Kanzlerinnen-Cast: Her mit den Merkel-Mashups!

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Seit heute gibt es Bundeskanzlerin Angela Merkel im Abonnement. In ihrem ersten eigenen Podcast spricht sie - wen wundert's - über Fußball. SPIEGEL ONLINE wartet schon gespannt darauf, was die Netz-Gemeinde nun mit dem Filmchen anstellt.

"Jetzt geht es los", sagt die Bundeskanzlerin in die Kamera. Sie meint damit nicht das Internet-Zeitalter oder den Aufschwung oder gar die Reformen in Deutschland - sondern, natürlich, die Fußball-WM. Was spätestens beim nächsten Satz klar wird: "Millionen haben auf diesen Augenblick gewartet."

Auf den Merkel-Cast dagegen, die wöchentliche Kanzlerinrede zum Download, die es ab heute gibt, haben vermutlich nicht Millionen gewartet. Eigentlich niemand. Außer vielleicht ein paar findige Blogger, die schon jetzt die digitalen Scheren gewetzt haben und mit zügigen Schnitten und originellen Beigaben den Download aus dem Kanzleramt zu einem schönen Mashup verarbeiten werden.

Zum Beispiel, indem sie die Passage darüber, wie weltoffen und modern Deutschland ist, vermischen mit einer beliebigen Rede von Hessens Ministerpräsident Roland Koch über das Zuwanderungsgesetz. Oder die sehr kanzlerhafte Insiderinformation ("Vor dem Eröffnungsspiel gegen Costa Rica bin ich noch einmal mit Jürgen Klinsmann und unserer Nationalmannschaft zusammengetroffen"), dass "jeder einzelne Spieler hochmotiviert" sei, mit ein paar Bildern von Michael Ballack, wie er mit verhärteter Wade missmutig über den Rasen der für die WM umbenannten Allianzarena humpelt.

Rein technisch stellt das Dateiformat des Podcasts die deutschen Merkelfans vor einige Anforderungen - unter Quicktime 7.1 läuft nichts, und wer bei Apple auf den ersten Button klickt, auf dem "kostenlos" steht, fängt sich auch gleich noch die Musikshop-Software iTunes mit ein. Wer keinen neuen Player installieren will, muss die gestreamte Version ansehen - das ist dann aber kein Podcast mehr.

Der Kanzlerin-Cast wird Apple also womöglich einige neue Kunden aus dem Lager der Union in die Arme treiben. Wie viele genau, ist im Augenblick noch nicht zu erfahren, die Techniker des Kanzleramts zählen noch die Downloads. Über mögliche Merkel-Mashups macht man sich dort aber keine Sorgen: Das zeige ja nur das große Interesse am Angebot, und die meisten Userinnen und User würden sich ja dann doch sicher mehr für das Original interessieren.

Das wird sich zeigen, vor allem wenn das spritzige Netzformat für unterwegs weiterhin mit dem bekannten Kirchentags-Charme der Bundeskanzlerin präsentiert wird. Wenn Merkel sagt, nicht nur junge Menschen seien von "technischen Möglichkeiten" fasziniert, sondern auch sie selbst habe "Freude daran", klingt das in etwa so glaubwürdig wie die neuentdeckte Fußballbegeisterung der Kanzlerin. Wir dagegen sind echt begeistert - und warten auf die ersten Merkel-Remixe (Tipps gerne an netzwelt@spiegel.de, Stichwort: Merkelcast).

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