Klangexperimente im Netz: Ist das noch Musik oder schon ein Spiel?

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Komponieren beim Spielen: Entwickler stellen Web-Experimente ins Netz, mit denen jeder Nutzer komponieren kann, indem er Straßen baut, Bälle jongliert oder Tierchen füttert. Die spannendsten Musikspiele im Überblick.

Musikspiele waren lange der Renner unterm Weihnachtsbaum: Computerspiele, die Musik machten. Doch immer mehr Web-Experimente zeigen: Stimmt ja gar nicht! All die "Guitar Heroes" und "Rock Bands" tun nur so, als ob sie Musik machen könnten. In Wirklichkeit stülpen sie taktsynchron ein Musikstück über herkömmliche Spielmechanik (z.B. "Guitar Hero: Whac-A-Mole)". Weil's ein energischer Soundtrack ist, macht's Spiel mehr halt Spaß.

Mit Musikspielen komponiert man, lotet Sounds aus - aber man bedient sie wie ein Computerspiel. Titel wie "Isle of Tune", "Seaquence" oder "Balldropping" sind damit weder Spiel noch Musik-Software noch Instrument, sie sind eine neue Form von Spielmusik. Denn entgegen der direkten Musikerzeugung mit einem Instrument (z.B. Tastendruck = vorab definiertes Geräusch) schalten sie ein Spiel-Element zwischen Mensch und Tonmaschine.



Mit dieser Spielmusik kann auf ganz neue Weise ausgelotet werden, was noch Geräusch oder schon ein Ton ist, was noch ein Klackern oder schon ein Rhythmus. Und schon bald, das zeigen Spielmusiken wie "Seaquence", könnten Musikstücke wie Lebewesen entstehen - als spielerischer Evolutionsbaukasten, in dem Musik-Tierchen sich teilen und paaren, ihre Noten-DNA mischen - oder über schwache Kompositionen herfallen...

Musikmachen als Spiel - die spannendsten Musik-Experimente im Netz im Überblick.

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1. Geschichte der Musikspiele
medienistik 01.01.2011
Die Gattung der Musikspiele ist älter als mancher vielleicht denkt. Die hier vorgestellten Spielkonzepte gehen größtenteils auf Projekte des Künstlers und Programmierers Toshio Iwai zurück. Wer sich für Musikspiele interessiert, kann unter: http://www.medienistik.de/Musikspiele.pdf mehr dazu erfahren.
2. Musikproduzierende Spiele
KnokeF 01.01.2011
Zitat von medienistikDie Gattung der Musikspiele ist älter als mancher vielleicht denkt. Die hier vorgestellten Spielkonzepte gehen größtenteils auf Projekte des Künstlers und Programmierers Toshio Iwai zurück. Wer sich für Musikspiele interessiert, kann unter: http://www.medienistik.de/Musikspiele.pdf mehr dazu erfahren.
Ah, find ich toll, dass meine Ad-hoc-Theorie vom Musik-produzierenden Spiel nicht ein Soloprojekt ist. Sollte ich mir mal mehr Gedanken drüber machen. Gibt's zum Thema noch mehr als in ihrer Arbeit?
3. Antwort
medienistik 01.01.2011
Zitat von KnokeFAh, find ich toll, dass meine Ad-hoc-Theorie vom Musik-produzierenden Spiel nicht ein Soloprojekt ist. Sollte ich mir mal mehr Gedanken drüber machen. Gibt's zum Thema noch mehr als in ihrer Arbeit?
Der Beitrag ist die Verschriftlichung eines Vortrags, den ich an der Uni Basel im Rahmen einer Forschungstagung gehalten habe (wird irgendwann dieses Jahr in einem Sammelband veröffentlicht). Ich habe versucht, möglichst alle Quellen, die ich finden konnte, im Literaturverzeichnis anzugeben. Aber der Reiz des Themas lag für mich gerade darin, dass es noch nicht viele Veröffentlichung zum Thema Musikspiele gibt. Wenn Sie noch "handfestes" Material benötigen, kommen Sie doch mal vorbei :) Ich habe hier eine große Kiste voll mit Musikspielen für diverse Plattform, Bücher, Artikel etc. Habe das alles für den Vortrag gesammelt und jetzt verstaubt es hier...
4. Wo die Musik spielt
schna´sel 03.01.2011
Zitat von sysopKomponieren beim Spielen: Entwickler stellen Web-Experimente ins Netz, mit denen jeder Nutzer komponieren kann, indem er Straßen baut, Bälle jongliert oder Tierchen füttert. Die spannendsten Musikspiele im Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,736679,00.html
Es ist ganz wunderbar, was man mit solchen Spielzeugen alles machen kann. Dabei ist der Übergang zu dem, womit man "ernsthaft" Musik oder Multimedia produzieren kann fließend. Viele Musiker tun überhaupt nicht anderes, als mit solchen Tools zu spielen und so auch zu komponieren. Das Internet ist voll von Musik, die auf so eine spielerische Art und Weise entstanden ist. Für den Privatanwender ist das ein echter Segen, weil die der Zugang zu kreativen Techniken so sehr vereinfacht wird, dass wirklich jeder mit relativ geringem Aufwand befriedigende Ergebnisse erzielen kann. Auf der anderen Seite ist mit der explosionsartigen Entwicklung und Verbreitung solcher Tools eine Inflation eingetreten. Wenn man existenzielle Absichten mit diesem "Spiel" verbindet hat das auch ganz schöne Nachteile mit sich gebracht. Das Überangebot an Musik, die auf so eine Art und Weise entsteht, hat bewirkt, dass man immer mehr "harte Währung", PR und Marketing einsetzen muss um in diesem Rauschen an selbst produzierten Erzeugnissen überhaupt wahrgenommen zu werden. Die Kluft zwischen denen die sich das leisten können und denen, die einfach nur Output produzieren ohne jemals mehr Menschen zu erreichen als eine kleine Insider Gruppe ist riesengroß. Cybermusikmaschinen und Internet sind Mittel für jedermann um sich selbst spielerisch auszudrücken und so auch ein wenig glücklicher zu machen. Wie andere kreative Techniken auch. Das Musikgeschäft haben sie aber keineswegs demokratischer oder gerechter gemacht. Im Gegenteil.
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