Von Felix Knoke
Wie Stefan Ortloff, ein deutscher Virenforscher bei Kaspersky Labs in einem "Securelist"-Blogbeitrag schreibt, hat er zusammen mit Kollegen die Kontrolle über das Kelihos.B-Botnetz an sich gerissen - indem sie dessen fortschrittlichsten Schutzmechanismus gegen es selbst nutzten (wie das geht, erklärt dieser durchaus verständliche Text (Pdf-Datei, 2 MB)). Damit ist nach dem Zeus-Botnetz diese Woche schon das zweite problematische Rechnernetz "down".
Kelihos.B ist die Weiterentwicklung des im vergangenen September bereits von Microsoft sabotierten Kelihos-Botnetzes. Kelihos.A war mit 42.000 bis 45.000 infizierten Rechnern zwar kein Bot-Schwergewicht, verschickte aber trotzdem täglich bis zu 4 Milliarden Spam-Mails - vor allem für Aktienbetrug, Pornografie, illegale Arzneimittel und Schadsoftware. Kelihos.B war mit rund 110.000 Bots, also befallenen, ferngesteuerten Rechnern, deutlich größer - und gefährlicher.
Kelihos.B hatte gegenüber seinem Vorgänger ein paar Zusatzfunktionen, konnte Bitcoins stehlen und sich über USB-Sticks weiterverbreiten. Vor allem aber war es besser als sein Vorgänger gegen Sabotage-Versuche geschützt: Statt auf wenige Kontroll-Server setzte Kelihos.B auf eine Filesharing-artige Struktur, bei der alle befallenen Rechner je nach Bedarf die Befehle der Hacker verbreiteten.
Doch seine fortschrittliche verteilte Steuerungsinfrastruktur sollte ihm jetzt zum Problem werden. Ein internationales Team - Kaspersky Labs, CrowdStrike Intelligence Team, Honeynet Projekts und Dell SecureWorks - hat das Botnetz mit präparierten Rechnern unterwandert und sich nach und nach als perfekter Knotenpunkt im Filesharing-Netz präsentiert. Das hatte zur Folge, dass alle problematischen Datenströme zwangsläufig auf den von den Forschern kontrollierten Rechnern landeten und dort von ihnen ausgewertet werden konnten.
Damit ist das Kelihos.B-Botnetz faktisch gelähmt - die einzelnen Bots aber bleiben infiziert und aktiv. Eine individuelle Warnung der wahrscheinlich ahnungslosen Bot-Infizierten ist aber außer Reichweite der Sicherheitsexperten. Und so rechnen sie damit, dass bald schon eine neue Kelihos-Version erscheinen wird.
Zugangscode: iPhone und Android unsicher
Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass ein Smartphone mit einem Zahlenschloss gesichert werden kann. Die schwedische IT-Firma Micro Systemation zeigt nun in einem Video, wie leicht der Smartphone-Schutz umgangen werden kann. Auf iOS- und Android-Geräten dauert der ganze Vorgang nur wenige Minuten.
Die Sicherheitsexperten schließen ein speziell dafür entwickeltes Gerät ans Handy an, das dann wiederum sämtliche möglichen Zugangscodes durchprobiert - Brute-Force-Attacke nennt man so etwas. Bei einem vierstelligen Code muss das System nur 10.000 Kombinationen testen, das geht sekundenschnell. Dieses Gerät nutzen Ermittler und Militär, erklärt Forbes.com.
Computer-Experiment: Im, auf und um den Monitor herum
So also könnten Computer-Interfaces nach der Touchscreen-Zeit aussehen: Microsoft hat einen durchsichtigen 3-D-Bildschirm vorgestellt, der Handbewegungen erkennt, die hinter ihm vorgenommen werden. Der Nutzer schaut damit ungehindert auf den Bildschirm und kann entspannt mit abgelegten Händen mit den Bildschirminhalten interagieren. Das Video ist zwar einen Monat alt, aber immer noch sehenswert.
Was am Donnerstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war
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