Urteil in Neuseeland Kim Dotcom darf an die USA ausgeliefert werden

Der umstrittene Unternehmer Kim Dotcom wehrt sich in Neuseeland seit Jahren gegen eine Auslieferung an die USA - dort drohen ihm unter anderem wegen Urheberrechtsverletzungen bis zu 20 Jahre Haft. Jetzt hat ein Richter entschieden: Dotcom soll ausgeliefert werden.


Ein Richter im neuseeländischen Auckland hat die Auslieferung des umstrittenen Internetunternehmers Kim Dotcom an die USA genehmigt. Nach einer neunwöchigen Anhörung sei die Beweislage überwältigend, die Auslieferung solle daher erfolgen, hieß es am Mittwoch. Neben Dotcom sind demnach auch drei weitere Angeklagte betroffen.

Der 41-jährige Dotcom hatte die einstige Tauschplattform Megaupload gegründet. Das Unternehmen soll mit illegal kopierten Filmen und anderen Daten einen Schaden von mindestens 500 Millionen Dollar verursacht haben. Das FBI stuft Dotcoms Aktivitäten als größten Fall von Urheberrechtsverletzung in der US-Geschichte ein. Ihm drohen in Amerika wegen Urheberrechtsverletzungen, Betrugs und Geldwäsche bis zu 20 Jahre Haft.

Dotcom kündigte nun über seinen Anwalt an, die Entscheidung des Richters anzufechten. Vor Gericht war es nicht darum gegangen, ob die Angeklagten schuldig sind oder nicht. Es musste vielmehr entschieden werden, ob die Anschuldigungen stichhaltig genug für eine Auslieferung sind.

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Geschichte einer Karriere: Aufstieg und Fall des Kim Dotcom
Neuseeländische Behörden waren Anfang 2012 auf Antrag der US-Behörden mit Dutzenden Beamten auf Dotcoms Anwesen bei Auckland vorgedrungen und hatten den Unternehmer festgenommen. Sie beschlagnahmten Luxusgüter und Vermögenswerte.

Ein Gericht hatte die Durchsuchungsbefehle zunächst für illegal erklärt, doch ein Berufungsgericht hob das Urteil wieder auf. Dagegen klagte Dotcom vor dem höchsten Gericht. Durch den Rechtsstreit wurde das Auslieferungsverfahren immer wieder verschoben.

Dotcom hat die deutsche und die finnische Staatsbürgerschaft. In den Neunzigerjahren ließ er sich als genialer Hacker feiern, später sorgte er mit Internetfirmen für Aufsehen, die zunächst massiv an Wert gewannen, von denen einige später aber pleitegingen. Durch sein prahlerisches Auftreten wurde der Zweimetermann zur Reizfigur.

Bei Twitter bedankte er sich nach der Urteilsverkündung für die Unterstützung und schrieb, er freue sich auf die gemeinsame Zeit mit seinen Kindern. "Es gibt Wichtigeres als Urheberrechte."

aar/Reuters/AFP/dpa

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