Netzwelt-Ticker: W-Lan-Haftung, US-Überwachung, Ping

Von Richard Meusers

Heute im Überblick: Laut einem US-Urteil haftet der Betreiber eines offenen W-Lans nicht für illegales Filesharing durch Dritte; widersprüchliche Entwicklungen zum Datenschutz in den USA; weltweit sind mittlerweile 500 Millionen Android-Geräte aktiviert.

Während hierzulande Betreiber eines offenen W-Lans potentiell gefährlich leben, können Nutzer solcher Internetanschlüsse in den USA beruhigt schlafen. Denn anders als in Deutschland, wo der Inhaber eines Anschlusses auch für illegale Downloads Dritter haftet, wenn sie über seinen Zugang erfolgten, entschied eine kalifornische Richterin gegenteilig: Es existiere keinerlei Pflicht für den Besitzer eines drahtlosen Netzwerks, seine Anlage gegen die Online-Piraterie außenstehender Nutzer zu sichern.

Das grundsätzliche Problem besteht laut "TorrentFreak" darin, dass die Person, die die Rechnung bezahlt, nicht identisch sein muss mit der Person, die illegal Filme oder Musik herunterlädt. Im aktuellen Fall ging es um die Klage eines Produzenten von Erwachsenenfilmen gegen einen BitTorrent-Nutzer. Der Filmproduzent hatte darauf bestanden, dass Internetanschlüsse gesichert werden müssen. Eine Sichtweise, die von der zuständigen Richterin Phyllis Hamilton nicht geteilt wurde, denn es existiere keine entsprechende gesetzliche Grundlage.

Die Electronic Frontier Foundation (EFF), die zahlreiche verklagte BitTorrent-Nutzer in ähnlichen Fällen berät, zeigte sich zufrieden mit dem Urteil: "Diese Entscheidung sendet an Rechteinhaber die deutliche Botschaft, keine juristischen Tricks anzuwenden, um den gesetzlichen Schutz für Internetverbindungen zu umgehen."

Mehr und weniger Privatsphäre in den USA

Widersprüchliche Signale kommen aus den USA zu den Themen Datenschutz und Privatsphäre: Im Justizausschuss des Senats wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, bei dessen Verabschiedung die Polizei nicht mehr wie bisher schnellen Zugriff auf E-Mails erhalten würde. Derzeit reicht dazu ein Ersuchen an den jeweiligen Provider bereits aus. Sollte die Neufassung des seit 1988 geltenden Video Privacy Protection Act (VPPA) durchkommen, würde das die Situation nicht nur für E-Mail-Nutzer, sondern auch für jeden ändern, der Facebook, Twitter und Google Docs nutzt oder anderweitig online kommuniziert, so die Einschätzung bei "Ars Technica".

Ursprünglich habe sich der VPPA nur auf E-Mails bezogen, die in der Frühzeit der Computerei meistens nach 180 Tagen gelöscht wurden. Für den Zeitraum danach benötigte die Polizei keinerlei richterliche Genehmigung für den Zugriff. 1988 noch praktisch gegenstandslos, öffnet diese Regelung im Zeitalter des Cloud Computing der breiten Überwachung Tür und Tor. Der Entwurf zur Gesetzesnovelle sieht vor, die 180-Tage-Grenze zu kippen und einen generellen Richtervorbehalt einzuführen.

Während der Senat also den allzu neugierigen Behörden Grenzen setzen könnte, hat das Repräsentantenhaus in die andere Richtung entschieden: Mit 301 zu 118 Stimmen wurde am Mittwoch ein 2008 beschlossener Zusatz zum Spionagegesetz für weitere fünf Jahre verlängert. Der sogenannte FISA Amendments Act erlaubt die Überwachung der Kommunikation von amerikanischen Bürgern im In- und Ausland. Damit sollen Terrorpläne möglichst früh identifiziert und unterbunden werden; die richterlichen Aufsichtsmöglichkeiten sind dabei auf ein Minimum reduziert.

Kritiker bemängelten, das Gesetz verstoße gegen den vierten Verfassungszusatz, der Bürger vor staatlichen Übergriffen schützt. Eine demokratische Abgeordnete erklärte, die Regierung müsse im Einklang mit dem Verfassungszusatz handeln: "Wir können in Sicherheit leben und trotzdem die Verfassung einhalten."

Zwar hat der stramm konservative Chef des Justizausschusses, der Republikaner Lamar Smith, die Verlängerung unterstützt. Doch auch auf Seiten der Republikaner gibt es Abweichler: Der kalifornische Abgeordnete Tom McClintonck gab zu Protokoll, das Gesetz besitze erhebliche Missbrauchsgefahr und schränke die Möglichkeiten für Rechtsmittel ein.

Ausgepingt - Apple schließt sein Netzwerk

Alle reden über das iPhone 5, dabei führt Applezeitgleich auch eine Beerdigung durch. Bei Ping, dem Social Network für Musik, gehen Ende des Monats die Lichter aus . Apple hatte vor zwei Jahren das Netzwerk gegründet, mit dem Nutzer zum Beispiel untereinander Musik tauschen können - richtig in die Gänge gekommen ist die Sache aber nie. Wer sich jetzt noch registrieren will, erhält die Mitteilung, der Service stehe ab dem 30. September nicht mehr zur Verfügung.

Weltweit 500 Millionen Android-Geräte aktiviert

Erst vor einer Woche prahlte Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt, es gebe bereits 480 Millionen Geräte, die das hauseigene Mobilbetriebssystem Android nutzten - und jeden Tag kämen 1,3 Millionen dazu. In der Zwischenzeit dürfte sich die Zahl demnach um knapp zehn Millionen erhöht haben. Vielleicht waren es ja doch ein paar mehr, zumindest verkündete Android-Chefentwickler Hugo Barra auf Google+, die 500-Millionen-Grenze sei nun geknackt. Die tägliche Wachstumsrate von 1,3 Millionen Neugeräten gelte weiterhin.

Auch das noch:

  • Supercomputer aus Raspberry Pis und Legosteinen: 64 Kleincomputer wurden von Forschern der Universität von Southampton zu einem Großrechner zusammenmontiert. Um die Rahmenkonstruktion für die kreditkartengroßen Minirechner einzurichten, installierten die Wissenschaftler ein Rack aus Legosteinen. Der Plastikrechner kommt auf eine Speicherkapazität von einem Terabyte; die 64 kleinen Rechner verfügen jeweils über 16 Gigabyte Speicher auf einer SD-Karte. Das Ganze zum Preis von umgerechnet gut 3100 Euro.
  • Udo Vetters "Lawblog"-Partnerschaft mit der Arag stößt im Netz auf wenig Begeisterung. Die Versicherung darf pro Woche mehrere gekennzeichnete Beiträge in Vetters populärem Weblog absetzen, der Anwalt soll auf der Versicherungsseite monatlich eine Kolumne zum Online-Recht schreiben. Das lukrative Arrangement betrachten manche als "Schritt in Richtung Professionalisierung". Einige Kollegen sehen die Kommerzialisierung jedoch deutlich kritischer, und auch die treuen Leser von Vetters Web-Auftritt zeigen sich nicht durchgängig begeistert.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Android-Anzahl zu hoch durch Mehrfach-Käufe!
fliegender-robert 13.09.2012
Google trickst mit dieser Zahl heftig. Da das Betriebssystem (Android) und der Hardware-Hersteller (Handy) katastrophal schlecht zusammen arbeiten, muss sich der Nutzer für aktuelle Software(!!)-Versionen gleich ein neues Handy kaufen. Dies treibt die Anzahl natürlich in die Höhe... Wenn andere Betriebssystem-Hersteller fleißig Updates für die gesamte und historische Produktpalette liefern, klappt dies bei Android überhaupt nicht. Oft heißt es schon wenige Wochen / Monate nach dem Handy-Kauf: "Es werden keine weiteren Google-Updates für Ihr Handy ausgeliefert". Da bleibt nur der Weg zum Dritt-, Viert- und Fünft-Handy. Vor allem, wenn manchmal so gigantische Design-Fehler bestehen, dass man's am liebsten wegwerfen möchte. Ganz schlimm war Sony-Ericsson - Nie wieder!
2.
Ambermoon 14.09.2012
Zitat von fliegender-robert[...] muss sich der Nutzer für aktuelle Software(!!)-Versionen gleich ein neues Handy kaufen. Dies treibt die Anzahl natürlich in die Höhe...[...]
Der Durchschnittsnutzer, der für das Gros jeglicher Zahlen zum Großteil verantwortlich ist, "kauft" sich in Deutschland alle zwei Jahre ein Handy. In den USA ist das ebenso, mit anderen Ländern kenne ich mich nicht aus.
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