Hamburg - 180.000 Manuskripte, 1,6 Millionen Bücher, 85 Regalkilometer Akten - das Vatikanische Geheimarchiv ist wahrlich groß. Vielleicht sogar ein bisschen zu groß für die Presseabteilung des Heiligen Stuhls. Als die Verantwortlichen die Ernennung von 22 neuen Kardinälen durch Papst Benedikt XVI. verkündeten, orientierten sie sich lieber an der Wikipedia als Faktenquelle.
Die 22 Biografien der neuen Kardinäle, die der Pressemitteilung beilagen, waren laut dem britischen "Guardian" großzügig und ohne Quellennennung aus der italienischen Wikipedia kopiert. Die moderne Autorenschluderei fiel dem italienischen "Espresso"-Blogger Sandro Magister als erstem auf, zumal es einige Hinweise gab:
Geht der Vatikan im Versuch, das Internet inhaltlich und förmlich zu umwerben, zu weit? Mit dem Vorwurf der Copy-und-Paste-Sünde konfrontiert, erklärte Vatikan-Sprecher Vater Federico Lombardi dem "Telegraph", dass die Biografien nur als Handreichungen für die Pressestellen des Vatikans gedacht gewesen seien. Er und sein Team seien zu spät über die Liste der Kardinäle informiert worden. Auf der Website des Vatikans habe man zwischenzeitlich natürlich selbst verfasste Biografien veröffentlicht.
Nun ist der Vatikan blamiert. Und weil der Katholizismus eine Weltreligion ist, wird auch global über den Vorfall gelacht - oder mit dem Kopf geschüttelt, je nachdem. Bei Twitter etwa findet man am Dienstag Anmerkungen zum Thema "Vatikan" und "Wikipedia" in indonesischer, polnischer, slowenischer Sprache, und natürlich auf Englisch, Deutsch, Französisch und so weiter.
fko
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