Planung gehören nicht zu den Eigenschaften, die man mit Hip-Hop-Star Kanye West als Erstes assoziieren würde - und die Veröffentlichung seines neuen Albums "The Life of Pablo" wird daran nichts ändern. Gleich zweimal änderte West in letzter Sekunde die Veröffentlichungsstrategie - und sorgte damit unter anderem dafür, dass das Album nun als illegale Kopie Rekorde aufstellt.

Zunächst hatte West die Platte über seine eigene Website verkaufen und parallel über den Streamingservice Tidal seines Kumpels Jay-Z vertreiben wollen. Sieben Tage später sollte es dann als bezahlter Download via iTunes verfügbar sein.

Dann, kurz nach dem offiziellen Start, verschwand das Album von der West-Website - und auch der iTunes-Plan platzte. Via Twitter teilte der, vorsichtig formuliert, engagierte Twitterer West dann mit: "Mein Album wird es niemals niemals niemals bei Apple geben, man wird es nie kaufen können… Ihr bekommt es nur bei Tidal." Viel Spott war die Folge. "Aus Tidal wird nie was" und ähnlich lautende Tweets sammelten sich als Antworten unter der Ankündigung an.

App-Erfolg für Tidal - aber ist der wirklich dauerhaft?

Für den Streamingdienst Tidal, den Jay-Z als die Heimat der Künstler zu vermarkten versucht und der außerdem mit besonders hoher Soundqualität wirbt, könnte sich das Kanye-Album dennoch als Glücksfall erweisen: Im US-App-Store schoss die Tidal-App auf Platz eins unter den kostenlosen Apps - kostenlos ist allerdings nur das Programm, nicht die Abonnements innerhalb davon. Tatsächlich ist Tidal durchaus nicht billig: Hierzulande kostet das Standard-Abo mit normaler Klangqualität 10 Euro pro Monat, die Luxusvariante "Tidal Hifi" mit verlustfreiem Sound 20 Euro. Wenn man das Abo über eine iOS-App abschließt, werden sogar 13 oder 26 Euro fällig.

Kanye West: The Life Of Pablo

Kanye West: The Life Of Pablo

Es gibt allerdings einmonatige Probeabos. Viele Nutzer in den USA dürften so eines abgeschlossen haben, um sich das West-Album anhören zu können: "Ich werde mein Abo trotzdem nach 30 Tagen wieder kündigen", twitterte ein Nutzer zum Beispiel. Unter den umsatzstärksten Apps landet Tidal in den USA derzeit nur auf Platz 30, wie "TechCrunch" berichtet.

Eine weitere Form des Spotts auf Twitter: Nutzer fertigten Abwandlungen des eher eigenwillig gestalteten Albumcovers an, in denen sie den Titel "The Life of Pablo" durch "Tidal ist Mist" ersetzten.

Ob sich die Probehörer in zahlende Kunden verwandeln, wird man erst in 29 Tagen sehen. Klar ist aber schon jetzt, dass die künstliche Verknappung noch einen weiteren Effekt hat: "The Life of Pablo" stellt gerade Rekorde auf, was illegale Downloads angeht.

10.000 Anbieter der illegalen Kopie - gleichzeitig

Beim stets gut informierten Filesharing-Blog "TorrentFreak" schätzt man, dass das Album in den ersten 24 Stunden mehr als 500.000-mal als Torrent heruntergeladen wurde. Bis zu 10.000 Nutzer bieten das Album derzeit als "Seeder" parallel zum Download an, "etwas, das wir bei Musikveröffentlichungen noch nicht gesehen haben", so "TorrentFreak". Und all das, obwohl die Piratenjäger des US-Musikbranchenverbandes RIAA offenbar fleißig dabei sind, Torrents und andere illegale Kopien des Albums aus dem Netz zu räumen.

Über Plattformen, die nicht über Peer-to-Peer-Protokolle funktionieren, sondern direkte Downloads anbieten, werden weitere Kopien des Albums verbreitet. Die Gesamtzahl der kostenfreien, aber illegalen Downloads dürfte also noch höher liegen.

West bettelt um Geld - bei Mark Zuckerberg und Larry Page

Allzu großes Unrechtsbewusstsein scheint dabei nicht zu herrschen - manche Twitterer antworteten auf Wests Werbe-Tweets für Tidal sogar mit einem Direktlink zu einem "Life of Pablo"-Torrent. Andere importierten die illegal gesaugten Kopien offenbar in ihre iTunes-Bibliotheken, um den Rapper anschließend mit Screenshots derselben zu verspotten.

West hält eigenen Angaben zufolge selbst einen kleinen Anteil an Tidal. Ob die neugewonnenen Probeabonnenten reichen, seine finanziellen Probleme zu lösen, scheint aber mindestens zweifelhaft. Vor einiger Zeit verkündete der Rapper, - wieder bei Twitter - er persönlich habe 53 Millionen Dollar Schulden. Am Sonntagabend, kurz vor Veröffentlichung des neuen Albums, war er bei Twitter ebenfalls in eigener Sache unterwegs - er bat die Milliardäre des Silicon Valley um sehr großzügige Kredite.

"Mark Zuckerberg, investiere 1 Milliarde Dollar in Kanye-West-Ideen", lautete ein Tweet. Es folgten drei weitere, in denen er Zuckerberg anflehte, sich zu melden und seine Fans aufforderte, den Facebook-Chef über "FaceTime, Facebook, Instagram oder was auch immer" zu kontaktieren, und für Wests Anliegen zu werben. Als Zuckerberg nicht reagierte - diverse West-Follower empfahlen, es doch lieber via Facebook zu versuchen - wandte der Rapper sich stattdessen an den Google-Chef: "Hey Larry Page, deine Hilfe würde ich auch annehmen …"

Ob einer der Angesprochenen reagiert hat, ist bislang nicht bekannt.



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insgesamt 25 Beiträge
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Bürger Icks 16.02.2016
1. Rapper?
Naja, kann man jetzt sehen wie man will, ich persönlich kann solche Leute wie Kanye West oder Drake nicht ernst nehmen. Denn es gibt SellOut-Pop-Kunstfiguren wie Kanye West. Und eben echte Musiker mit Köpfchen für intelligente Texte und Musikverstand. Kanye West ist jedenfalls nicht HipHop, der ist Glamour-Pop! Der soll weitertwittern und die Nicht-Twitter-Welt nicht belästigen...
fhanfi 16.02.2016
2. bitte noch mehr
davon auf der Startseite....2 Artikel reichen nicht aus...(zur gleichen Zeit)
niska 16.02.2016
3.
Gleich zwei Artikel? Hab ich dann doch was verpasst, weil ich noch nie ein Lied von dem bewusst gehört habe? Ein Rapper brauch m.E. schon gewisse Skills, Styles und Flow. Keep it Real-Attitüde oder Street Credibility wären auch nicht das dümmste. Glampop ist nicht so meins. Wobei: Zumindest das Klische mit der Ugly Fat A** Biat** hat er mit Bravour erfüllt.
creme 16.02.2016
4. locker bleiben
das Album ist bei Spotify schon geladen, nur inaktiv, bisher war das so, dass grauunterlegte Songs, die vorher nicht verfügbar waren, es kurze Zeit später waren, was natürlich nicht heißt, dass sie dann gleich wieder verschwinden, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis es da zu hören ist...
claudia837 16.02.2016
5. Kommentar #3 von niska
"Skills, Styles und Flow. Keep it Real-Attitüde oder Street Credibility" .... hmmmm, interessant. Da habe ICH wohl was verpasst,trotz Englisch Leistungskurs damals im 20. Jh. Am interessantesten ist allerdings how this persons spells KlischeE. Mannomann!
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