Crowdfunding absurd Wenn Haie fliegen könnten

Sie wollen Filme über fliegende Haie drehen oder Unterhosen produzieren, die vor Handystrahlung schützen? Aber wer soll's finanzieren? Die Crowdfunding-Plattform Kickstarter gibt es jetzt auch auf Deutsch - hier sind einige der merkwürdigsten Projekte.

Kickstarter-Projekt "Sky Sharks": Marktplatz der Hoffnungen
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Kickstarter-Projekt "Sky Sharks": Marktplatz der Hoffnungen

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Crowdfunding-Plattformen sind nicht nur Tummelplätze von BWL-Absolventen, die unbedingt "Founder" in ihre Twitter-Biografie schreiben möchten - sie sind auch Marktplätze der Hoffnung. Und, gelegentlich, des Wahnsinns.

Wenn man in die Tiefen von Finanzierungs-Websites wie Kickstarter, Indiegogo oder Startnext hinabsteigt, kann man dort etwa auf hoffnungsvolle Künstler treffen, die endlich ihre grandiose Idee umsetzen wollen (zum Beispiel diesen Film über Nazi-Zombies auf fliegenden Haifischen), auf Menschen mit schriftstellerischen Ambitionen, die nur noch 25.000 Euro brauchen, um endlich mal ihre Krimiserie zu schreiben, auf Menschen, die einfach gerne mal auf Kosten anderer in den Heidepark Soltau wollen - und auf den einen oder anderen Witzbold. Wobei die Grenze zwischen Spaß und Ernst oft nicht auf den ersten Blick auszumachen ist.

Gelegentlich hat man es auch mit mehr oder minder unverhohlenen Betrugsversuchen zu tun. Auf der Linksammel-Plattform Reddit werden schon seit einiger Zeit besonders üble oder sinnlose Kickstarter-Projekte gesammelt - demnächst kommen vermutlich auch ein paar aus Deutschland dazu. Denn seit dem heutigen Dienstag ist die deutsche Ausgabe von Kickstarter verfügbar. Nicht etwa unter Kickstarter.de, dort geht es um Motorräder, sondern unter Kickstarter.com/Deutschland. Nach Indiegogo und Startnext ist nun also auch die größte Crowdfunding-Plattform aus den USA für Deutsche auf der Suche nach Investoren oder Gutgläubigen ohne Umwege verfügbar.

Die ersten dort angepriesenen Projekte machen allerdings noch keine allzu große Hoffnung, dass das deutsche Kickstarter etwas an der vergleichsweise verhaltenen Begeisterung der Deutschen für das Thema Crowdfunding ändern wird. Wir haben fünf in ihrer Absurdität durchaus halbwegs repräsentative Projekte für Sie ausgewählt. Ob Sie investieren, bleibt Ihnen selbst überlassen.

Fünf seltsame Kickstarter-Projekte
Der Mutterkuchen

Auch aus einem einzelnen schlechten Wortwitz kann ein Kickstarter-Projekt werden. Maximilian Evers aus Böblingen etwa möchte 7500 Euro einsammeln, um damit eine Kuchenform zu produzieren. Eine Kuchenform in Form einer Schraubmutter. Mutterkuchen, Sie verstehen? Für potenzielle Unterstützer, die des Deutschen nicht mächtig sind, wird auch noch einmal erklärt, dass Mutterkuchen auf Englisch "placenta" bedeutet. Wir ersparen uns an dieser Stelle jeden weiteren Kommentar.

Kronjuwelen

Der Werbetext auf der Projektseite spricht durchaus für einen gewissen Humor, das Projekt aber ist augenscheinlich ernst gemeint: Vier Herren aus Düsseldorf möchten gerne 25.000 Euro einsammeln, um mit einer Herrenunterhose in Serie zu gehen, die vor Handystrahlung schützen soll. Werbespruch, kein Witz: "Protecting Your Balls". Dass die Strahlung von Mobiltelefonen, WLAN-Routern oder anderem Netzwerk-Gerät tatsächlich irgendwelche schädlichen Auswirkungen auf die männlichen "Kronjuwelen" hat, hat übrigens bis heute niemand nachgewiesen. Sehr wahrscheinlich ist dagegen, dass das geplante Kleidungsstück aus "ca. 20% Silber, ca. 60% Polyester und ca. 20% Polyamid" es mit einer Baumwollunterhose eher nicht wird aufnehmen können, was Atmungsaktivität und Hautfreundlichkeit angeht. Sicher jedenfalls: Solche Produkte gibt es tatsächlich schon, von diversen Herstellern.

2020 A.D.

Ein junger Comickünstler namens Shane soll hier stellvertretend für all die hoffnungsvollen Nachwuchsautoren stehen, die schon jetzt auf der deutschen Kickstarter-Seite nach Finanzierung für ihre Buchprojekte suchen, sei es eine Krimiserie "aus meiner Heimat, der Region rund um den Bodensee" oder ein Roman über ein E-Sport-Team, das die "Biokinese" entdeckt und dann in die Spionage einsteigt. Fragen Sie nicht. Shane möchte einen Comic über, soweit man das dem in sehr eigentümlichem Englisch gehaltenen Beschreibungstext entnehmen kann, bewaffnete Aliens in Wolfsgestalt zeichnen. Sein Finanzierungsziel - 600 Euro - ist zwar vergleichsweise bescheiden, sein Angebot an potenzielle Unterstützer dafür allerdings eher ruppig: "Ihr bekommt gar nichts, wenn ihr nicht 50 Euro zahlt. Und wenn ihr 50 Euro oder mehr zahlt, könnt ihr nur euren Namen auf die Unterstützerseite bekommen, die ich für den Comic machen will."

Leitungswasser

Der Initiator dieser Kampagne ist eigenen Angaben zufolge noch minderjährig, deshalb lassen wir seinen Namen hier mal weg. Unklar ist, ob er das Ganze ernst meint oder nur einen durchaus Kickstarter-kompatiblen Humor hat: Weil Bonaqua von Coca Cola ja auch bloß Leitungswasser mit Kohlensäure sei, möchte der junge Mann gerne mit 15.000 Euro von Spendern ein Konkurrenzprodukt auf den Markt bringen: Wasser, "frisch-gezapft aus den Leitungen der Stadtwerke Neustadt in Holstein" und "abgefüllt in einer stylischen, aber schlichten Glasflasche". Für 2016 stellt er sogar Varianten mit Kohlensäure in Aussicht.

Sky Sharks

Von allen hier vorgestellten Projekten hat dieses womöglich am ehesten Chancen, tatsächlich die angepeilte Finanzierungssumme zusammenzubekommen. Obwohl die mit 75.000 Euro doch schon vergleichsweise hoch liegt. Es geht um einen Splatterfilm namens "Sky Sharks", in dem es um, nun ja, fliegende Haie geht. Mit Zombies auf dem Rücken. Schwer bewaffnete und extrem brutale Nazi-Zombies. Drehen wollen den Film fünf Freunde des gepflegten Gemetzels, der Regisseur verdient sein Geld eigenen Angaben zufolge mit Werbung. Ganz so absurd, wie das alles auf den ersten Blick scheint, ist es nicht, immerhin war "Sharknado" so erfolgreich, dass davon mittlerweile schon der dritte Teil gedreht wird. Und über Nazi-Zombies oder Zombie-Nazis gibt es so viele Filme, dass man fast schon von einem eigenen Genre sprechen kann. Trashmeister Uwe Boll hat natürlich auch mal einen gemacht ("Blubberella"). Boll hat übrigens auch schon ein deutsches Kickstarter-Projekt.



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