Klingelton-Abos Klingeltonanbieter unter Betrugsverdacht

Im rückläufigen Geschäft mit Klingeltönen verbucht Zed, Nummer zwei nach Branchenprimus Jamba, gegen jeden Trend noch satte Gewinnzuwächse. Das, berichtet die "Financial Times", geht womöglich nicht mit rechten Dingen zu: Zed soll Abos zum eigenen Vorteil "fehlerhaft" abgerechnet haben.


Wir schreiben das Jahr Sechs nach Gründung von Jamba, mit der der Klingeltonwahnsinn einst begann: Zunehmend schrillere TV-Spots zerquäkten das Programm ganzer Sender, fiepende Comicfiguren wie nervende Hühner, steppende Ratten, verrückte Frösche und tanzende Kakerlaken belästigten einen bis in die Radio-Charts und immer mehr Unternehmen entdeckten die Lizenz zum Gelddrucken. Das Prinzip: Bewerbe und verkaufe einen einzelnen Klingelton, schreibe aber zugleich einen Abo-Vertrag ins Kleingedruckte, das sowieso niemand liest - und schon fluten die Millionen aufs Konto.

Schrilles Angebot: Zed macht sein Geld mit Klingeltönen, Bildern und Handyspielen

Schrilles Angebot: Zed macht sein Geld mit Klingeltönen, Bildern und Handyspielen

Verbraucherschützer und Gesetzgeber reagierten, inzwischen sind der Abzocke zumindest Grenzen gesetzt. Zuletzt verbot Anfang April der Bundesgerichtshof in Karlsruhe Klingeltonwerbung in einer Jugendzeitschrift, weil die Anzeigen die wahren Preise der Downloads verschleierten.  Auf die Klingelton-Hysterie der ersten "polyphonen" Jahre folgt nun also ein merklicher Gegentrend in Politik und Gesellschaft - und prompt beginnt der Klingeltonwahnsinn zu verebben. Branchenführer Jamba ist längst dabei, alternative Geschäftsfelder wie Prepaid-Karten für SMS-Flirts zu erproben - nur bei der Nummer 2 der Branche, der Firma Zed Germany, klingelt nach wie vor die Kasse.

Das aber, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) in ihrer neuesten Ausgabe, geht möglicherweise nicht mit rechten Dingen zu. Zed stehe im Verdacht, über Monate hinweg Leistungen fehlerhaft abgerechnet zu haben. Wie die FTD unter Berufung auf interne Dokumente berichtet, soll die Firma Zed Germany gekündigte Abonnements wieder aktiviert oder für nie existente Abos abkassiert haben. Mehrfach hätten die Netzbetreiber dem Bericht zufolge dem Rivalen des Marktführers Jamba in den vergangenen Monaten den Zugang zu den Abrechnungssystemen gesperrt, bei O2 besteht diese Sperre weiterhin. Bei T-Mobile stehe Zed unter verschärfter Beobachtung.

Zed-Geschäftsführer Dietmar Giese bestreitet die Vorwürfe in der Zeitung allerdings. Schuld an den fehlerhaften Abrechnungen seien die Netzbetreiber. Konkret wirft Giese beispielsweise dem Unternehmen O2 vor, Nummern aus erloschenen Handyverträgen an neue Kunden weitergereicht zu haben. So seien die neuen Nummer-besitzer zu Empfängern der Rechnungen ihrer "Vorgänger" geworden. O2 bestreitet jedoch, jemals eine Nummer aus einem erloschenen Vertrag an einen neuen Kunden weitergegeben zu haben.

Dass Zed Germany, im Gegensatz zu Jamba, wo man Umsatzrückgänge hinnehmen musste, seine Erlöse innerhalb eines halben Jahres auf monatlich 4,6 Millionen Euro verdoppelt habe, führte Giese laut dem Bericht auf eine Umstrukturierung der Abrechnungsmechanismen zurück. "Nun treiben wir die Rechnungen konsequent ein", zitiert die Zeitung den Manager. Zed Germany ist eine Tochter der spanischen Lanetro-Zed, die zur Wisdom Entertainment Group gehört. Laut "Financial Times" begannen die Beschwerden gegen das Unternehmen sich zu häufen, nachdem die Spanier Zed im Jahre 2004 übernommen hatten.

pat/ddp



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