Netzwelt-Ticker: Kim Dotcom bekommt Geld und Luxusautos zurück

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Per Gerichtsbeschluss sind dem Megaupload-Gründer Hunderttausende Euro und einige Autos zugesprochen worden - und er könnte in Neuseeland einen Parteispendenskandal anstoßen. Außerdem im Überblick: Microsoft kauft sich E-Book-Technik, Steve Wozniak ein Windows Phone und vieles mehr.

Kim Schmitz (1999 in Hongkong): Darf wieder seinen Luxus-Mercedes fahren Zur Großansicht
REUTERS

Kim Schmitz (1999 in Hongkong): Darf wieder seinen Luxus-Mercedes fahren

Das Klagen scheint geholfen zu haben: Kim Schmitz alias Kim Dotcom, Gründer des im Januar geschlossenen Filehosters Megaupload, hat auf gerichtliche Anordnung hin Zugriff auf einen Teil seines beschlagnahmten Vermögens bekommen. Nach einer Entscheidung der zuständigen Richterin am New Zealand High Court darf Schmitz über Konten und Gegenstände im Wert von umgerechnet knapp 500.000 Euro verfügen und wieder in seinem Mercedes-Benz G55 AMG fahren.

Schmitz' Ehefrau Mona kann mit den ihr zugestandenen Geldern endlich ihre Arztrechnungen bezahlen und bekommt ihren Toyota-Luxus-Van zurück. Der Mitangeklagte Bram van der Kolk erhält gut 6000 Euro für Lebenshaltungskosten und einen A-Klasse-Mercedes aus dem Unternehmensfuhrpark. Etliche weitere Fahrzeuge im Schätzwert von knapp vier Millionen Euro bleiben aber weiter unter Verschluss.

Darüber hinaus darf er den Swimmingpool seines Anwesens pro Tag für anderthalb Stunden nutzen und auch der Zugang zum Internet wurde ihm gestattet, berichtet "Auckland Now". Mit dem Geldsegen ist wohl auch ein anderes drängendes Problem des Megaupload-Gründers gelöst. Bislang war unklar, wie er die Kosten für seine anwaltliche Vertretung bestreiten sollte.

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Megaupload: Der Millionär und sein Fuhrpark
Gleichzeitig ist der schwergewichtige Online-Unternehmer auf dem besten Wege, eine Regierungskrise in Neuseeland auszulösen. Grund sind Äußerungen Schmitz', er habe dem jetzigen Minister John Banks in seiner Zeit als Bürgermeisterkandidat für Neuseelands größte Stadt Auckland Spenden in Höhe von umgerechnet gut 30.000 Euro zukommen lassen. Banks habe ihn gebeten, das Geld in zwei Tranchen zu teilen, um so die Meldepflicht für Parteispenden zu umgehen. Allerdings, so der britische "Guardian", stelle auch das Annehmen einer an sich legalen anonymen Spende in Neuseeland eine Straftat dar, wenn der Empfänger über die Identität des Spenders Bescheid wisse.

Schmitz erklärte Ende der vergangenen Woche im Fernsehen, er habe Banks mit seinem Privat-Helikopter zu seinem Anwesen geflogen. Auf Nachfrage bestätigte Banks zwar das Zusammentreffen mit Schmitz, erklärte aber, an den Flug könne er sich ebenso wenig erinnern wie daran, dass "über Geld gesprochen" worden sei. Sollten sich die Vorwürfe gegen Banks erhärten, so sei sein Rücktritt unausweichlich, was für die Regierung von Premierminister John Key eine erhebliche Schwächung bedeute, so politische Beobachter.

Microsoft kauft sich in E-Book-Markt ein

Der E-Reader Nook ist in den Vereinigten Staaten ein - im Vergleich zu Amazons Kindle - kleiner Erfolg: Das Lesegerät mit angeschlossener Vertriebsplattform der Buchhandelskette Barnes & Noble hatte in den USA Mitte 2011 laut eigenen Angaben einen Marktanteil von 26 Prozent. Im zweiten Quartal 2011 machte Barnes & Noble mit der Nook-Hardware und E-Book-Verkäufen einen Umsatz von 220 Millionen Dollar.

Das Digitalgeschäft wird nun in eine neue Firma ausgegliedert, an der Microsoft beteiligt ist. Einer erster Schritt dieser "strategischen Allianz" soll die Integration von Nook-Lese-Apps in das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8 sein, berichtet das "Wall Street Journal". Auf dem Nook-Tablet Nook Color läuft ähnlich wie auf Amazons Kindle Fire eine stark modifizierte Version des Google-Betriebssystems Android. Ende 2011 hat Microsoft den Nook-Hersteller Barnes & Noble wegen angeblicher Patentverletzungen in der Software des Lesegeräts verklagt, im Februar einen Teil der Klage zurückgezogen. (lis)

Auch das noch:

  • Windows-Phone-Erfolg nach Provider-Frust wegen Apple? Die großen US-Mobilfunker AT&T und Verizon verstärken ihre Aktivitäten im Bereich von Windows Phone. Beobachter führen das auf die bisher guten Verkaufszahlen entsprechender Smartphones zurück. Außerdem wollen sich die Provider angeblich von dem zunehmend lästigen Diktat Apples befreien. Nicht zuletzt verursache jeder iPhone-Kunde um 40 Prozent höhere Kosten als Nutzer anderer Anbieter.
  • Warum Apple-Mitgründer Steve Wozniak sein Windows Phone so mag: Im Vergleich zu Android sei Microsofts Handy-Betriebssystem vorzuziehen. Die Benutzeroberfläche sehe aus, als habe Microsoft einen Apple-Designer abgeworben, um das User Interface und dazu passende Apps zu entwerfen. "Bei vielem, das ich sehe, könnte Steve Jobs bei Microsoft wiedergeboren sein." Trotzdem bleibe das iPhone sein bevorzugtes Smartphone, so Wozniak.
  • Warum Zeitungs-Apps für Android lahmen: Anders als bei Apps fürs iPad müssen Android-Entwickler viele verschiedene Geräte- und Software-Versionen berücksichtigen. Dieser unübersichtliche Zoo habe einen unverhältnismäßig hohen Programmieraufwand zu Folge. Verlagschefs hoffen nun, dass Google bei diversen Tablet-Herstellern die Zügel anzieht und einheitliche Android-Standards vorgibt oder dass Amazon sein Kindle Fire endlich nach Deutschland bringt.

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1. ...
Obi-Wan-Kenobi 30.04.2012
Zitat von sysopPer Gerichtsbeschluss sind dem Megaupload-Gründer Hunderttausende Euro und einige Autos zugesprochen worden - und er könnte in Neuseeland einen Parteispendenskandal anstoßen. Außerdem im Überblick: Microsoft kauft sich E-Book-Technik, Steve Wozniak ein Windows Phone und vieles mehr. Netzwelt-Ticker: Kim Dotcom bekommt Geld und*Luxusautos zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,830562,00.html)
Glückwunsch, liebe Neuseeländer, zu Eurem Neubürger Dr. Kimble. Gewöhnt Euch dran, wo Schmitz ist, ist Ärger nicht weit und bei nächster Gelegenheit ist Dr. Kimble mal wieder auf der Flucht, den Ärger hat er aber dagelassen. :-) Ihr hättet Euch einen Gefallen getan, wenn ihr ihn asap in die USA abgeschoben hättet.
2. aha
Nonvaio01 30.04.2012
Zitat von Obi-Wan-KenobiGlückwunsch, liebe Neuseeländer, zu Eurem Neubürger Dr. Kimble. Gewöhnt Euch dran, wo Schmitz ist, ist Ärger nicht weit und bei nächster Gelegenheit ist Dr. Kimble mal wieder auf der Flucht, den Ärger hat er aber dagelassen. :-) Ihr hättet Euch einen Gefallen getan, wenn ihr ihn asap in die USA abgeschoben hättet.
dann sind Sie also auch fuer verurteilungen ohne Gericht. Einfach mal kurz checken und dann urteil faellen. Geht ja auch viel schneller. Wir sollten auch die Post schliessen und alle Angestellten verhaften, da auch illegale sachen mit der Post verschickt werden. Bei der Post wird nichteinmal darauf hingewiesen das man illegale sachen nicht versenden darf, bei Megaupload waren dicke fette warnhinweise.
3.
rodelaax 30.04.2012
Was sollen wir wetten – dass der Clown in kürze untertaucht und in irgendeinem anderen Land, ohne Auslieferungsabkommen mit den USA, wieder auftaucht?
4. das war absehbar
Ha.Maulwurf 30.04.2012
Zitat von sysopAußerdem wollen sich die Provider angeblich von dem zunehmend lästigen Diktat Apples befreien. Nicht zuletzt verursache jeder iPhone-Kunde um 40 Prozent höhere Kosten als Nutzer anderer Anbieter.
Den Mobilfunkanbietern fällt so langsam auf, in welch geradezu lebensbedrohliche Falle sie sich mit Apples iPhone begeben haben. Dass das nicht gut geht, war Branchenbeobachtern schon seit längerer Zeit klar. Die Milliardenverluste durch die extrem hohe iPhone-Subventionierung können nur durch die Verkäufe von Android- und Windows-Smartphones abgefangen werden. Wenn überhaupt. Ironie der Geschichte: Auch der Erfolg des iPods und iTunes war nur durch die Masse an Windows-Nutzern möglich. Ohne Windows wäre Apple immer noch der Pleitekonzern aus den 90ern.
5. Geld wem Geld; Ehre wem Ehre gebühret
haltetdendieb 30.04.2012
Ich ziehe meinen Hut vor Herrn Schmitz. Er hat nichts - gerichtlich Verwertbares - Illegales getan. Er hat eine Marktlücke gefunden und sie genutzt. Ich wäre dazu nicht der Typ Mensch. Ich gönne ihm seine Familei, seinen Reichtum, aber was will er mit einem G55AMG? Hässlicher geht's kaum. Schwamm drüber, seine Entscheidung. Ich freue mich für ihn! Wieso sollte er irgendwohin auswandern? Neuseeland hat jetzt schon seinen großen Skandal. Die werden ihn nicht mehr ausliefern und - vorwärts Kim - Kim wird schon an einer neuen Idee feilen. Ich kann seine Vorliebe für Neuseeland verstehen. Es ist klimatisch wie in der Heimat, nur alles noch ein Tick bombastischer. Das passt zu Kim! GOOD LUCK KIM
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