Aus Austin berichtet Ole Reißmann
Nur das Gesicht von Kim Dotcom ist auf der großen Leinwand zu sehen, nicht viel mehr. Die Zuschauer im Auditorium des Long Centers beim Technikfestival South by Southwest in Austin, Texas, müssen zu ihm aufschauen. Der umtriebige Internetunternehmer ist am Montag zugeschaltet aus Neuseeland, um noch einmal zu erzählen, wie sein Online-Speicherdienst Megaupload dichtgemacht wurde.
Doch die Skype-Verbindung hakt, das große, körperlose Mondgesicht des gebürtigen Deutschen spricht oft nur in einzelnen Wortfetzen: FBI, Geheimdienst, Regierung, MPAA - alle gegen ihn, den erfolgreichen Mega-Unternehmer mit seinem top-legalen Dateispeicherdienst, der dummerweise auch zur Verbreitung von illegalen Kopien genutzt wurde.
Nach allem, was über den Fall bisher bekannt ist, haben sich die US-Behörden bei ihrem Schlag gegen Megaupload nicht mit Ruhm bekleckert und ihre Kompetenzen womöglich überschritten. Die Behörden in Neuseeland haben sich außerdem etwas zu schnell in den Dienst der US-Ermittlungen gestellt. Weil der Megaupload-Gründer illegal überwacht wurde, entschuldigte sich sogar Neuseelands Premierminister bei Dotcom.
"Spielzeuge weggenommen"
Diese Pannen und Peinlichkeiten nimmt sich Dotcom nun vor, und "Wired"-Autor Charles Graeber, der gerade ein Buch über Dotcom und Megaupload schreibt, reicht ihm die passenden Stichworte herein. In dem Buch soll es um illegale Kopien gehen, um Privatsphäre, um die Grauzonen der digitalen Zukunft. Wenn Dotcom aber selbst spricht, gibt es keine Grauzonen.
Einmal mehr kündigt er an, die US-Regierung und die Hollywood-Studios verklagen zu wollen: "Holt schon mal das Popcorn raus." In Neuseeland versucht er gerade, seine Auslieferung an die USA zu verhindern. Bis dahin sitzt er fest, kann nicht reisen und muss auf seine Autoflotte verzichten: "Sie haben mir meine Spielzeuge weggenommen."
In Austin, vor rund 150 Zuschauern, ist er nicht der windige Investor, dem Insiderhandel vorgeworfen wurde. Der die Hacker-Community verprellte und mit Behörden und einem Abmahnanwalt zusammenarbeitete. Hier ist er ein Held, der seinen neuen Speicherdienst Mega preisen darf, der tatsächlich aus dem Publikum gefragt wird, ob das US-Justizministerium hier ein Exempel statuieren wolle und er der Prügelknabe sei.
Bevor Megaupload im Januar 2012 hochgenommen wurde, habe er eine Reise in seine Heimat geplant, um seine Mutter zu besuchen, sagt Dotcom. "Mir fehlt Deutschland." Abgesehen davon sei sein Leben gerade sehr entspannt, er spiele Xbox und gehe ins Kino. Neben dem Konsolenspiel "Call of Duty: Modern Warfare" sei nun noch "Legal Warfare" dazugekommen, die juristische Kriegführung.
Dann wackelt er noch mit den Fingern vor seinem Gesicht herum, damit er aussieht wie eine Krake. Lachend.
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