Kneipentour im Netz Guter Rat schon jetzt - Supertipps demnächst

Orientierung und Hilfe soll das Internet bieten, auch bei ganz alltäglichen Fragen - zum Beispiel bei dieser: Was mache ich heute Abend?

Von Henryk Frackowiak


Ausgehen, Ausspannen, Abtanzen: Adressen gibt es satt - im Internet
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Ausgehen, Ausspannen, Abtanzen: Adressen gibt es satt - im Internet

Schön, wenn man ihn hat, den Freund in fremder Stadt - das trifft vor allem dann zu, wenn es darum geht, die richtigen Kneipen und Restaurants zu finden. Egal ob man nun in eine neue Stadt umgezogen ist oder eine Dienstreise unternimmt: Irgendwann wird es Nacht, und dann ist Ausgehen angesagt. Wer dann nicht weiß, wo die angesagten Clubs, Bars und Diskotheken zu finden sind, ist auf fremde Hilfe angewiesen.

Wie so vielen einsamen Menschen, die nur ein guter Rat vom Glück trennt, verheißt das Internet auch den Vergnügungssüchtigen Hilfe - wo immer sie sich aufhalten. So hatte ich gehofft und begab mich auf die Suche nach einem Kneipenführer, der mir weiterhilft - egal in welcher Ecke unseres Landes ich mich gerade befinde. Schnell stellte sich heraus, dass es zunächst einmal jede Menge Guides gibt, die sich auf einzelne Städte oder Regionen spezialisiert haben. Diese Angebote reichen von bloßen Auflistungen der Adressen bis hin zu Suchdiensten, die auch den kleinsten Laden kommentieren, abbilden und aktuelle Veranstaltungstipps geben. Sofern vorhanden, sind die Adressen meist mit den Homepages der Locations verlinkt.

Im "Kneipenführer Webring" sind einige der "Lokalen" verzeichnet. Nicht nur in Hamburg oder Berlin, sondern auch, wenn ich je "allein in Waiblingen" wäre, könnte ich mich auf einen lokalen Szeneguide verlassen. Leider gibt es solche Führer nicht für alle Städte, von kleineren Orten ganz zu schweigen. Nachteilig ist außerdem, dass ich mich in jeder Stadt aufs Neue durch alle möglichen Seiten klicken muss, ehe ich am Ziel bin.

Nur wenige Kneipenführer bieten landesweiten Service

Ich suche also weiter und stelle fest, Kneipen- und Restaurantführer, die landesweit Adressen liefern, gibt es wenige. Das Online-Angebot des Magazins "Prinz" beschreibt zwar Ausgeh-Adressen ausführlich und bietet auch Testergebnisse, aber eben nur in westdeutschen Großstädten und Berlin. Der Kneipenführer Deutschland schaut dagegen auch in den Osten, hat aber insgesamt weniger Adressen zu bieten. Bei Cityguidefinder finde ich eine sehr umfangreiche Datenbank. Nach der Eingabe eines Ortes bekomme ich zunächst eine Karte und auch einen Stadtplan geliefert, in dem ich mir dann Bars, Diskotheken, Kinos und mehr anzeigen lassen kann. Banken, Blumengeschäfte und Friseure werden gleich mitgeliefert.

Große Klasse, denke ich, versuche die Adresse eines Cafés in Strümpfelbach (gemein, ich weiß) zu finden und lande bei den Seiten von YellowMap. Ich durchsuche die Homepage des Branchenguides und werde fündig. Unter "YellowEvent" kann ich mir Locations, aber auch Events überall in Deutschland anzeigen lassen. Sollte ich endlich auf meinen nationalen Kneipensuchdienst gestoßen sein?

Ein Test muss her

Für einsame Nachtschwärmer bietet YellowMap den Service YellowEvent

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Gesagt, getan: Um zu sehen, wie die Suchmaschine funktioniert, will ich herausfinden, welche Tipps YellowMap in zwei ausgewählten deutschen Städten für mich bereithält.

In Düsseldorf oder München, wo es nicht zu verfehlende Kneipenviertel wie die Düsseldorfer Altstadt oder München-Schwabing gibt, hätte ich es auch ohne den "Szeneführer" leicht, einen Anlaufpunkt zu finden. Ich mache es mir aber etwas schwerer und begebe mich nach Stuttgart und Rostock. Zwei Städte, die in jedem Falle eine Reise wert sind, deren Nachtleben aber nicht unbedingt als Hauptanziehungspunkt für Fremde gilt. Natürlich trifft dieses Kriterium auf viele Orte zu, aber eine Suchmaschine, die an Neckar und Warnow hilft, wird mich an Elbe und Rhein nicht allein lassen.

Postleitzahl und Ort sind schnell in die Suchmaske bei YellowMap eingegeben, doch beim Thema Branche gerate ich ins Grübeln. Ist eine Kneipe nun eine Bar, eine Diskothek oder ein Restaurant? Ein Kino, eine Theaterbühne und ein Sportplatz ist sie in jedem Falle nicht, deshalb entscheide ich mich für Bars. Das Ergebnis ist beeindruckend: Stuttgart bringt es auf 89 und Rostock sogar auf 100 Adressen inklusive Telefonnummern. Ich staune. Zu jedem Lokal ist eine Wegbeschreibung und dessen Lage auf dem Stadtplan abrufbar. Nützlicherweise lassen sich die Adressen auch nach der Entfernung vom Suchenden aus sortieren.

100 Kinos allein in Stuttgart?

Restaurants und Diskotheken gibt es in beiden Städten erstaunlicherweise auch je 70 bis 100. Ähnlich verhält es sich mit Kinos und Theaterbühnen. Ich komme ins grübeln und stelle fest: Im Umkreis von zwei Kilometern werden erwartungsgemäß nur vier bis fünf Adressen angezeigt. Die Suchmaschine zeigt, wenn vorhanden, immer die nächstgelegenen 100 Adressen an, auch in größerer Entfernung. So suchte ich beispielsweise Restaurants in der Rostocker Innenstadt und bekam unter anderem eine Gaststätte in Ahlbeck angeboten, das etwa 140 Kilometer entfernt liegt.

Der Eindruck, dass es überall eine Vielzahl von Angeboten gibt, ganz gleich wo sich der Suchende aufhält, täuscht also. Grund dafür ist wohl die Tatsache, dass es je nach Standort eben nur eine begrenzte Anzahl Ausgehmöglichkeiten gibt, die naturgemäß kleiner wird, je weiter man sich von den Innenstädten entfernt.

Bewegungsmelder - coole Tips von Szene-Scouts

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Ich weiß jetzt, was es wo gibt. Ich weiß nicht, wer sich da trifft und auf welche Preise und Angebote ich mich einstellen muss. Vielleicht bringt mich ja der Klick auf einen der kleinen Leuchttürme weiter, die an einigen Adressen stehen. Fehlanzeige: Das Symbol ist nicht mit dem erhofften Link versehen. Es markiert lediglich Ausgeh-Adressen, die von Bewegungsmelder empfohlen werden. Das Event-Portal, in dem sich 46 Stadtmagazine zusammengeschlossen haben, gibt Szene- und Partytipps in vielen Städten und Regionen. Außerdem gibt es dort Informationen zu Konzert- und Kinoveranstaltungen.

Gut zu wissen, was wo geht

Apropos Veranstaltungen. Nicht selten kostet der Eintritt in ganz normale Kneipen 15 bis 20 Mark, weil irgendwelche Bands da auftreten. Schön, dass es so was gibt - schön ist es aber auch, es vorher zu wissen. In einigen Städten, wie Berlin, Frankfurt am Main oder Düsseldorf funktioniert dieser Service bei YellowMap bereits. Hier gibt es in der Tat einige Konzertbühnen, deren Veranstaltungen in YellowMap aufgelistet werden. Für Stuttgart und Rostock finde ich leider (noch) keinerlei Veranstaltungstipps. Marc Müller von YellowMap macht mir Hoffnung: "Es ist geplant, die Adressen mit Kurzkommentaren, Veranstaltungshinweisen und themenbezogenen Links auszustatten."

Bis ich bei der Kneipensuche auch in Stuttgart und Rostock weiß, woran ich bin, werden, laut YellowMap, noch mehrere Monate vergehen. In Zukunft soll es möglich sein, einen Veranstaltungsort zu finden, zu sehen, was dort an einem bestimmten Tag stattfindet und per Link bei Bewegungsmelder Karten zu bestellen. Bis dahin heißt es also wie eh und je: Stadt- und Szenemagazine studieren oder einfach Leute fragen. Die haben immer noch die besten Tipps, egal ob Rostock oder Stuttgart, Düsseldorf oder Berlin.



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