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30. April 2012, 10:00 Uhr

Android-Tablets in den USA

Jedes zweite ist ein Kindle Fire

Das Konzept geht auf: Wenige Monate nach der Markteinführung ist Amazons Tablet-PC Kindle Fire das meistverkaufte Android-Tablet in den USA - vor allem seines Preises wegen. Doch für Google hat der Erfolg auch Schattenseiten.

Die Zahlen, die Marktforscher Comscore jetzt vorlegte, haben es in sich: Der erst im November 2011 auf dem US-Markt eingeführte Flachrechner Kindle Fire konnte bereits im Dezember einen Marktanteil von 29,4 Prozent unter den Tablets mit Android-Betriebssystem erobernund diesen bis Februar sogar auf 54,4 Prozent beinahe verdoppeln. Damit ist Amazons Media-Tablet klarer Marktführer bei Plattrechnern mit dem Google-Betriebssystem.

Auf Platz zwei liegt Samsungs Galaxy-Tab-Familie mit einem Anteil von 15,4 Prozent, gefolgt von Motorolas Xoom mit 7 Prozent und der Asus Transformer-Gruppe (6,3 Prozent). Für "Ars Technica" ist der durchschlagende Erfolg des Newcomers keine Überraschung, da es im Bereich der Tablets eine starke Nachfrage nach kostengünstigen Alternativen zum vergleichsweise teuren iPad gebe. Die geringere Verdienstspanne aufgrund der preisgünstig angebotenen Hardware könne Amazon durch hohe Absatzzahlen spielend ausgleichen.

Bei Google dürfte sich indessen die Freude trotz der glänzenden Amazon-Zahlen in Grenzen halten. Was beim Kindle Fire unter der Haube arbeitet, basiert zwar auf Android 2.3 ("Gingerbread"), aber die Amazon-Programmierer haben so viel daran verändert, dass der Eindruck entstehen könne, das Online-Kaufhaus wolle sich Googles Kontrolle auf lange Sicht entziehen. Schon jetzt hätte App-Entwickler einige Schwierigkeiten, ihre Produkte gleichzeitig für das Kindle Fire und die aktuelle Android-Version 4 ("Ice Cream Sandwich") kompatibel zu gestalten.

Der Preis ist verlockend

Derzeit sei völlig unklar, ob Amazon seine Betriebssystem-Abwandlung überhaupt an die aktuelle Android-Version angleichen. Umgekehrt will Google den Erfolg der Billig-Tablets nicht völlig an sich vorübergehen lassen. Schon vor Monatsfrist machten Berichte über Pläne die Runde, der Konzern plane den Verkauf von Tablets in eigenen Online-Shops. Unter den Geräten mit Android-Branding könnten dann sinnvollerweise auch solche aus dem günstigen Preissegment sein.

Das Erstaunlichste am Kindle-Fire-Durchbruch sei der Umstand, dass es sich bei dem Gerät im Grunde überhaupt nicht um einen wirklichen Tablet-Rechner handele, so "PC World". Ursprünglich sei es nur als elektronisches Helferlein gedacht gewesen, um den Verkauf von E-Books voranzutreiben. Tatsächlich liege ungeachtet der durchaus vorhandenen technischen Ausstattung der wichtigste Kaufanreiz für den Siebenzöller im Preis, der mit 199 Dollar nur halb so hoch ist wie der des iPad 2.

Der Erfolg des Amazon-Plattrechners könne jedoch noch größer sein, sollten sich seine Macher für eine Version mit zehn Zoll Bildschirmdiagonale entscheiden. Denn die größeren Geräte werden von ihren Besitzern wesentlich intensiver genutzt als ihre kleinen Varianten.

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