Klingeling: Google bietet Mail-Nutzern günstige Telefongespräche

Angriff auf Skype: Nutzer von Google Mail können über ihren Computer nun auch in Deutschland Festnetz- und Handynummern anrufen. Dem praktischen Dienst fehlt allerdings noch ein wichtiges Feature.

Google klingelt: Konkurrenz für Skype Fotos

Hamburg - Google hat seinen Internet-Telefondienst für weitere Länder freigeschaltet. Bisher war das Angebot auf die USA und Kanada begrenzt. Nutzer von Google Mail können mit Hilfe eines Plug-ins von ihrem Computer aus Telefongespräche führen. Der Dienst, den das Unternehmen im vergangenen Jahr in den USA gestartet hatte, ist nun in 38 Sprachen verfügbar. Er klinkt sich in die Audio- und Videochatfunktion Google Talk ein.

In Deutschland betragen die Minutenpreise 2,4 Cent für Gespräche ins Festnetz und 9,5 Cent für Anrufe in Mobilfunknetzen. Um den Dienst nutzen zu können, müssen Nutzer zunächst ein Guthaben in Höhe von mindestens 10 Euro plus Mehrwertsteuer erwerben. Abgerechnet wird der Kauf über Googles Bezahldienst Checkout. Dabei handelt es sich um die regulären Preise. "Das ist kein Einführungsangebot", sagte Google-Sprecher Stefan Keuchel auf Anfrage.

Beim Internet-Telefonieanbieter Skype, der einen ähnlichen Dienst erfolgreich betreibt, gibt es für 11,40 Euro Vorauszahlung 60 Minuten auf Fest- und Mobilnetz, was einem Minutenpreis von 19,2 Cent entspricht. Das Google-Angebot ist damit vergleichsweise günstig. Selbst wer bei Skype 400 Minuten kauft, zahlt immer noch 12,9 Cent pro Minute.

Bei günstigen Mobilfunkanbietern können Kunden in Deutschland allerdings zum Teil bei Prepaid-Verträgen schon für 7,5 Cent pro Minute telefonieren. Es gibt auch Prepaid-Veträge, bei denen man im Monat für Gespräche in alle Netze höchstens 35 Euro bezahlt. All diese Angebote von Mobilfunkunternehmen erhalten eine eigene Telefonnummer. Die bietet Google bisher nicht an, der Dienst eignet sich nur für ausgehende Anrufe. Mit dem Nachteil, dass man über Google mit unterdrückter Rufnummer anruft.

Dafür ist die Integration in den Mail-Dienst von Google gelungen, Telefonnummern lassen sich nun anklicken. Nutzer von Skype kennen diese Funktion bereits. Ist bei einem E-Mail-Kontakt eine Telefonnummer hinterlegt, lässt sich diese Person mit Klick auf ein Telefonhörer-Symbol anrufen. Bei einem ersten Test funktionierte "Calling from Gmail" einwandfrei, wenn auch mit der für Internet-Telefonie üblichen Verzögerung bei der Sprachübertragung.

Offenbar handelt es sich bei "Calling from Gmail" um eine abgespeckte Version des in den USA bereits gestarteten Angebots Google Voice - ein vollwertiger Internet-Telefondienst, eigene Rufnummer inklusive. Zumindest taucht die Bezeichnung Google Voice bei der Anruferliste auf. Wann das Komplettangebot auch in Deutschland startet, konnte Google-Sprecher Keuchel nicht sagen.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Eigene Nummer
miraculics 03.08.2011
Also sobald hier eine eigene Nummer angeboten wird, bin ich sofort dabei. Hoffentlich wird das Google auch noch schnell hinbekommen. Bei Skype wird übrigens nur eine Handynummer angezeigt, wenn man wo anruft.
2. Wesentlich günstiger
birnstein 03.08.2011
19,2ct pro Minute bei Skype? Dann würde ich das nie nutzen. Die Angabe ist schlicht verkehrt. Auf's Festnetz zahle ich bei Skype nur 1,7ct die Minute! Das lohnt sich zwar nicht zu hause mit einer Flatrate, aber im Ausland, zum Beispiel im Hotel mit WLAN, ist es eine sehr günstige Alternative.
3. Kritische Fragen vergessen?
zimmermannrobert 03.08.2011
Wann, wie lange und wo und in welchem Umfang speichert Google die Daten über die getätigten Anrufe. In welchem Umfang und wie werden die Daten mit der extremen Google-Datenmenge über seine Nutzer, Mitglieder und Nichtmitglieder verknüpft? Fragen, die man 2011 immer auch gleich stellen sollte. Fragen, die 1911 nicht gestellt wurden.
4. Sipgate kann das schon lange
andy_y 03.08.2011
nur weil irgendwo Google oder Skype drauf steht muss das noch lange nicht gut sein. Ich vermisse bei Spiegel einen adäquaten Vergleich mit wirklich konkurrenzfähigen Produkten anstatt diesem proprietären Eigenentwicklungen. Sipgate kostet übrigens nur 1,79Euro/min ins Festnetz und man hat eine eigene kostenlose Rufnummer. Ausserdem ist es mittels PC-Software oder App auch überall nutzbar, da es auf standardkonformen SIP basiert kann man auch handelsübliche Hardwaretelefone usw. einbinden. Alles etwas was Google und Co. nicht können und meines Erachtens daher nur Spielkram sind. Ich nutze Sipgate übrigens schon seit über 5 Jahren ohne Probleme. Diese Nachricht von Spiegel ist letztendlich nichts anderes als Werbung für ein völlig überaltertes Produkt von einem viel zu mächtigem Konzern.
5. kookle pöse
sreveth, 03.08.2011
Ich nehme jetzt einfach einmal die nächsten 5000 Kommentare vorweg. "Kookle vohl Pöse sein tuht!" So Forum schliesen ich habe alle Kommentare zusammengefasst :D Sobald ein Artikel irgendetwas über Google schreibt kommen die ganzen Anti-Googler aus ihren Löchern gekrochen. Deshalb eine Frage. Ein Konzern der mir den gleichen Komfort ebenso umsonst bietet wie Google, dabei soviel für unseren Planeten macht und natürlich meine Daten nicht speichert(das scheint ja das Hauptproblem zu sein)? Und ich warte auf ehrliche und sinnvolle Tipps. Und VoIP kann mir von jedem Anbieter gestohlen bleiben, dieses halbgare Zeug brauche ich ganz sicher nicht.
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Google
Der Konzern
Reuters
Google wurde 1998 von den Studenten Sergey Brin und Larry Page gegründet und ging ein Jahr später online. 2010 machte die Firma mit ihren rund 20.000 Angestellten einen Umsatz von mehr als 29 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben davon 8,5 Milliarden Dollar als Gewinn übrig. Die dominierende Stellung im Markt für Online-Werbung sorgt für ein attraktives Geschäftsmodell, birgt aber auch die Gefahr der extremen Abhängigkeit von nur einer Ertragsquelle. Immerhin 96 Prozent der Einnahmen erzielte Google im vergangenen Jahr mit Werbung.
Die Geschäftsfelder
Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen - so etwa 2006 die Videoplattform YouTube und 2007 den Online-Vermarkter Doubleclick. Gleichzeitig hat die Firma ihre Geschäftstätigkeit auch selbst ausgebaut, zum Beispiel mit dem Dienst Google Street View oder dem E-Mail-Anbieter Google Mail.


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